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"Spellforce 2 - Shadow Wars": Mordor liegt am Rhein

Beim deutschen PC-Spiel "Spellforce 2 - Shadow Wars" verschwimmen die Genre-Grenzen zwischen Rollenspiel und Echtzeitstrategie. Die Geschichte, die dabei erzählt wird, ist so spannend wie jeder Tolkien-Klassiker.

Abtauchen in Fantasy-Welten und alles um sich herum vergessen. "Spellforce 2", entwickelt von der Spieleschmiede Phenomic aus dem beschaulichen Städtchen Ingelheim am Rhein, bietet die besten Voraussetzungen für einen ausgedehnten Trip ins Land der Orks und (Dunkel-)Elfen. Mindestens 60 Stunden sind die Helden allein in der Einzelspieler-Kampagne unterwegs und bestehen ein vielseitiges Wechselbad an ebenso gefährlichen wie faszinierenden Abenteuern.

Wie schon sein Vorgänger "Spellforce - The Order of Dawn" ist "Shadow Wars" eine Mischung aus Rollenspiel und Echtzeitstrategie. Zu Anfang mögen jedoch sowohl eingefleischte Rollenspieler wie Hardcore-Strategen dem Treiben in "Spellforce 2" durchaus kritisch gegenüberstehen. Man steigt ohne großangelegte Charaktergenerierung ins Geschehen ein, und die strategischen Elemente erscheinen zunächst auch eher rudimentär: Basis errichten, drei Rohstoffe abbauen und Streitkräfte ausbilden. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick wie eine Sparversion von "Age of Empires". Doch alles fügt sich zusammen zu einem großartigen Ganzen mit einer derart überzeugenden Spannungskurve, dass irgendwann alles Genre-Schubladendenken nebensächlich wird.

An der Persönlichkeit lässt sich arbeiten

Zum Heranzüchten eines eigenständigen Charakters hat man in "Shadow Wars" noch ausreichend Gelegenheit. Durch seine fordernden Abenteuer, die er in den vielen abwechslungsreichen, meist erfreulich überschaubaren Quests besteht, steigt der Held nach und nach bis zur Stufe 30 auf. Die dabei erworbenen Erfahrungspunkte darf er nach Belieben in Kampf- oder Magie-Talente investieren. Ein gigantischer, weit verzweigter Fertigkeitenbaum ermöglicht dabei die Ausbildung ganz individueller Persönlichkeiten. Allein ist man in den "Schattenkriegen" nie - stets begleitet den Helden eine Schar von bis zu fünf Gleichgesinnten, die ebenfalls aufsteigen, mit ihm das übersichtliche Inventar teilen und an Fertigkeiten zulegen.

Titanisches Vergnügen

"Spellforce 2" ist schon wegen seiner überaus gelungenen Dramaturgie und der packenden Fantasy-Atmosphäre nicht nur für Genre-Fans ein spielerischer Leckerbissen. Ein monumentaler, kontextsensitiver Orchestersoundtrack schafft die richtige "Herr der Ringe"-Stimmung für die Reise des Heldentrupps durch grafisch üppige Landschaften, belebte Städte und lauschige Wälder. Man durchstreift geheimnisvolle Schluchten und baut neue Siedlungen auf, um dort mächtige Armeen heranzuzüchten, die sich dann praktisch über die Menüleiste zu Kampfverbänden gruppieren lassen. Besonders eindrucksvoll sind die mächtigen Titanen, die zwar massig Ressourcen verschlingen, dafür aber ganze Trosse von Gegnern mit einem Schlag zu Kleinholz verarbeiten.

Auch im Detail kann "Spellforce 2" mit einer gut ausbalancierten Künstlichen Intelligenz und leistungsfähigen Wegfindungs-Algorithmen fast rundum überzeugen. Das komfortable, gegenüber dem ersten "Spellforce"-Teil deutlich optimierte und entschlackte Benutzerinterface wird in einem Tutorial ausgiebig erklärt. Die frei drehbare und stufenlos zoombare Karte ermöglicht in allen Situationen einen guten Überblick über das Geschehen - bei all der gebotenen Grafikpracht stellt "Spellforce 2" jedoch immense Ansprüche an die Hardware, wenn es auf dem Bildschirm ohne Ruckeln zugehen soll.

Für noch mehr Langzeitmotivation sorgt "Spellforce 2" mit dem "freien Spiel" (Coop-Modus für bis zu drei Spieler), in dem man versucht, seinen Charakter möglichst weit hochzupäppeln und nach "Diablo"-Manier Ausrüstungsgegenstände zu sammeln. Am so genannten Gefechtsmodus können sich zudem bis zu sechs Spieler im Netzwerk oder Internet beteiligen.

Spellforce 2 - Shadow Wars

Hersteller/Vertrieb

Phenomic/Jowood

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Fazit: "Spellforce 2" gehört definitiv zu den Spiele-Highlights dieses Jahres, die jeder Zocker einmal gesehen haben sollte - bei den meisten wird es sicher ohnehin nicht bei einem kurzen Probespiel bleiben ...

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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