"Runaway 2" Insel-Hopping mit Hindernissen


Vor drei Jahren war "Runaway" von den spanischen Pendulo Studios an der Wiederbelebung des Adventure-Genres nicht ganz unschuldig. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den gerade erschienenen zweiten Teil.

Urlaub auf Hawaii - wer träumt dieser grauen Tage nicht davon, ein paar Tage in der Sonne am Sandstrand zu liegen und alle Sorgen hinter sich zu lassen? Doch für die "Runaway 2"-Helden Brian Basco und Gina gehen die Schwierigkeiten im Ferienparadies erst richtig los: Ein gewagter Trip mit einem klapprigen Flugzeug zum Nachbar-Eiland Mala entwickelt sich für die beiden zum regelrechten Albtraum. Alles beginnt damit, dass der senile Pilot in luftigen Höhen den Löffel abgibt und Brian seine Freundin mit dem einzigen verfügbaren Fallschirm aus dem Flieger schubst...

Manchmal sollte man seiner inneren Stimme folgen und sich zu nichts überreden lassen. Das wird sich auch Brian nach seinem Abenteuer in "Runaway 2" denken. Der einst so introvertierte Physikstudent ist durch die Freundschaft mit der Ex-Stripperin Gina derart aufgeblüht, dass er jetzt sehr viel lockerer wirkt und auch mal mühelos im Dschungel die steilsten Abhänge überwindet. Eigentlich hätte er die Insel mit dem unseligen Namen Mala gar nicht besuchen wollen, doch Gina musste ja unbedingt den Tiki-Wasserfall gesehen haben, also gab es keine Widerrede. Die Folgen des Horrortrips: Gina ist verschollen und taucht auch bis zum Ende des Abenteuers nicht mehr auf. Brian legt mit dem schlingernden Wasserflugzeug eine glimpfliche Bruchlandung im Dschungel hin, sammelt seine Knochen zusammen und macht sich auf die Suche nach seinem Mädel und einem Ausweg aus dem Dilemma. Gänzlich unerwartet führt ihn sein erster Weg auf der angeblich verlassenen Insel in ein Militärcamp mit ganz besonders schneidigen Vertretern der Soldaten-Zunft.

Edel umgesetzter Cartoon-Stil

"Runaway 2" greift den Cartoon-Stil des ersten Teils wieder auf, perfektioniert ihn und liefert so bereits in den ersten Spielminuten ungeheuer stimmungsvolle Bilder, die einen sofort gefangen nehmen. Flüssige Animationen vor wunderschön gezeichneten Hintergründen erinnern an hochwertige Zeichentrickfilm-Produktionen fürs Kino. Auch Sound und Sprachausgabe unterstreichen gelungen die Atmosphäre. Alle Sprecher scheinen mit Enthusiasmus bei der Sache zu sein und verleihen dem Spiel in jedem Dialog eine ganz außerordentliche Lebendigkeit. Perfekte Voraussetzungen also für ein perfektes Spiel - oder doch nicht?

Bereits im ersten der insgesamt sechs Kapitel, die man sich bei Bedarf Platz sparend einzeln auf die Festplatte laden darf, werden Stärken und Schwächen des Programms offensichtlich. "Runaway 2" bietet ausgefallene Puzzles, die fast so unkonventionell wirken wie in den großen Vorbildern von "Indiana Jones" über "Monkey Island" bis hin zu "Grim Fandango". Im Gegenzug müssen Schauplätze penibelst nach Gegenständen abgesucht werden, die zur Lösung der Aufgaben nötig sind. So können Stunden vergehen, bis man im Flugzeugwrack endlich eine Glasscherbe liegen sieht, ohne deren Hilfe man beim besten Willen nicht aus dem Dschungel hinauskommt.

An den Haaren herbeiziehen nervt

Manche Aufgaben erscheinen auch an den Haaren herbeigezogen: Warum muss man beispielsweise einem nervigen Affen erst Wasser verabreichen, bevor man ihn mit Whisky ins Reich der Träume schicken darf? Gut, die Kombinationsmöglichkeiten, die man mit Gegenständen und Umgebung hat, sind begrenzt - jedes Rätsel lässt sich letztendlich mit der Trial&Error-Methode knacken. Aber ist das wirklich Sinn der Sache?

Immerhin: die Rätseldichte ist hoch und anders als die meisten aktuellen Adventures bietet "Runaway 2" damit eine Spielzeit, die deutlich über dem Zehn-Stunden-Standard liegt. Brians Abenteuer und die Begegnungen mit zig schrulligen Charakteren sind derart sympathisch inszeniert, dass man sie gerne bis zum Ende verfolgt - auch wenn das mit dem einen oder anderen Kopfschütteln über stellenweise arg konstruiert wirkende Puzzles verbunden ist. Die große Ernüchterung folgt jedoch erst ganz zum Schluss: Ein richtiges "Ende" gibt es nämlich erst im nächsten "Runaway" zu sehen - und wer weiß, wann das kommt. Hätte nur noch die Einblendung eines Links zum kostenpflichtigen Herunterladen des "Runaway"-Klingeltons gefehlt ...

Runaway 2

Hersteller/Vertrieb

Pendulo Studios/Anaconda

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Kein Zweifel, "Runaway 2" gehört mit zu den besten Adventures, die gegenwärtig auf dem Markt sind, aber alle Erwartungen kann es nicht erfüllen. Das Programm macht ein paar Fehler, die ohne Weiteres zu vermeiden gewesen wären, weil sie in anderen Titeln des Genres schon als Spielspaß-Hemmer erkannt worden sind. Einsteiger mögen sich am Schwierigkeitsgrad der Puzzles die Zähne ausbeißen.Wer aber genügend Hartnäckigkeit beweist, wird mit einem Feuerwerk an liebevoll in Szene gesetzten abstrusen Einfällen belohnt.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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