"Drakengard 2" Der Kampf gegen die Monotonie


"Drakengard 2" ist ein Spiel für alle jene, die es lieben, wie wild auf die Quadrat-Taste ihres Gamepads einzuhämmern. Alle andere ignorieren das fernöstliche Gemeuchel einfach ...

Kein Witz: Wer "Drakengard 2" bis zum Ende spielt, begeht Massenmord. Nach rund acht bis zehn Stunden haben der eigentlich herzensgute, fast schon weinerliche Jüngling Nowe und seine Kumpels zigtausend Opfer auf dem Gewissen - allesamt per Schwert, Axt, Speer und Magie gerichtet. Oder direkt vom Rücken eines fliegenden Krematoriums in die Hölle geschickt.

Der Grund für das virtuelle Blutbad? Gute Frage! Irgendwie versäumt es Square Enix, in seinen wie immer toll gerenderten Zwischensequenzen, die leider viel zu selten während der zwölf Kapitel eingestreut werden, Klarheit zu schaffen. Stattdessen wirft die gewöhnungsbedürftige Fantasy-Geschichte zunächst immer mehr Fragen auf. Nur so viel: Jüngling Nowe, der von einem Drachen großgezogen wurden und dessen Vergangenheit im Dunkeln liegt, wird von allen in seinem Ritterorden als Erlöser betrachtet. Doch sein Schicksal ändert sich von Grund auf, als er die junge Frau Manah trifft. Um die Welt und sich selbst zu retten, richten sich Nowe und seine Kameraden gegen ihre einstigen Kollegen ...

Man darf sich nichts vormachen: Die Story von "Drakengard 2" ist vor allem Mittel zum Zweck für eine Schnetzelorgie, die selbst das Daumen ermüdende Dauerschlachten in der "Dynasty Warriors"-Reihe in den Schatten stellt - ohne allerdings auch nur einen Hauch von Taktik aufkommen zu lassen. Mit zig Waffen im Anschlag bahnt sich Nowe seinen Weg durch die nicht enden wollenden Gegnerscharen. Geht ihm dabei die Luft aus, schmeißt er ein paar Heilkräuter ein oder schlägt sich kurzerhand mit einem seiner drei unterschiedlich talentierten Kumpels ab, die für ihn einspringen. Um dem vorzeitigen Exitus der arg gequälten Quadrat- und Dreieck-Tasten des PS2-Pads entgegenzuwirken, wird zwischenzeitlich tief in die Zaubertrickkiste gegriffen oder per Hechtrolle feindlichen Attacken ausgewichen.

Hat Nowe keine Lust mehr, feindliche Schwertschwinger, Orks und anderes Fallobst martialisch ins Nirvana zu schicken, erhebt er sich mit dem blauen Drachenziehvater Legna in die Lüfte und brutzelt die Kontrahenten per Feuerball und apokalyptischem Flammenmeer. Als Lohn winken Erfahrungspunkte, die die Kräfte des infernalischen Duos weiter steigern, was sich wiederum belebend in der Anzahl der Pixelleichen niederschlägt.

Drakengard 2

Hersteller/Vertrieb

Square Enix/Ubisoft

Genre

Action

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 45 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Abwechslung in den stumpfsinnigen, auf Dauer ziemlich eintönigen Meuchelalltag bringen diverse Luftkämpfe gegen Fledermäuse, fliegende Totenschädel und "lästiges Geschmeiß in Würfelform", die jedoch wie ein müder Abklatsch des grandiosen "Panzer Dragoon Orta" wirken. Auch technisch kann "Drakengard 2" nicht mit dem Sega-Vorbild mithalten. Statt üppiger Farbvielfalt herrscht hier zu Lande wie in der Luft grau-braun-grünes Textur-Einerlei - vom vergossenen Blut einmal abgesehen. Der dicke Nebelvorhang, der im Vorgänger noch die Weitsicht trübte, hat sich zum Glück gelichtet. Dafür quälen nun heftiges Kantenflimmern und nervige Industrial-meets-Klassik-Stücke Augen und Ohren der Spieler, die wirklich Besseres von Square Enix Besseres gewöhnt sind. Verschiedene Abspänne und über 60 freispielbare Klingen sorgen für einen gewissen Wiederspielwert - vorausgesetzt, man möchte Gamepad und Daumen erneut dieser öden Tortur aussetzen.

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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