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Für wen sich Riestern lohnt

Schlechte Noten hat die Riester-Rente zuletzt oft bekommen. Doch wegen der staatlichen Förderung kann sich Riestern durchaus lohnen. Für wen es sinnvoll ist.

Aller Kritik zum Trotz: Riester-Sparen kann sich wegen der Zulage durchaus lohnen

Aller Kritik zum Trotz: Riester-Sparen kann sich wegen der Zulage durchaus lohnen

Zu geringe Rendite, hohe Kosten, unflexible Konditionen, Intransparenz - die Riester-Rente hat in letzter Zeit viel Prügel einstecken müssen. Vor allem die verbreitetste Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge, die Riester-Rentenversicherung, ist bei Finanzexperten und Verbraucherschützern nicht gut gelitten. "Ein Riester-Vertrag ist eine gute Altersvorsorge - solange man ihn nicht bei einer Versicherung abschließt", schreibt etwa die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Versicherungswirtschaft wirbt unverdrossen für ihren Goldesel: Für die allermeisten Bürger würde sich "keine Vorsorge so gut rechnen wie die Riester-Rente". Der Verzicht auf Riester würde einen Verzicht auf eine attraktive staatliche Förderung und auf ein zusätzliches Alterseinkommen bedeuten.

Wer hat nun Recht? Lohnt sich Riestern oder nicht? Thomas Hentschel, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, glaubt, dass sich ein Riester-Vertrag durchaus lohnen kann - allerdings nur, wenn der Kunde auf ein kostenarmes Produkt setzt und die persönlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Versicherungen zählen eher zu den kostenintensiven Riester-Produkten – ein Grund für die starke Kritik an dieser Variante. So ist es nicht unüblich, dass Anbieter 16 Prozent Vertriebs- und Verwaltungskosten zugrunde legen. Von jedem Euro, den der Kunde einzahlt und der Staat zuschießt, werden erst einmal 16 Cent abgezogen. Verzinslich angelegt werden nur 84 Cent. Dass sich Riester-Verträge unter diesen Umständen überhaupt lohnen können, liegt nur an der Förderung, die der Staat gewährt.

Mit Hilfe von staatlichen Zulagen und der steuerlichen Absetzbarkeit der Einzahlungen lassen sich Förderquoten von zum Teil über 50 Prozent erzielen. "Im Vergleich zur ungeförderten Geldanlage ist das durchaus attraktiv", glaubt Hentschel.

Familien profitieren zusätzlich von der Kinderzulage

Sparer erhalten vom Staat eine Grundzulage von 154 Euro. Dazu müssen sie mindestens vier Prozent des jährlichen Einkommens zurücklegen, maximal 2100 Euro, wobei die Zulagen angerechnet werden. Hinzu kommt eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind. Für Familien ist die staatlich geförderte Altersvorsorge also besonders rentabel. Allerdings bekommt die Zulage nur, wer sie auch beantragt hat. Am besten, man stellt gleich beim Abschluss des Riester-Vertrags einen Dauerzulagenantrag. Dabei beauftragt man den Anbieter, jährlich den Zulagenantrag bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen zu stellen. Das Verfahren läuft dann automatisch.

Wer vor dem Ende der Laufzeit aus seinem Vertrag aussteigt und das Geld nicht in ein neues Riester-Produkt investiert, verliert die staatliche Förderung. Besser als eine Kündigung ist daher, den Riester-Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Geringverdiener müssen aufpassen

"Auch für Geringverdiener ohne Kinder kann die Riester-Rente interessant sein", erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Wer wenig verdient, bei dem ist auch der Mindesteigenbetrag von vier Prozent gering." Die 154 Euro Zulage erhalten die Sparer trotzdem. Doch Vorsicht: Wer dauerhaft wenig verdient, wird auch später nur eine geringe gesetzliche Rente erhalten und eventuell auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sein. "Eine Riester-Rente wird hier voll angerechnet, sodass die staatliche Hilfe dann geringer ausfällt – oder sogar ganz entfällt", warnen die Verbraucherschützer. Bei gut verdienenden Singles, die riestern, macht sich vor allem der Steuervorteil bemerkbar. Riester-Sparer können ihre Einzahlungen inklusive Zulagen, also 2100 Euro, bei der Steuererklärung geltend machen.

Eine Frage der Alternativen

Die Riester-Rente gibt es in mehreren Varianten: Neben der Riester-Rentenversicherung können Sparer auch mit staatlich geförderten Fonds- und Banksparplänen für das Alter vorsorgen. Zudem fördert der Staat auch die Anschaffung von selbst genutztem Wohneigentum mit dem sogenannten Wohn-Riester. Die verschiedenen Riester-Produkte können Kunden bei der Zeitschrift Finanztest vergleichen.

Wichtig bei der Auswahl: Ob sich Riester rechnet oder nicht, hängt vor allem von den Alternativen ab. Sparer sollten sich daher fragen: Rechtfertigen die Konditionen konventioneller Bausparverträge tatsächlich den Verzicht auf die staatliche Förderung beim Wohn-Riester? Wiegt die höhere Rendite, die mit anderen Geldanlagen erzielt werden kann, den Verlust von Steuervorteilen auf? Wenn Sie diese Fragen nicht selbst beantworten können, nehmen Sie die Unterlagen im Zweifel mit zu einer Verbraucherzentrale und lassen Sie sich dort beraten.

Mehr zum Thema Riester-Rente und zu Alternativen im stern.de.

Friederike Krieger