"Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr" Müde Morde


Wer kennt und liebt sie nicht, die sympathisch angestaubten Krimis der legendären britischen Schriftstellerin Agatha Christie (1890 - 1976)? Angestaubt wirkt auch die PC-Adaption ihres Romans "And then there were none" ...

Das Szenario ist dramaturgisch geschickt aufgebaut und wurde demnach bereits vor langer Zeit verfilmt. Heute liefert es unter anderem die Vorlage für "Murder Weekends" in abgeschiedenen Hotels oder für Events in der "Erlebnisgastronomie": Zehn Frauen und Männer werden von einem mysteriösen U.N. Owen (was für ein Wortspiel!) für ein Wochenende auf eine einsame Insel eingeladen. In einer per Schallplatte übermittelten Message bezichtigen die Gastgeber jede dieser Personen eines Mordes. Im weiteren Verlauf ereilt einen Gast nach dem anderen ein gewaltsamer Tod. Ein Entrinnen gibt es nicht, da draußen ein heftiger Sturm die Wellen um die Insel peitscht und das Boot zur Überfahrt zerstört wurde.

Abweichend von Christies Romanvorlage tritt in "Und dann gabs keines mehr" der Fährmann auf, der die Gäste auf die Insel verfrachtete. Fortan erlebt man das Geschehen aus der Sicht dieses jungen Mannes und versucht, den abgefeimten Killer dingfest zu machen, der in der abgeschiedenen Umgebung einen Gast nach dem anderen ins Jenseits schickt.

Der Spieler macht sich daran, die zweidimensionalen gerenderten Schauplätze penibel nach Hinweisen abzusuchen. Zeugen werden befragt, bis am Ende schließlich der Bösewicht ins Netz geht. Im Gegensatz zu Frau Christie haben die Spieledesigner für das makabere nonlineare Inselspektakel gleich mehrere verschiedene Enden vorgesehen ...

Im Gegensatz zu den todgeweihten Inselgästen gestaltet sich das Abenteuer für den Spieler aber nicht sonderlich aufregend - von Gänsehautgarantie kann in diesem Fall keine Rede sein. Zeugen müssen wiederholt befragt werden, wobei sich die teilweise langatmigen Dialoge nicht abbrechen lassen. Die Zimmer der Inselvilla werden mehrmals durchstöbert, bis auch der letzte verdächtige Gegenstand im überbordenden Inventar gelandet ist.

Die Puzzles fügen sich in der Regel gut in die Handlung ein und lassen sich mit etwas Kombinationsgabe und gesundem Menschenverstand leicht lösen. Kleinere Logikschnitzer fallen dabei kaum ins Gewicht, aber die Designer haben es nicht verstanden, eine stetig ansteigende Spannungskurve zu erzeugen. Stattdessen ist bereits nach dem dritten oder vierten Mord aus dem Spektakel irgendwie die Luft raus.

Auch technisch ist das digitale Mörder-Katz-und-Maus-Spiel nicht auf der Höhe der Zeit. Die Umgebung wirkt zwar ansprechend, aber dennoch zu steril, die 3-D-modellierten Charaktere leiden unter akuter Polygonarmut und staksen reichlich unbeholfen über den Bildschirm. Hören lassen kann sich allenfalls die deutsche Sprachausgabe mit bekannten Stimmen aus Film und Fernsehen, während man die musikalische Untermalung guten Gewissens als armselig bezeichnen darf.

Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr

Hersteller/Vertrieb

AWE Games/The Adventure Company

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

keine Altersbeschränkung

"Und dann gabs keines mehr" mag Gelegenheitsspieler mit Faible für Agatha Christies Werk ansprechen - der Adventurespieler, der einfach eine spannende, technisch gut umgesetzte Story mit intuitivem Point & Click-Interface sucht, wird angesichts der zahlreichen Designschwächen von diesem biederen Krimi-Epos eher enttäuscht sein. Vor dem Kauf unbedingt Probe spielen!

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker