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Spitzenquote für "Unsere Mütter, unsere Väter": Quality time an der Ostfront

Manchmal wird Qualität eben doch belohnt. Das aufwendig produzierte ZDF-Kriegsepos "Unsere Mütter, unsere Väter" hat zum Finale überraschend zugelegt.

Mit Qualität im deutschen Fernsehen ist es so eine Sache. Nur, weil eine Serie gut gemacht ist und von den Kritikern gelobt wird, kann sie noch immer ein Publikumsflop werden. Orkun Ertener musste diese bittere Erfahrung mit seiner intelligenten Polizeidrama "KDD - Kriminaldauerdienst" machen, selbst mehrfach prämierte US-Serien wie "Breaking Bad" werden hierzulande ins Nischenfernsehen verbannt.

Nico Hofmann war sich des Risikos wohl bewusst, als er die Dreharbeiten zum ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" anschob. Ein Film, der ungeschminkt von den Gräueln des Russlandfeldzugs erzählt, in die fünf jungen Menschen verstrickt werden. Acht Jahre Arbeit stecken darin, davon 90 Drehtage in Litauen, Lettland und Deutschland, (Militär-)Historiker und 200 Kriegsveteranen wurden als Berater angeheuert. "Ich bete zum lieben Gott, dass dieses Programm sein Publikum findet", rief Hofmann vor wenigen Tagen noch dem Publikum einer Voraufführung zu.

Ob es nun einer Intervention von ganz oben oder doch echtem, diesseitigen Zuschauerinteresse zu verdanken ist - Hofmann (und mit ihm alle Freunde intelligent erzählter Fernsehunterhaltung) können aufatmen. "Unsere Mütter, unsere Väter" hat sein Publikum gefunden, die Erwartungen gar noch übertroffen: 7,63 Millionen Zuschauer schalteten am Mittwochabend zum dritten und letzten Teil der Kriegssaga ein, damit war das Zweite mit Abstand Marktführer, bei den jungen Zuschauern ebenso wie im Gesamtpublikum. Den zweiten Teil hatten am Montagabend 6,57 Millionen Zuschauer gesehen, den ersten 7,22 Millionen. Besonders überraschend mutet diese Zahl an, da ein Mehrteiler in der Regel mit zunehmender Folgenzahl an Zuschauern verliert: Leute steigen nur selten neu in eine Geschichte ein, dessen Anfang sie verpasst haben.

Rege Diskussion unter den Zuschauern

Das ZDF nahm den Erfolg zum Anlass für ein wenig Selbstbeweihräucherung: Im auf den dritten Teil folgenden "heute-journal" wurde der Zweite Weltkrieg zum Aufmacherthema erkoren - obwohl es mit der Zypern-Krise und Obamas Israel-Besuch an aktuellen Themen nicht mangelte. In der Sendung zeigte sich der ehemalige SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, der mit 17 zur Wehrmacht ging, tief bewegt. "Es spricht sich nicht leicht über schwere, dramatische Leidenserlebnisse", sagte der 87-Jährige. "Und es spricht sich noch weniger leicht über Vorgänge, bei denen man sich selber die Frage stellen muss: Hast Du damals wirklich in verantwortbarer Weise gehandelt? Hättest Du nicht auch Nein sagen oder zumindest bitten können, dass man dich von der Mitwirkung an einer Erschießung beispielsweise freistellt? Deswegen redet man nicht leicht darüber."

Im Chat auf der offiziellen ZDF-Seite des Films entwickelte sich eine rege Diskussion. "Der Film übertrifft alles bisherige und berührt, eben weil er keine Schuld zuweist, sondern begreiflich macht, was die Menschen damals durchgemacht haben", schreibt ein Nutzer unter dem Namen "Leika11". User "EnaMol" erinnert daran, dass die Geschichte des Zweiten Weltkrieges für seine Generation "ein weißer Fleck" gewesen sei.

jwi/DPA / DPA