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"Final Fantasy XII": Zum Abschied das Beste

Wie zu erwarten, liefert Square Enix mit "Final Fantasy XII" ein Rollenspielspektakel par excellence ab. Für die alternde Playstation 2 ist das epische Abenteuer aus Japan ein würdiger Abschluss.

Man könnte "Final Fantasy XII" durchaus als japanische Version von "Star Wars" bezeichnen. Ein fieses Imperium, ein dunkler Lord, das Streben nach grenzenloser Macht, eine Gruppe tapferer Rebellen, schöne Prinzessinnen, junge Helden, vermeintliche Verräter, eine Stadt in den Wolken, ein bisschen Liebe und ganz viel Pathos - das ist der Stoff, aus dem der neue Ableger von Square Enix' Kultreihe gestrickt ist. Eine Mischung, die allerdings den Geschmack der Fans zu treffen scheint: In den USA und Japan verkaufte sich "Final Fantasy XII" bereits über drei Millionen Mal. Und auch hierzulande dürfte das Rollenspiel, eines der letzten Mammut-Projekte für die scheidende PlayStation2, schnell an die Spitze der Charts stürmen.

An all jene, die noch nie zuvor mit der Reihe in Berührung gekommen sind: selbst schuld, aber halb so schlimm. Wie die meisten vorangegangenen Episoden entwirft auch "Final Fantasy XII" eine eigenständige Welt, die nichts mit den Vorgängern zu tun hat. Vorkenntnisse sind also nicht nötig, erstaunlich ist dieser Schöpfungsgewaltakt dennoch, zumal seit jeher die Aufmachung der Spiele begeistert. Und auch diesmal haben die Designer bei Square Enix ganze Arbeit geleistet.

Ein winziges Königreich zwischen Riesenmächten

Teil zwölf ist auf einem Kontinent namens Ivalice angesiedelt, auf dem zwei Machtblöcke - Archadia im Osten, Rozarria im Westen - um die Vorherrschaft streiten. Zwischen den Fronten: das kleine Königreich Dalmasca, das alsbald vom archadianischen Imperium überrannt wird ... Ein grandioser Einstieg ist das, erzählt von filmreifen Render- und Ingame-Grafik-Sequenzen, die "Final Fantasy" seit Teil sieben die Genre-Bezeichnung "Cinematic-RPG" eingebracht haben.

Man sollte sich jedoch auf einen wilden Stil-Mix gefasst machen: Ritter mit schimmernden Rüstungen und Schwertern, Reitvögel, Magie, aber auch gewaltige Luftschiffe, Laser- und Schusswaffen gibt es in dieser Welt, die von so vielen unterschiedlichen Wesen bevölkert wird, dass sogar George Lucas neidisch werden würde. Aber der "Star Wars"-Schöpfer darf sich auch ein wenig geschmeichelt fühlen, bedient sich "Final Fantasy XII" doch ausgiebig bei seiner Kino-Saga.

Im Zentrum der Geschichte: der 17-jährige Straßenjunge Vaan. Der Blondschopf, der glatt Frontmann einer Boy-Group sein könnte, wünscht sich, das sorglose Leben eines Luftpiraten führen zu können und große Abenteuer zu erleben. Doch um seine eigenen Träume zu verwirklichen, muss er - zusammen mit einer Schar wechselnder Begleiter - zuerst die eines geknechteten Volkes in die Tat umsetzen. Ein Aufgabe, die ihn und den Spieler gut 50 Stunden beschäftigen. Es können allerdings auch mit Leichtigkeit 100 daraus werden, wenn abseits der Geschichte zahllose kleine Nebenaufgaben gelöst, im hintersten Winkel von Ivalice steckbrieflich gesuchte Monster zur Strecke gebracht und seltene Waffen gesucht werden ...

Keine Rundenkämpfe mehr

Zum gewohnt gewaltigen Umfang und dem bewährtem Gameplay gesellen sich in "Final Fantasy XII" auch ein paar Neuerungen. Die auffälligste: Es gibt - Gott sei Dank! - keine Zufallskämpfe mehr! Monster sind nun schon von weitem sichtbar, sodass es am Spieler ist, diese anzugreifen oder Reißaus zu nehmen. Dem ehemals rundenbasierten Kampfsystem wurde ein Action-Anstrich verpasst. Damit das Ganze jedoch nicht in einem heillosen Durcheinander endet, darf das Geschehen jederzeit pausiert, die Kamera mit dem rechten Analogstick justiert und den KI-Begleitern so etwas wie ein Verhaltensmuster eingeimpft werden. Gambits heißen die Anweisungen und sehen etwa so aus: Sinken die Lebenspunkte eines Helden unter die 70-Prozent-Marke, dann soll ein Heilzauber gesprochen werden. Ein simples Beispiel. Es geht aber auch komplizierter. Mit einem gutes Dutzend Gambits lässt sich eine Art komplexer Schlachtplan für jeden einzelnen Charakter entwerfen - gewiss eine kleine Wissenschaft für sich, aber nötig, um gegen all die kleinen Gegner und riesigen Bosse bestehen zu können.

Umständliche Lizenzvergabe

Noch eine Änderung: Vaan, Penelo, Basch, Fran und Co. können nicht jeden gefundenen Gegenstand sofort benutzen, sondern müssen dafür erst die nötige "Lizenz" mit speziellen Punkten erwerben. Ein ziemlich umständliches Verfahren, um die Helden zu spezialisieren, bei dem einem immer das Gefühl beschleicht, sich womöglich falsch entschieden zu haben. Nahkämpfer haben im Übrigen klare Vorteile, Zauberei spielt indes nur noch eine untergeordnete Rolle - trotz mächtiger Verbündeter (Espers genannt) und grafisch toll inszenierter Myst-Teks (magische Kombo-Attacken).

Final Fantasy XII

Hersteller/Vertrieb

Square Enix/Koch Media

Genre

Rollenspiel

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Neben seiner für PS2-Verhältnisse grandiosen Aufmachung, den mitunter happigen Kloppereien und den zahllosen Zwischensequenzen mangelt es "Final Fantasy XII" jedoch auf hohem Niveau an Abwechslung. Rätsel sucht man ebenso vergebens wie Mini-, Karten- oder Sportspiele, die in den Vorgängern für Kurzweil sorgten. Noch ein Kritikpunkt: das Kantenflimmern. Fast sieben Jahre nach dem Release der PS2 haben die Entwickler dieses Problem immer noch nicht in den Griff bekommen. Aber all das ist im Grunde Makulatur, denn das Gesamtbild stimmt. "Final Fantasy XII" bietet für viele, viele Stunden Unterhaltung und eine Geschichte, die den Spannungsbogen über all die Zeit aufrecht erhalten kann - nicht zuletzt wegen seiner Figuren, die alles andere als eindimensional sind.

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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