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"Kingdom under Fire: Circle of Doom": Keine runde Sache

Wer allein auf den engen Pfaden von "Kingdom under Fire: Circle of Doom" wandelt, wird bald von der Monotonie dahingerafft. Mit Freunden gewinnt die Monster-Meuchelei jedoch an Fahrt ...

Es geht hier um den ewigen Konflikt zwischen Licht und Finsternis - und darum, wie ein Schar von Helden das Zünglein an der Schicksalswaage spielt. Fünf stehen anfangs zur freien Auswahl, ein sechster muss erst freigeschaltet werden. Jede der Figuren - von der flinken Elfin über den mies gelaunten Halbvampir bis hin zum aufrechten Ritter in schimmernder Rüstung - verfügt über unterschiedliche Grundvoraussetzungen, die sich nicht nur bei Tempo und Konstitution bemerkbar machen, sondern auch bei der Wahl der Waffen. Bedeutet: Jeder darf nur ein festgelegtes Arsenal an Klingen, Rüstungen und Accessoires nutzen - ganz wie beim Genre-Klassiker "Diablo".

Auch das Gameplay orientiert sich überdeutlich am großen Hack'n'Slay-Vorbild. In "Circle of Doom" wird deshalb so ziemlich alles niedergestreckt, was dem Helden auf seinem eng gesteckten Weg durch sechs Fantasy-Gegenden in die Quere kommt: Skelettkrieger, Echsenmagier, Killerpflanzen, Golems - aber auch dickere Bossbrocken, die am Ende eines jeden Level warten. Die mangelnde Künstliche Intelligenz der meisten Viecher sorgt jedoch dafür, dass sie sich oft widerstandslos aus der Ferne beharken lassen ...

Immerhin: Eine Ausdaueranzeige verhindert, dass die Monsterhatz zum blinden Button-Mashing verkommt. Denn jede Aktion kostet Kraft. Wie viel, hängt vom Equipment ab, dem hier eine besondere Bedeutung zukommt. Natürlich kann der Spieler zum dicksten Kriegshammer greifen. Doch der wird ihm nicht viel helfen, wenn ihm nach zwei Hieben schon die Puste ausgeht. Auf die richtige Kombination kommt es also an. Diese Tüftelei ist durchaus reizvoll, zumal "Circle of Doom" durch ein reichhaltiges Angebot gnadenlos an der Motivationsschraube dreht.

Verstärkt wird der Pimp-myself-Faktor durch die Möglichkeit, überschüssiges Inventargut beim Götzen des Vertrauens zu verscherbeln oder - weitaus spannender - zu "synthetisieren". Gemeint ist: Man schmeißt zwei Ausrüstungsgegenstände in einen magischen Topf, legt eine Schippe Gold drauf und darf sich dann über eine verstärkte Waffe oder Rüstung freuen. Zusammen mit den über 50 Fertigkeiten und 60 Zaubersprüchen bietet das Spiel genügend Raum zum Experimentieren.

Apropos: Neue Talente werden nicht automatisch mit einem Levelaufstieg verfügbar, sondern müssen mühsam erarbeitet werden. Erst wenn eine bestimmte Anzahl von Gegnergruppen das Zeitliche gesegnet hat, dürfen - quasi im Schlaf - Kettenblitze, Eisschwerter und Feuerbälle erlernt werden. Der Umweg über eine Traumebene ist zwar umständlich, bringt aber immerhin ein wenig Klarheit in die hanebüchene Geschichte, da hier nicht nur der eigene Lehrmeister, sondern auch allerlei geheimniskrämerische Figuren auf ein wirres Schwätzchen warten. Wer das große Ganze verstehen will, muss wohl oder übel mit jedem der Helden zu Felde zu ziehen ...

So monoton das Abenteuer auf Solo-Pfaden auch sein mag: Mit bis zu drei menschlichen Begleitern im "Xbox Live"-Schlepptau bekommt "Circle of Doom" plötzlich ganze andere Entertainment-Qualitäten und mutiert zum kurzweiligen "Gauntlet"-Klon.

Kingdom under Fire: Circle of Doom

Hersteller/Vertrieb

Blueside/Microsoft

Genre

Action

Plattform

Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Dabei geraten auch die zahlreichen Macken in Vergessenheit, die Einzelspielern aufs Gemüt schlagen. Technisch mag "Circle of Doom" auf den ersten Blick eine runde Sache sein. Doch die Liste der Nicklichkeiten ist lang - angefangen bei kleineren Clipping-Fehlern in den engen, schlauchartigen Level, über die unbrauchbare Kameraführung in Höhlen bis hin zu einer fragwürdigen Trefferberechnung und Einbrüchen in der Bildwiederholungsrate. Wie es besser geht, zeigte "Ninety-Nine Nights" bereits vor knapp eineinhalb Jahren.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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