Wie der Mensch zum Bauern wurde

4. Juli 2013, 20:50 Uhr

Der Mensch machte irgendwann den Schritt vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern. Aber wie genau ging das vor sich? Jetzt können Forscher zum ersten Mal den gesamten Prozess nachvollziehen.

Landwirtschaft, Geschichte der Landwirtschaft, Agrawirtschaft

Wie genau machten die Menschen den Schritt vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern? Ein Fund im Iran gibt erstmals Aufschluss.©

Archäologen haben zum ersten Mal die Anfänge der Landwirtschaft relativ lückenlos dokumentiert. Im Iran am Rande des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds entdeckten sie Pflanzenüberreste aus einer mindestens 2200 Jahre langen Siedlungsepoche. Die Funde zeigen, wie die Menschen vor gut 11.700 Jahren mit einer rudimentären Landwirtschaft begonnen haben, dann aber im Laufe der Jahrhunderte immer professionellere Anbaumethoden entwickelten und die Pflanzen nach ihren Bedürfnissen züchteten. Über einen so langen Zeitraum sei das bislang nie beobachtet worden, berichten die Archäologen um Simone Riehl von der Universität Tübingen im Fachjournal "Science".

Blick in die Anfänge der Landwirtschaft

Nach den Ursprüngen der Landwirtschaft im Fruchtbaren Halbmond, der von der Küste Israels bis zum Iran reicht, wird schon lange geforscht. Doch das Problem der Archäologen ist, dass die Menschen ihre Siedlungen regelmäßig aufgegeben haben und weitergezogen sind. Dadurch konnte die Entwicklung des Ackerbaus noch nie an einem Ort über so lange Zeit verfolgt werden.

Das ist nun bei den Grabungen im iranischen Chogha Golan direkt an der irakischen Grenze erstmals gelungen. Die Archäologen fanden unzählige Werkzeuge für den Ackerbau aus Knochen und Stein. Noch wichtiger aber war der Fund von 30.000 verkohlten Pflanzenüberresten. Für das Team um Archäobotanikerin Riehl erzählen sie die ganze Geschichte der frühen Landwirtschaft.

So haben die Menschen, die bis dahin als Jäger und Sammler jeden Tag aufs neue genügend zu Essen auftreiben mussten, zum Ende der letzten Eiszeit vor 11.700 Jahren erste Versuche als Bauern unternommen. Als erstes pflanzten sie wilde Getreidesorten wie etwa Wildgerste an. Im Laufe der Jahrhunderte konnten sie das Getreide durch Züchtungen immer weiter verbessern. Schließlich kamen neue Sorten wie Weizen hinzu, aber auch zunehmende Probleme mit Unkraut lassen sich aus den Funden ablesen.

Gut 2000 Jahre nach den ersten Anbau-Versuchen konnten die Menschen mit einem relativ professionellen Anbau von Gerste, Weizen und Linsen genügend Nahrung für die größer werdenden Siedlungen gewinnen. "Das war eine Revolution für die gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung", sagt Archäologe Nicholas Conard.

Die Bemühungen der frühen Ackerbauern hätten Auswirkungen bis heute, fügte Riehl hinzu: "Viele der Pflanzen, die im Fruchtbaren Halbmond domestiziert wurden, stellen die ökonomische Basis und Nahrungsgrundlage der heutigen Weltbevölkerung dar."

Mit den Funden an der bislang von Archäologen wenig beachteten Region im Iran sei nun auch definitiv bewiesen, dass die Anfänge der Landwirtschaft nicht auf eine kleine Region begrenzt waren, sondern dass sich der Ackerbau an mehreren Orten weitgehend parallel entwickelt hat.

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