So hoch ist Ihr gesetzlicher Rentenanspruch

Rentenformel

Monat für Monat zahlen Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Aber wie viel Geld springt davon im Alter raus? Wie berechnet sich der Rentenanspruch? Hier finden Sie heraus, wie viel Rente Sie vom Staat bekommen werden.

Das Rentensystem in Deutschland gerät immer mehr in Schieflage. Deshalb hat die Bundesregierung reagiert und die "Rente mit 67" beschlossen. Seit Anfang 2012 wird das gesetzliche Renteneintritssalter nun schrittweise um zwei Jahre angehoben. Betroffen ist als erster der Geburtenjahrgang 1947, der nun 65 Jahre und einen Monat arbeiten muss, um die volle Rente zu bekommen. Bis 2023 verschiebt sich der Rentenbeginn pro Jahr um jeweils einen Monat nach hinten, danach um jährlich zwei Monate - bis im Jahr 2029 das Renteneintrittalter von 67 Jahren erreicht ist. Die ersten, die zwei Jahre länger arbeiten müssen - wenn sie keine Abzüge bei der Rente wollen - sind Arbeitnehmer aus dem Geburtenjahrgang 1964.

Wie hoch aber ist nun eigentlich der gesetzliche Renten-Anspruch im Alter? Das errechnet sich aus der sogenannten Rentenformel. Sie besteht aus vier Faktoren: den Entgeltpunkten (E), dem Zugangsfaktor (Z), dem Rentenartfaktor (R) und dem jeweils aktuell gültigen Rentenwert (A) in Euro. Die Multiplikation dieser Faktoren ergibt die spätere monatliche Bruttorente, mathematisch lautet die Formel also: Rente = E x Z x R x A.

Im Folgenden erfahren Sie, was genau hinter den einzelnen Punkten steckt und wie sich Ihre Rente errechnen lässt.

Was bedeutet die "Renteninformation"?

Alle paar Jahre verschickt die Deutsche Rentenversicherung das sogenannte Renteninformationsschreiben an alle Versicherten. Eingerahmt in einem Kasten stehen die interessanten Zahlen: wie hoch die gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen wird. Drei Beträge werden dort genannt: 1. die Höhe der Rente, wenn man ab sofort aus gesundheitlichen Gründen erwerbsgemindert wäre, also wegen Krankheit oder Behinderung weniger als drei Stunden täglich arbeiten könnte, 2. der bereits erworbene Anspruch, also die künftige Rente, wenn man ab sofort keine Beiträge mehr leisten würde, 3. eine Prognose der Rente, wenn man weiter Beiträge wie in den vergangenen fünf Jahren zahlt.

Diese letzte Zahl ist die wichtigste, die Ihnen eine ungefähre Vorstellung von Ihrer künftigen Rente gibt. Die Prognose geht davon aus, dass es keine Rentenerhöhungen mehr gibt und dass Sie keine Einkommenssteigerungen erzielen, also künftig nicht höhere Beiträge zahlen. So ist dies eine konservative Schätzung, aber zur Vorsicht sollte man nur mit diesem Wert kalkulieren.

In dem Schreiben finden sich unter der Überschrift "Rentenanpassung" noch weitere, optimistischere Prognosen, die von einer jährlichen Steigerung von einem oder zwei Prozent ausgehen. Diese Hochrechnungen lassen sich aber nicht halten, wenn es - wie so oft - Nullrunden gibt. Stellen Sie sich also lieber auf die zurückhaltenden Schätzungen ein.

Was bedeuten die Entgeltpunkte?

Vereinfacht ausgedrückt hängen die Entgeltpunkte davon ab, wie viel man im Laufe des Erwerbslebens verdient und dementsprechend in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Entscheidend dafür ist zum einen die Anzahl der Beitragsjahre und zum anderen die Höhe des Einkommens. Für den Durchschnittslohn aller Versicherten in einem Jahr (2010: rund 32.000 Euro) gibt es den Entgeltpunkt 1,0. Dieser Wert erhöht oder verringert sich, wenn man über- oder unterdurchschnittlich verdient: Wer beispielsweise zehn Prozent über dem Durchschnittsverdienst des jeweiligen Jahres liegt, bekommt den Entgeltpunkt 1,1. Für die Hälfte des Durchschnittsverdienstes gibt es 0,5. Der maximal mögliche Wert schwankt um die 2,0 (abhängig von der jeweils gültigen Beitragsbemessungsgrenze).

Die Entgeltpunkte werden für jedes Jahr neu ermittelt und schließlich zusammengezählt. In bestimmten Fällen fließen auch noch Kindererziehungs- oder Ausbildungszeiten mit in die Berechnung ein.

Beispielberechnung für jemanden, der 40 Jahre lang zwanzig Prozent über dem Durchschnittsverdienst lag: E = 40 x 1,2

Die persönlichen Entgeltpunkte werden schließlich durch die weitere Multiplikation mit dem Zugangsfaktor (Z) ermittelt. Also: E = 40 x 1,2 x Z

Wovon hängt der Zugangsfaktor ab?

Der Zugangsfaktor hängt vom Renteneintrittsalter ab. Noch bis Ende 2011 beträgt der Faktor 1,0, wenn man mit 65 Jahren in Rente geht. Für jeden Monat, den ein Arbeitnehmer früher aufhört, verringert sich der Faktor um 0,003 Punkte.

Beispielrechnung für jemanden, der ein Jahr, also 12 Monate, früher in Rente geht: Z = 1,000 - 12 x 0,003 = 0,964

Das Ganze funktioniert aber auch in die andere Richtung: Für jeden Monat, den ein Arbeitnehmer später in Rente geht, gibt es einen Aufschlag von 0,005 Punkten.

