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"Ankh - Herz des Osiris": Götterstress in Comic-Kairo

Das witzige kleine Ägypten-Adventure "Ankh" war im Jahr 2005 ein echter Überraschungs-Coup. Jetzt legt sich der sympathische Anti-Held Assil noch mal mit dem Totengott Osiris an...

Assil ist nicht zu beneiden: Kaum hat er den Ankh an sich gebracht, findet er sich mit starken Kopfschmerzen und ungepflegtem Dreitagebart in einer dunklen Gasse wieder - und das begehrte Symbol des Lebens ist erneut verschwunden. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu erahnen, dass der mächtige Osiris hier seine Finger mit im Spiel hat. Schließlich braucht er den Ankh, um endlich wieder ganz ins Reich der Lebenden zurückkehren zu können.

Wer Teil eins von "Ankh" bereits gespielt hat, dem werden die ersten Schritte durch die farbenfrohen Straßen von Comic-Kairo sehr vertraut sein. Die obere Stadt, der Bazar und viele andere Örtlichkeiten finden sich im "Herz des Osiris" ebenso wieder wie zahlreiche lieb gewonnene Charaktere. Assil bekommt tatkräftige Unterstützung von Thara und dem Pharao (beide können in den fünf Kapiteln des Spiels auch mal selbst gesteuert werden), holt sich Tipps beim Weinhändler oder nimmt die Dienste des fast blinden Schneiders in Anspruch, der mittlerweile auf Friseur umgesattelt hat.

Mehr Licht, mehr Schatten

Grafisch wirkt das "Herz des Osiris" dank neuer Licht- und Schatteneffekten weniger "klobig" als der Vorgänger, auch die Macken der Maussteuerung bei der Navigation durch die 3-D-Schauplätze wurden ausgemerzt. Die Rätsel sind stets abgefahren, erfordern ein wenig Abstraktionsvermögen, sind aber immer logisch nachvollziehbar. Zum Einsatz kommt beim Puzzle-Knacken ein überschaubares Inventar - benötigte Gegenstände sind schnell gefunden, ein mühsames Abgrasen der einzelnen Pixel auf dem Monitor erübrigt sich.

Ankh - Herz des Osiris

Hersteller/Vertrieb

Deck 13/Xider

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ohne Altersbeschränkung

Richtig originell sind weder Story noch Rätsel der Entwickler Deck 13s zweitem Trip ins alte Ägypten. Zu deutlich sind die Anleihen bei klassischen LucasArts-Titeln aus den 90er-Jahren - selbst der legendäre "Monkey Island"-Kopierschutz mit der Papp-Drehscheibe erlebt hier eine Wiederauferstehung. Trotzdem versprüht "Ankh - Herz des Osiris" einen unwiderstehlichen Charme, der wohl jeden Adventure-Fan in seinen Bann zieht. Die Puzzles wecken nostalgische Gefühle und die von erfahrenen Profis wie Oliver Rohrbeck (Ben Stiller, "Die drei ???") und Dascha Lehmann (Jennifer Love-Hewitt, "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten") gesprochenen Dialoge glänzen durch einen sympathischen Humor, der an keiner Stelle bemüht wirkt.

Kurz, aber günstig

Das "Herz des Osiris" ist wie sein Vorgänger in wenigen Stunden durchgespielt, kostet aber fairerweise auch nicht so viel wie ein reguläres Vollpreis-Game. Adventure-Liebhaber, denen der Sinn nach witziger, leicht verdaulicher Kost steht, können bedenkenlos zugreifen.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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