"Empire: Total War" Das Zeug zum Alleinherrscher


Nach historischen Strategie-Abstechern ins alte Japan, zu den Römern und ins Mittelalter kommt Creative Assemblys Maßstäbe setzende "Total War"-Reihe nun mit "Empire" im 18. Jahrhundert an.

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit des Aufbruchs: Der größte Teil des Globus war von westlichen Zivilisationen erschlossen, europäische Staaten pflegten rege Handelsbeziehungen mit der Neuen Welt und bis nach Asien. Die industrielle Revolution kam durch bahnbrechende Erfindungen wie James Watts Dampfmaschine in Gang. Fortschrittliche, reiche Nationen existierten neben armen, kaum technisierten Zivilisationen, Staatsformen von der absoluten über die konstitutionelle Monarchie bis hin zur Republik spiegelten massive gesellschaftliche Umwälzungen wider. Und "Empire: Total War", dieses globale Strategie-Game, bildet all diese Facetten der Zeit von 1700 bis 1799 im Spiel ab.

Die Welt ist hier größer geworden, verlangt weiträumigeres Agieren: Anders als in "Medieval" spielen in "Empire" diplomatische und ökonomische Beziehungen zu weit entfernten Landstrichen eine große Rolle. So unterhält die Großmacht England nicht nur Kolonien in Amerika, sondern versucht auch, in Indien Fuß zu fassen. Ständig geraten die ins Spiel implementierten Nationen miteinander in Interessenkonflikte - sei es nun bei der Expansion des eigenen Territoriums, bei Handelsbeziehungen, religiös motivierten Konflikten oder politischen Querelen. Daraus entsteht ein komplexes Geflecht an Wechselbeziehungen, das dem Spieler immer wieder zweischneidige Entscheidungen abnötigt: Ein großer Vorteil kann an anderer Stelle folgenschwere Turbulenzen nach sich ziehen.

Elf Nationen sind in "Empire: Total War" spielbar, jede mit ihren eigenen charakteristischen Stärken und Schwächen: Während England aufgrund seiner geografischen Lage gut geschützt ist, über Stützpunkte in der ganzen Welt und eine schlagkräftige Flotte verfügt, bleiben Österreich oder Preußen beispielsweise immer Landmächte, die im ständigen Clinch mit den östlichen Nachbarn liegen. Das katholisch geprägte Spanien macht sich auch in der Karibik breit. Europäische Heere aus bajonettbewehrter Infanterie, Kanonieren und Grenadieren treffen auf zahlenmäßig überlegene, aber schwach bewaffnete Indianer oder bullige indische Kriegselefanten.

Neu in "Empire": die üppig inszenierten Seeschlachten, in denen man gegnerischen Flotten mit imposanten Breitseiten das Fürchten lehren oder ihnen mit gezielten Salven auf Masten und Segel die Bewegungsfähigkeit rauben kann. Wer es geschickt anstellt, darf feindliche Schiffe auch entern und in die eigene Flotte integrieren - alles dargestellt mit einer bisher so nicht dagewesenen Liebe zum Detail. Jeder Matrose, jeder Soldat lässt sich bei seiner sorgfältig animierten Tätigkeit beobachten - sei es nun beim Nachladen oder bei der panischen Flucht vor der drohenden Niederlage.

Zentren der Macht sind in "Empire" die Städte, die nun allerdings nur noch wenige Gebäude umfassen. Bauernhöfe, Minen, Häfen und weitere lebenswichtige Einrichtungen werden im Umland angesiedelt und sind damit willkommene Ziele für gegnerische Attacken, um die Versorgungslinien des Feindes zu schwächen. In Städten werden Armeen rekrutiert und Steuern eingezogen - getrennt nach privilegierter Oberschicht und "gemeinem Volk", was oftmals zu sozialen Spannungen und Aufständen führt.

Auch "Empire" folgt dem strukturellen Grundprinzip seiner Vorgänger: Politische und ökonomische Entscheidungen trifft der Spieler rundenbasiert auf einer dreidimensionalen, sehr übersichtlichen Weltkarte, während militärische Auseinandersetzungen auf gewaltigen Schlachtfeldern in Echtzeit ausgetragen oder vom Computer berechnet werden können. Um die ganze Komplexität von "Empire: Total War" zu erfassen, empfiehlt es sich, die ausführliche, relativ leichte Tutorial-Kampagne zu spielen. Die eigentliche Kampagne bezieht ihre Faszinationskraft weniger aus den gebotenen Missionen, als vielmehr aus den komplexen Entscheidungen, die dem Spieler angesichts der zerbrechlichen "Balance of Power" abgenötigt werden. Hier ist jede Menge Abwechslung und Nervenkitzel garantiert - über Monate hinaus!

Empire: Total War

Hersteller/Vertrieb

Creative Assembly/Sega

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 45 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Trotz der enormen Komplexität des Programms dürften auch Einsteiger relativ leicht Zugang zu "Empire: Total War" finden. Das durchdachte Interface und die komfortable Maussteuerung gehen schnell in Fleisch und Blut über. Gegenwärtig ist "Empire: Total War" primär ein Fest für Einzelspieler, da Creative Assembly die Multiplayer-Inhalte noch etwas stiefmütterlich behandelt hat. Trotzdem ist der Titel der Strategie-Gigant, an dem sich alle konkurrierenden Titel in der nächsten Zeit messen lassen müssen. Einziger Haken an der Sache: Ein potenter Rechner ist für dieses Spiel unbedingt erforderlich, sonst verderben unschöne Ruckelorgien den Spaß am Hochpäppeln der eigenen Nation. Trotzdem: Klare Kaufempfehlung!

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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