Beispielrechnung für jemanden, der ein Jahr später zu arbeiten aufhört:
Z = 1,000 + 12 x 0,005 = 1,060

Wichtig zu wissen: Die Anhebung des Renteneintrittsalters hat natürlich auch Auswirkungen auf den Zugangsfaktor. In der Übergangsphase zwischen 2012 und 2029 gilt der Faktor 1,0 jährlich für ein anderes Renteneintrittsalter.

Beispiele:
2012: Z = 1,000 = 65 Jahre + 1 Monat
2013: Z = 1,000 = 65 Jahre + 2 Monate
2023: Z = 1,000 = 66 Jahre
2024: Z = 1,000 = 66 Jahre + 2 Monate
2025: Z = 1,000 = 66 Jahre + 4 Monate
2029: Z = 1,000 = 67 Jahre

Was ist der Rentenartfaktor?

Dieser Faktor ist von der Art der Rente abhängig. Bei der normalen Altersrente beträgt er 1,0. Für andere Rentenarten gelten zum Teil andere Werte, beispielsweise bei der Halbwaisenrente 0,1, bei teilweiser Erwerbsminderung 0,5 und bei Witwenrenten entweder 0,25 oder 0,55.

Wie wird der Rentenwert festgelegt?

Der Rentenwert wird nach einer komplexen Formel alljährlich zum Juli von der Bundesregierung neu festgelegt. Er entspricht der aktuellen monatlichen Rente, die gezahlt würde, wenn man ein Jahr lang die Beiträge für einen Durchschnittslohn gezahlt hätte. Seit Juli 2011 gelten folgende Rentenwerte: 27,47 Euro in den alten Bundesländern, in den neuen Bundesländern 24,37 Euro.

Beispielrechnungen

Für einen normalen Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang in West-Deutschland ein Durchschnittseinkommen erzielt und entsprechende Rentenbeiträge gezahlt hat, ergibt sich 2011 somit folgende gesetzliche Rente:
E x Z x R x A = 45 x 1 x 1 x 27,47 Euro = 1236 Euro.

Jemand, der 40 Jahre lang 20 Prozent mehr als den Durchschnittsbeitrag gezahlt hat und ein Jahr verfrüht in Rente geht, bekommt:
(40 x 1,2) x (1 - 12 x 0,003) x 1 x 27,47 Euro = 1271,10 Euro.

Dies sind natürlich nur vereinfachte Beispielrechnungen. Der "normale Standardrentner" (auch "Eckrenter" genannt), der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, kommt in der Realität wohl kaum vor. So verdienen viele Arbeitnehmer zu Beginn ihres Berufslebens häufig unterdurchschnittlich und später überdurchschnittlich.

Welche Unwägbarkeiten sollte man beachten?

Wer sich heute seine gesetzliche Rente in der Zukunft errechnet, sollte beachten, dass es ein paar Unwägbarkeiten gibt. Zum einen wird jedes Jahr der Rentenwert neu festgelegt. Er lässt sich zwar grob prognostizieren. Aber für den exakten Wert ist entscheidend, wie sich zum einen die Bruttolöhne entwickeln und zum anderen, wie sich das Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern entwickelt. Diese und noch weitere Faktoren gehen in die sogenannte Rentenanpassungsformel ein, aus der sich jedes Jahr aufs Neue der Rentenwert errechnet. Es ist auch möglich, dass die Politik diese Formel ändern wird, wie in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen.

Außerdem muss man die Inflation beachten: Von 1000 Euro kann man sich in 30 Jahren wegen der allgemeinen Preissteigerung (bei einer Inflationsrate von zwei Prozent) nur rund halb so viel leisten wie heute.

Und schließlich werden die Renten in Zukunft auch immer stärker besteuert. 2005 begann die Besteuerung von 50 Prozent der Renteneinkünfte, seitdem steigt der Anteil jährlich um zwei Prozent, ab 2021 um ein Prozent, bis 2040 die Rente zu 100 Prozent besteuert wird. Das ist die aktuelle Gesetzeslage. Wie hoch für den einzelnen Rentner die steuerliche Belastung in weiter Zukunft aussehen wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen.

MEHR ZUM ARTIKEL
Riester, Rürup & Co. Warum private Vorsorge wichtig ist

Endgültig vorbei sind die Zeiten, als der Staat noch für eine anständige Rente sorgte. Die Jungen von heute müssen für ihren Lebensabend selbst vorsorgen. Was aber ist die beste Strategie?

Mehr als nur Rente So sorgen Sie richtig fürs Alter vor

Altersvorsorge ist wichtig. Aber welche Strategie passt zu Ihnen? Was bringt das Riestern, was steckt hinter Rürup? Hier können Sie in sechs Schritten bestimmen, was das Richtige für Sie ist.

Die wichtigsten Fakten So funktioniert die Riester-Rente

Welche Voraussetzungen muss man fürs Riestern erfüllen? Wieviel Geld gibt es vom Staat? Mit welchem Vertrag erzielt man die höchsten Renditen? Kann man einen Abschluss auch wieder kündigen? Alles was Sie über Riester wissen müssen – hier sind die wichtigsten Fakten.

 
stern-Ratgeber Das 1x1 der Altersvorsorge

In sechs Schritten zu mehr Wohlstand in der Rente
Linde Verlag
152 Seiten
ISBN: 9783709301500
9,90 €
Hier bestellen