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"Project Zero 3: The Tormented": Von allen guten Geistern verlassen

Bitte recht unfreundlich: Wie in den Vorgängern knipst man in "Project Zero 3" allerlei grimmige Gespenster mit einer Kamera Obskura aus - und fürchtet sich dabei zu Tode.

Der furchtlose PS2-Zocker schlüpft im dritten Teil des Geister-Epos vorerst in die Rolle von Rei Kurosawa. Die Fotografin gibt dem Spiel auch seinen Untertitel "The Tormented" - die Leidgeplagte. Schlimm genug, dass sich eine mysteriöse Tätowierung unaufhaltsam auf ihrer Haut ausbreitet. Zu allem Überfluss wird die bemitleidenswerte Protagonistin seit dem Tod ihres Verlobten Yuu auch noch von Visionen gequält. Yuu kam bei einem von Rei verursachten Autounfall ums Leben.

Wie hartgesottene Gruselfans es von der "Project Zero"-Serie gewohnt sind, erforscht man auf der Suche nach einer Erklärung schlecht beleuchtete Hausruinen, die reif für die Abrissbirne wären. Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, muss sich Rei mitten in das Herz des Horrors wagen - das Haus des Schlafes. Adventure-typisch gilt es, Schlüssel zu versperrten Türen zu finden, Notizblock-Einträge zu studieren und auf Gegenstände zu klicken, um aus den Beschreibungen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Für Action sorgen die Begegnungen mit Gespenstern. Als Waffe steht Rei - ganz Japanerin - lediglich eine Kamera zur Verfügung. Immerhin handelt es sich dabei um ein besonderes Model: Die Kamera Obskura kann Geistwesen nicht nur sichtbar machen, sondern auch vertreiben, bevor diese sie attackieren können. Allerdings muss der Auslöser genau im richtigen Moment gedrückt werden, denn nur wenn der Sucher rot wird, entkommt Rei den Fängen der Gespenster.

Der Genre-Mix aus Adventure und Action lebt von dem perfekt inszenierten, leisen Grauen: Beklemmende Sounds, Schwarzweiß-Szenen und skurrile Kameraperspektiven sorgen, schon lange bevor der erste Geist auftaucht, für eine irreale Atmosphäre. Selbst die Vibrationsfunktion des Controllers wird geschickt eingesetzt, um dem Spieler das Fürchten zu lehren: So pulsiert beispielsweise die Steuerung rhythmisch, wenn Rei Angst hat, um ihren Herzschlag spürbar zu machen. PS2-User lernen spätestens nach der Begegnung mit dem ersten Gespenst, dass die stillen Momente nur die Ruhe vor dem Sturm sind. Bald ist man so paranoid, dass bereits flackernde Kerzen und vom Wind bewegte Vorhänge für Schrecksekunden sorgen. Wer hätte gedacht, dass Warten viel nervenaufreibender sein kann als das genretypische temporeiche Zombie-Gemetzel?

Das ab 16 Jahren freigegebene "The Tormented" setzt auf das bewährte Spielprinzip seiner Vorgänger. Neu ist lediglich, dass die Kamera Obskura weitere Fähigkeiten zur Geisterabwehr besitzt und dass sich neben der Hauptfigur zwei weitere Charaktere mit jeweiligen Spezialfähigkeiten steuern lassen - Reis Assistentin Miku (Fans der Reihe bereits bekannt) und den Journalisten Kei.

Project Zero 3: The Tormented

Hersteller/Vertrieb

Tecmo/Take2

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Grafisch opulente Zwischensequenzen sorgen für kinoreifes Gruseln. Apropos Kino: Der dritte Teil der "Project Zero"-Saga versetzt den Spieler mehr als jeder Asia-Horrorstreifen mitten ins Geschehen und ist insofern wirklich nichts für schwache Nerven - zumal der Bits und Bytes gewordene Albtraum "The Tormented" mindestens zehn Stunden dauert.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU