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13. Dezember 2005, 10:22 Uhr

"Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank"

Der Schlafforscher Jürgen Zulley hat eine Mission: Er will der Welt klar machen, wie wichtig Schlaf für uns Menschen ist - und was passieren kann, wenn wir nicht genug schlafen.

Zu spät ins Bett, zu früh wieder raus - zu wenig Schlaf ist ungesund© Peter Endig/DDP

Die Bedeutung eines gesunden Schlafs wird nach Ansicht des Schlafforschers Jürgen Zulley in Deutschland stark unterschätzt. "Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank", sagt der Experte vom Zentrum für Schlafmedizin der Universität Regensburg. Amerikanische Studien belegten, dass Kurzschläfer eine eine geringere Lebenserwartung haben. Zunehmend fehle eine positive Einstellung zum Schlaf und eine Schlafkultur, kritisiert Zulley. "Aber richtig Schlafen ist wieder erlernbar."

Ständiger Schlafmangel macht nach Zulleys Ansicht "dumm", da die Gedächtnisleistung verringert wird. Das hätten Tests gezeigt, bei denen Probanden Vokabeln lernen mussten und nach unterschiedlicher Schlafdauer abgefragt wurden. "Wir speichern Wissen im Schlaf ab. Wer zu wenig Tiefschlaf bekommt, vergisst deutlich leichter", sagt Zulley. Im Traumschlaf werden dann motorische Fähigkeiten wie Autofahren verarbeitet.

Schlafen hemmt den Hunger

Auch wer auf seine Figur achten will, sollte genug schlafen. "Nachts halten wir es zwölf und mehr Stunden ohne Essen aus - tagsüber fast undenkbar", sagt Zulley. Dabei ist der Energieverbrauch nachts nur unwesentlich geringer als am Tage. "Schlafen ist ein hochaktiver Prozess. Im Traumschlaf ist das Gehirn oft aktiver als im Wachzustand."

Der Grund, warum wir dennoch keine Nahrung brauchen: Im Schlaf wird das Appetit hemmende Hormon Leptin ausgeschüttet. Wird der Schlaf aber unterbrochen, kehrt der Hunger zurück, erklärt Zulley: "Der Gegenspieler - das Hormon Ghrelin - übernimmt dann wieder die Kontrolle und sagt: Essen." Häufig kompensierten Schlafgestörte deshalb ihr Unwohlsein mit dem Gang zum Kühlschrank.

Schlafmittel nur unter ärztlicher Aufsicht

Wer Schwierigkeiten hat durchzuschlafen, leidet oft unter Konzentrationsschwäche und Tagschlaf. "Doch auch Herz-Kreislauf-Probleme und Magen-Darm-Erkrankungen sind Folgen", warnt Zulley. Ausschlafen werde jedoch besonders in westlichen Industriegesellschaften oft nicht als Gesundheitsfaktor, sondern als Leistungsverweigerungshaltung angesehen. "Darum kämpft sich der Durchschlafgestörte durch den Tag und tut seine Probleme als 'Befindlichkeitsstörung' ab, mit der er eben klar kommen muss", sagt Zulley.

Sein Rezept gegen Übermüdung: "Wir sollten regelmäßig, gern und bei geöffnetem Fenster schlafen und nur bei medizinisch diagnostizierten Schlafstörungen unter ärztlicher Aufsicht zu Medikamenten greifen."

DPA
 
 
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