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"Mage Knight: Apocalypse": Apokalyptischer Fantasyschmarrn

Die Frage, die sich in erster Linie stellt: Wer soll "Mage Knight: Apocalypse" überhaupt spielen? Es gibt derzeit genügend Alternativen auf dem Action-Rollenspielmarkt, die weitaus besser geraten sind ...

Ein Introfilm dient normalerweise dazu, den Spieler auf das Geschehen einzustimmen und ihm die Hintergründe der Story zu vermitteln. Voraussetzung dafür ist - neben einer originellen Geschichte - ein guter Sprecher und eine gelungene Übersetzung. Bei "Mage Knight" hebt das eine das andere auf. Die überlangen Sätze sind nämlich derart von Punkt und Komma befreit, dass der arme Sprecher schneller als Speedy Gonzales und vor allem ohne Luft zu holen die Wörter runterrasseln muss, um den Bildern des CGI-Films hinterherzukommen. Dass die Qualität darunter entsprechend leidet, versteht sich von selbst.

Nach einem derarkt vermurksten Auftakt sind die Erwartungen an das restliche Spiel entsprechend gedämpft. Nach der Wahl eines Alter Egos - es stehen Magier, Zwergenscharfschütze, Paladin, Krieger und Amazone zur Verfügung - findet sich der Held von morgen in einem tristen Sumpfgebiet wieder. Dort wartet die erste Aufgabe auf ihn, ein Handwerkerset will von den Standard-Fantasybösewichtern Nummer eins - Orks - wieder beschafft werden.

Die Grünhäuter sind natürlich grenzenlos dämlich und rennen schnurstracks in ihr Verderben. Bei ihrem Ableben hinterlassen sie allerhand Krams, das mühsam einzeln angeklickt werden muss, um ins viel zu klein geratene Inventar zu wandern. Eine Taste, mit der sich alles automatisch einsacken lässt, wäre eine lobenswerte Sache gewesen. Nachdem die Kiste zurückerobert wurde, geht die Reise durch das unspektakuläre, mit verwaschenen Texturen versehene Sumpfland weiter. Dabei wird das größte Manko von "Mage Knight" schon früh deutlich: der streng lineare Levelaufbau und die fehlende Abwechslung.

Ist ein Feind in Sicht, wird zuerst die rechte Maustaste malträtiert, um den Distanzangriff auszulösen, später die linke, sobald der Gegner in Schlagweite ist. Immer und immer wieder. Im Verlauf des Spiels verbessern sich zwar die häufig eingesetzten Fähigkeiten und der Held wird hier und da von KI-Gefährten begleitet, die der Dummheit der Gegner in nichts nachstehen, doch täuscht dies nicht über das monotone Gameplay hinweg.

Mage Knight: Apocalypse

Hersteller/Vertrieb

Namco Bandai/Koch Media

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Erschwerend kommt hinzu, dass die Steuerung ungenau und die unflexible Kamera eine Katastrophe ist. Angesichts der Tatsache, dass "Mage Knight" bereits vor gut einem halben Jahr veröffentlicht werden sollte und aufgrund von "Verbesserungen" seitdem immer wieder verschoben wurde, eine nicht zu verzeihende Schlamperei. Das hat die erfolgreiche Table-Top-Vorlage nicht verdient ...

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau / TELESCHAU
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