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Neue Arte-Serie "Breaking Bad": Der Koch, der Schüler, seine Frau und ihr Schwager

Chemielehrer Walter White steht mit dem Rücken zur Wand: Er hat Lungenkrebs, einen Haufen Schulden, seine Frau ist schwanger, sein Kind krank. Da bleibt ihm nur ein Ausweg: Er steigt ins Drogengeschäft ein. Arte hat sich eine ausgezeichnete Serie angelacht.

Von Susanne Baller

Karge Wüste, ein schlingerndes Wohnmobil, das durch die Steppe jagt. Am Steuer sitzt ein Irrer, der außer einer beschlagenen Gesichtsmaske lediglich eine Unterhose trägt. Auf dem Beifahrersitz ein Bewusstloser, durch den Kabinenraum rutschen Leichen. Sirenengeräusche im Hintergrund, die Piste wird zu buckelig, das Wohnmobil bleibt stecken. Der Fahrer flucht, steigt aus - und muss erst einmal kotzen. Die nahenden Blaulichter bringen ihn dazu, sich ein Hemd überzuziehen und mit zitternden Händen ein Video aufzuzeichnen, ein Abschiedsgruß an seine Familie. Dann geht Walter mit erhobener Pistole an den Rand der Schotterpiste und erwartet die Polizei.

Das rasante Tempo des Einstiegs bestimmt die Dynamik für "Breaking Bad", die neue Arte-Serie, die die Messlatte für Spannung um einige Zentimeter höher legt. Am 9. Oktober 2010 startet der achtfache Emmy-Abräumer, die erste Staffel des amerikanischen Fernseherfolgs kommt jeweils samstags in Doppelfolgen. Doch was hat es mit dem "Ausbruch des Bösen" - wie man "Breaking Bad" frei übersetzen könnte - auf sich?

Mit dem Kopf durch die Wand

Bryan Cranston, den man in Deutschland als überforderten Vater aus der Sitcom "Malcolm mittendrin" kennt, spielt den getriebenen Protagonisten. Der nahende Tod durch Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, die fehlende Krankenversicherung für eine Chemotherapie und das Haus, das abgezahlt werden muss, haben Walter White auf Abwege geführt.

Der Chemielehrer arbeitet in New Mexico an der Highschool und nebenbei, um sein Gehalt aufzubessern, als Autowäscher. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht. Um seiner schwangeren Frau und seinem behinderten Sohn ein schuldenfreies Erbe zu hinterlassen, sieht Walter nur einen Ausweg: Er muss eine weitere Einkommensquelle auftun. Und so steigt der Lehrer, der es bislang nur mit gelangweilten Schülern zu tun hatte, ins Drogengeschäft ein. Er kocht Methylamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth. Und Walter kocht das Zeug so gut, dass er sich in der Szene schnell einen Namen macht. Doch es gibt es zwei Haken: Sein Stoff ist blau und damit jederzeit wiederzuerkennen, und sein Schwager ist Agent der Drogenbekämpfungsbehörde.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Der atemraubend schnelle Wechsel, in dem Walters Persönlichkeit umschlägt, gibt den Takt für den Puls des Zuschauers vor. Der hilflose, linkische, unter dem Biolebensmitteldiktat seiner Frau Skyler (Anna Gunn) stehende Versager entwickelt mit wachsender Not eine zweite Identität: Dr. Jekyll erschafft sich seinen Mr. Hyde, der ihn immer öfter zu überholen scheint. Der liebevolle Ehemann und Vater mutiert zum gnadenlosen Paten, der in seinem Revier für Ordnung sorgt.

Walter hat den Weg in die Drogenszene nicht allein gefunden, sondern über seinen Gehilfen, einen etwas minderbemittelten Exschüler. Jesse Lee Pinkman (großartig: Aaron Paul) ist ein schusseliger Träumer, der Kontakte zur Szene hat und in seinem ehemaligen Lehrer eine zweite Chance für sein Leben wittert. Beim Crystal-Meth-Kochen im Wohnmobil lernt er plötzlich, dass Chemie eine angewandte Wissenschaft sein und Spaß machen kann. Doch Pinkman muss auch erkennen, dass die Zusammenarbeit mit Walter noch weitere Konsequenzen für sein Leben hat. Zum Beispiel wenn Walter, ausgezehrt von der mit Drogengeld finanzierten Chemotherapie, haarlos, rücksichtslos und mit gefühlskaltem Blick seinem Adjudanten eine Knarre in die Hand drückt und ihn auffordert, die zu selbstständig gewordenen Zwischenhändler einzunorden.

Doch davon mehr in der zweiten Staffel, die Arte ab November ausstrahlt ...