Wie man Kinder richtig motiviert

6. Juni 2013, 17:31 Uhr

Bildungsforscher sind überzeugt: Die Persönlichkeit des Pädagogen ist entscheidend für den Lernerfolg. Was aus guten Schüler-Lehrer-Beziehungen erwachsen kann, zeigen diese beeindruckenden Beispiele.

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Menschen, die an uns glauben, können uns zu Höchstleistungen anspornen©

Was genau ist das, das uns beflügelt, Anstrengungen auf uns zu nehmen und etwas Neues zu erlernen? Nach Niederlagen wieder aufzustehen? Es sind die Menschen, die an uns glauben, die mehr in uns sehen als wir selbst.

Der Australier John Hattie zählt zu den Bildungsforschern, die sich mit den Bedingungen für gutes Lernen beschäftigen. In jahrelanger Kleinarbeit wertete er 800 Metastudien aus, an denen insgesamt 250 Millionen Schüler beteiligt waren.

Entscheidend ist laut Hattie vor allem die Persönlichkeit des Lehrers, seine Hinwendung zum Schüler. Die meisten Kinder, aber auch Erwachsenen, setzen sich zu bescheidene Ziele, glaubt er: "Lehrer müssen mit dieser Erwartung brechen: Denn wer glaubt, dass er mittelmäßig ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mittelmäßig abschneiden." Ein Lehrer müsse seine Schüler immer wieder an ihre Grenzen bringen.

Ermutigung ist der Schlüssel zu einem anderen Lernen - zum selbstständigen Fragen und Antworten finden. Dabei macht es einen Unterschied, ob ein Lehrer seinen Schüler pauschal lobt: "Ich bin stolz auf dich" oder ob er präzise sagt: "Du hast heute drei Aufgaben zusätzlich gelöst und dich nur noch einmal dabei verrechnet, du kannst stolz auf dich sein, wie gut du inzwischen das große Einmaleins gelernt hast."

Das ist anstrengend und mühsam. Ermutigung braucht genaues Wissen, was ein Schüler kann und wo er steht. "Solange Lehrer das nicht herausgefunden haben, brauchen sie gar nicht anfangen zu erklären", sagt die Lernforscherin Elsbeth Stern, Professorin an der Universität Zürich. Denn der neue Stoff muss an das vorhandene Wissen anknüpfen können. Er darf weder überfordern noch unterfordern oder gar langweilen. Ein schmaler Grat.

Dazu muss der Lehrer genau hinsehen. Viele Lehrer und Eltern verwechseln Feedback mit Noten. Aber die sind eine Einsortierung und dazu oft noch beschämend. Gutes Feedback ist viel mehr: Es sagt dem Schüler präzise, wo er richtige Wege gegangen ist, wo falsche. Was als nächstes kommt.

Dafür müssen Pädagogen ein Klima schaffen, in dem Fehler nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht sind. Daran hapert es oft. Sie müssen mit jedem einzelnen Schüler sprechen - was viel zu selten passiert, besonders bei den Schülern im Mittelfeld, die unauffällig mitschwimmen, aber deren Talente oft unentdeckt bleiben. Bärbel Kälber ist Lehrerin an der Privaten Berufsfachschule in Suhl, eine von sechs Schulen, die gerade mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. "Gerade in der Mitte gibt es riesige Reserven", sagt Bärbel Kälber, "weil man sich tendenziell an den Schwächeren oder ganz Starken orientiert."

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