"1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" Schweiger bricht aus


Den "Edna bricht aus"-Machern ist es tatsächlich gelungen, aus der Filmvorlage "1 1/2 Ritter" ein passables Adventure zu stricken. Respekt.

Die Handlung von Film und Spiel ist nahezu dieselbe: Prinzessin Herzelinde wird von einem schwarzen Ritter entführt. Ihr Bodyguard, Ritter Lanze, hat im Dienst ein wenig zu tief ins Glas geschaut und büßt dafür seine Strafe im Kerker ab. Immer an Lanzes Seite: der schlitzohrige Möchtegern-Ritter Erdal mit den spitzen Schuhen und dem türkischen Akzent. Gemeinsam setzen die Anti-Helden alles daran, die Prinzessin aus den Fängen ihres Häschers zu befreien.

Während Til Schweigers Kino-Werk "1 1/2 Ritter" kaum über das Niveau einer Mittelalter-Farce mit hanebüchenen Schenkelklopferhumor hinauskommt, macht Daedalic aus dem PC-Spiel zum Film ein abgefahrenes Comic-Adventure in der Tradition der Klassiker "Day of the Tentacle" und "Monkey Island". "Retro" ist dabei nicht nur die seichte Mittelalter-Märchenstory, sondern auch Optik und die Machart der Puzzles.

Wer die Prinzessin befreien will, tut dies nicht, wie heute meist üblich, in schicker 3-D-Umgebung, sondern wie in den frühen 90er-Jahren vor ebenso farbenfrohen wie statischen 2-D-Hintergründen. Die einfach gezeichneten Charaktere lassen zwar die Film-Akteure sofort erkennen, wirken aber wenig ausgefeilt: sparsamst animiert und mit einer Sprachausgabe, die technisch viele Wünsche offen lässt. Mal klingen die Stimmen dumpf, dann wieder zu leise - und über die schauspielerische Umsetzung der wortwitzigen Dialoge lässt sich ebenfalls streiten.

Immerhin ist fast die komplette Filmbesetzung (unter anderem Til Schweiger, Rick Kavanian, Julia Dietze) angetreten, um ihren virtuellen Pendants die Stimmen zu leihen. Trotzdem: Während manche Passagen durchaus lebendig und inspiriert klingen, wirkt anderes unbeholfen vom Blatt abgelesen. Wohl der Tribut, den hastig produzierte Lizenz-Titel von den Entwicklern fordern.

Bei den Rätseln hingegen trumpft "1 1/2 Ritter" richtig auf und besinnt sich auf die Tugenden der Klassiker: Um-die-Ecke-denken, ungewöhnliche Lösungen abseits jeglicher Logik ausprobieren und dafür mit witzigen Aktionen oder Kommentaren belohnt werden. Das erinnert an die legendären Abenteuer des großmäuligen Piraten-Azubis Guybrush Threepwood, manchmal sogar an die noch abgefahrenere "Goblins"-Reihe. Per simpler Point&Click-Steuerung und Hotspot-Anzeige testet man aus, was salmonellenverseuchte Hühnchen, Geburtstagshüte und klapprig-knochige Unterkiefer zu einem Gefängnisausbruch beitragen können und wundert sich später auch nicht mehr, dass man eine Ziege braucht, um Erdal ein warmes Sprudelbad zu bereiten. Eine Reihe belangloser Mini-Spiele runden das Ritter-Abenteuer zusätzlich ab.

1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Hersteller/Vertrieb

Daedalic Entertainment/Warner

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

"1 1/2 Ritter" ist sicher kein Highlight, dazu wirkt es an manchen Stellen einfach zu unausgereift. Dennoch übertrifft es die Erwartungen an ein Lizenz-Spiel zu einem mittelprächtigen Film. Wer sich nach dem Flair alter Adventures aus dem Disketten-Zeitalter zurücksehnt, ist bei Ritter Lanze gut aufgehoben.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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