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"Legend: Hand of God": Diabolische Feenwelt

Die Sammelwut bricht wieder aus: hier ein blitzender Helm, da eine funkelnde Rüstung, dort ein Zweihänder mit mächtig Feuerschaden. Das Action-Rollenspiel "Legend: Hand of God" weckt Erinnerungen an nächtelange "Diablo"-Häckseleien.

"Schau mal, die schönen Stiefel!" Nein, "Legend: Hand of God" handelt nicht vom samstäglichen Einkaufsbummel mit Freundin oder Ehefrau, aber Elfe Luna und Held Targon erfüllen auf liebenswürdige Weise so manches Geschlechterklischee. Während Targon gerade erschöpft vom Kampf sein blutiges Schwert aus dem Körper eines erlegten Trolls zieht, hat Luna nur Augen für die schicken Klamotten, die der gefallene Gegner hinterlässt. Typisch weiblich, zumal Luna auch noch multitaskingfähig ist: Sie begleitet Targon auf seiner Suche nach der Hand Gottes, brabbelt ihm die Ohren voll, fungiert als Mauscursor und leuchtet dem Helden den Weg aus wie eine Taschenlampe. Mit der wunderbaren Stimme von Cosma Shiva Hagen versehen, ist die Multifunktions-Elfe das innovative Highlight von "Legend". Denn ansonsten bietet das Spiel zwar gut gemachte, aber doch althergebrachte Action-Rollenspiel-Kost.

Targon ist der einzige verfügbare Held und sein Charakter kann erst im Lauf des Abenteuers individuellere Züge annehmen. Mit jedem Levelaufstieg gibt es Fertigkeitenpunkte zu verteilen und Talente in zwei unterschiedlichen Klassen zu entwickeln. Erfahrung gewinnt Targon, indem er sich mit den unterschiedlichsten Gegnern herumschlägt - von der aufdringlichen Krähe bis hin zu Skeletten, Drachen und dicken Bossen reicht die Palette der Widersacher, die er mit Schwert, Axt, Armbrust oder effektvollen Zaubern zu Boden schickt. Taktik ist dabei kaum gefragt, es reichen ein paar Heil- und Manatränke im Inventar sowie drei flinke Finger auf den Maustasten. Umso spektakulärer fallen die dramatisch inszenierten Kampfanimationen mit dem sogenannten "Cinematic Combat System" aus - ein Augenschmaus, auf den der Spieler jedoch keinen direkten Einfluss hat.

Wunderbar stimmungsvolle Landschaften hat Master Creating für "Legend" geschaffen. Grashalme und Baumkronen wiegen sich im Wind, Bäche plätschern am Weg entlang, düstere Dungeons erinnern frappierend an die großen Vorbilder "Diablo 2" und "Titan Quest". Unterwegs begegnet Targon zahlreichen Nichtspieler-Charakteren, die ihn mit Aufträgen versorgen - durchweg in erstklassig geschriebenen und vertonten Dialogen. Auch beim Gameplay griffen die Hamburger Entwickler auf die Tugenden des Blizzard-Klassikers zurück: mit einer einfachen, intuitiven Steuerung und dem Anstacheln der Sammelleidenschaft durch immer wieder neue interessante Items.

Legend: Hand of God

Hersteller/Vertrieb

Master Creating/dtp

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

So weit macht "Legend" alles richtig, um Spieler für etwa 20 Stunden an den Bildschirm zu bannen und gut zu unterhalten. Lediglich ein paar Kleinigkeiten trüben manchmal das Vergnügen, wenn beispielsweise die Steuerung der Kämpfe gelegentlich durch den etwas undeutlichen Feen-Mauszeiger erschwert wird. Inventar, Questlog und Skilltrees wirken im Vergleich mit der Spielgrafik sehr klobig und sind etwas schwerfällig zu handhaben. Nichtsdestotrotz bleibt "Legend: Hand of God" ein Action-Rollenspiel mit außergewöhnlich dichter Atmosphäre, Witz und gehörigem Suchtfaktor. "Diablo"-Veteranen können bedenkenlos zuschlagen.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU