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CHRONOBIOLOGIE: »Mini-Jetlag« durch die Sommerzeit

Schlafforscher weisen auf die Auswirkungen der Sommerzeit-Umstellung auf den Organismus hin. Die Zahl der Unfälle steige, es drohe sogar »eine übermüdete Gesellschaft«.

Schlafforscher sehen die Umstellung auf die Sommerzeit kritisch. Sie entspreche nicht den biologischen Bedürfnissen des Organismus, sagte Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg. »Das ist eine Art Mini-Jetlag, aber unter erschwerten Bedingungen.« Zwar gehe nur eine Stunde »verloren«, die Umwelt verändere sich aber nicht - anders als beim Reise-Jetlag, bei dem der Organismus von außen Signale bekomme, sich umzustellen. Nach Zulleys Angaben dauert es ein bis zwei Tage, bis sich der Körper angepasst hat.

Mehr Unfälle nach der Zeitumstellung

Die Folgen der Zeitveränderung - in der Nacht zum Sonntag werden die Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt - seien Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. »Am Montag nach der Zeitumstellung passieren mehr Verkehrsunfälle als an vergleichbaren Montagen«, erklärte Zulley. Dieses Jahr sei es einerseits günstig, weil es wegen des Ostertages keinen Berufsverkehr gebe. Andererseits sei es aber verlockend, die Umstellung hinauszuzögern. Zulley riet, am Ostersonntag Mahlzeiten, Aufstehen und Bettruhe etwa eine halbe Stunde vorzuziehen; am Montag sei es günstig, dies alles eine volle Stunde früher zu tun.

Chronobiologe warnt vor »übermüdeter Gesellschaft

Wie Zulley ist auch der Münchner Wissenschaftler Till Roenneberg gegen die Umstellung der Uhren auf die Sommerzeit. Die Freizeitgesellschaft erfreue sich an der abendlichen Helligkeit, doch sie riskiere, »dass sie langsam zu einer ständig übermüdeten Gesellschaft wird«, sagte der Chronobiologe dem »Focus«. Er riet sogar, wenn möglich »die Umstellung zu ignorieren und eine Stunde später zur Arbeit zu gehen«.