"Red Orchestra" Mit viel Realismus an die Ostfront


Keine kommunistische Dirigenten-Simulation, sondern ein beinharter Multiplayer-Shooter: "Red Orchestra" setzt auf Realismus pur.

Die Spieler schlüpfen bei "Red Orchestra" in die Uniform eines deutschen oder russischen Soldaten an der Ostfront des Zweiten Weltkriegs. Ihre Aufgabe: taktisch wichtige Stellungen auf einer Karte einnehmen, um so ein Übergewicht zu bekommen. Jeder der bis zu 32 Schlachtenbummler wählt zu Beginn des Einsatzes eine Soldaten-Klasse. Diese legt nicht nur seine Bewaffnung fest, sondern auch die Aufgaben, die er übernehmen kann: Nur Panzerfahrer können die Stahlsärge steuern; nur der Zugführer darf Artillerieunterstützung anfordern. Das bedeutet: Teamwork ist gefragt. Man kann folglich nicht einfach ins feindliche Hinterland rumpeln, den Tank abstellen und als Scharfschütze Position beziehen - wie das in der "Battlefield"-Reihe gang und gäbe ist.

Auch an anderer Stelle spiegelt sich der Realismus-Anspruch des Spiels wider: Fadenkreuze auf dem Bildschirm gibt es nicht. Wer treffen will, sollte anlegen - am besten in der Hocke. Das Maschinengewehr muss sogar immer aufliegen. Vorbei die Onlinespiel-Zeiten, in denen MG-Soldaten aus allen Rohren feuernd durch die Landschaft hüpften.

Auch im Panzer ist die Zusammenarbeit zwischen Fahrer, Schütze und Kommandant überlebenswichtig. Denn bei geschlossenen Luken ist der Steuermann bis auf einen kleinen Sehschlitz nahezu blind. Und der Turm dreht sich schrecklich langsam. Das führt meist zu hektischem Chaos, wenn plötzlich ein feindlicher Kettenrumpler an einer Flanke auftaucht ...

Die Folgen dieser Authentizität: "Red Orchestra" spielt sich taktischer, langsamer, langatmiger, aber auch fesselnder als die Genre-Konkurrenz. Anstelle einer wilden Hatz über die Landkarte führen bis zu 32 Spieler erbitterte Multiplayer-Schlachten, in denen jede Stellung hart umkämpft ist. Eine ausgiebige und nicht selten frustrierende Lernphase zu Beginn sollte dabei jedoch einkalkuliert werden - der Titel wendet sich ausschließlich an Profis. Wer aber einmal mit einer gut eingespielten Panzer-Crew ein Gefecht für sich entschieden hat, wird so schnell nicht mehr loskommen.

Red Orchestra

Hersteller/Vertrieb

Tripwire/Frogster Interactive

Genre

Action

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Grafisch überzeugt "Red Orchestra" indes nur bedingt: Die Texturen sind matschig, die Animationen der Soldaten reichlich hüftsteif. Umso beeindruckender ist allerdings die akustische Untermalung: Granaten und kernige Funksprüche surren über die 13 vorhandenen Schlachtfelder; Artillerie-Einschläge schleudern Dreck in die Luft; Panzer poltern laut tosend durch die Pampa. Trotzdem sind die Hardware-Anforderungen moderat: Mit einem PC der 2-GHz-Klasse ist man dabei im virtuellen Krieg.

Jan Mandler/Teleschau TELESCHAU

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