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Geschäftsmodell "Printcast": Druckertinte mit Werbung bezahlen

Druckertinte ist eine der teuersten Flüssigkeiten der Welt. Ein deutsches Unternehmen lockt mit kostenlosen Originalpatronen. Wer die haben will, muss Werbung ausdrucken. Mit dem eigenen Drucker, auf selbst bezahltem Papier.

Von Matthias Lauerer

Das Drucker-Drama kennen wir alle. Manche Geräte werden uns für 39 Euro in jedem Elektro-Markt hinterher geworfen. Aber die Tinte schlägt dann preislich voll ins Kontor, wenn der Kunde neuen Druck-Stoff braucht. Zehn Milliliter für 26 Euro und mehr sind die Realität. Macht pro Liter unglaubliche 2.600 Euro. Doch statt einer kompletten Einbauküche bekommt man dafür nur ein wenig nasse Farbe schnell aufs Papier gespritzt.

Dieser Zustand ärgerte auch Birger Wunderlich. Der Geschäftsführer des Unternehmens "Printcast" mit Sitz in Castrop-Rauxel wollte nicht mehr mit billiger, aber nervig nachzufüllender Tinte oder mit Patronen-Kopien arbeiten. Im Gespräch mit stern.de erklärt er seine einfache Idee des kostenlosen Druckens: "Sie melden sich auf unserer Homepage an. Und geben danach mindestens zehn persönliche Interessen an. Wir, über einen speziellen Druckertreiber, schicken Ihnen personalisierte Werbung auf den PC." Dieses Treiberprogramm lädt man sich von der Homepage des Unternehmens herunter. Jeder Ausdruck wird dann auf einem Tintenkonto registriert. Damit das Modell funktioniert, muss der PC online sein. Ein Werbebanner beschert den druckenden Kunden 20 Cent aufs Konto. Für ganze Din-A-4 Seiten gibt es zwischen 40 und 50 Cent. Wenn er jedoch mehr persönliche Interessen angibt, dann können das laut Birger Wunderlich auch 80 Cent pro Seite werden. Dieses Druck-Spiel geht solange weiter, bis der Betrag von 50 Euro erreicht ist. Nach knapp 100 Werbe-Ausdrucken erhält der Kunde seine nagelneue Original-Patrone per Post zugesandt. Diese reicht für den Ausdruck von 400 Papierseiten. 20 Prozent des Patronen-Inhalts werden laut Printcast für Werbung verdruckt. Für Unternehmen sei das Angebot interessant, da sie kaum Streu-Verluste bei der Werbung verzeichneten.

Der Andrang ist groß

Wunderlichs Idee traf wohl den Zeitgeist. Denn schon jetzt, in der Test-Phase, ist die Online-Nachfrage gewaltig. Ganz ohne teure Werbekampagne. "Wir haben zurzeit ungefähr 30 Anmeldungen pro Stunde", vermeldet Wunderlich. Eigentlich wollte man erst in ein paar Wochen durchstarten. Unterstützt dann "mit 500.000 Euro Werbe-Geldern für Print-Werbung." Um damit den bundesdeutschen Markt aufrollen. Doch nach dem großen Zuspruch sind Wunderlich und sein Team schon jetzt am Start.

Trotzdem wurde die Idee über ein halbes Jahr geheim gehalten. Der Grund: "Wir verhandelten mit allen renommierten Drucker-Herstellern, um sie von unserer Idee zu überzeugen." Jetzt sitzen alle großen Firmen wie HP, Canon, Epson, Lexmark und Brother mit im Tinten-Boot. Für deren Drucker-Typen soll es passende Patronen geben. Die Hersteller profitieren davon, dass Kunden mit der Original-Ware versorgt werden.

Bislang steckte Wunderlich 180.000 Euro in seine Idee. Das Geld stammt aus seiner Werbe-Agentur. Die Firma stellt unter anderem Animationen für die Sendungen "Nano" und "Quarks und Co." her. Das Fach-Wissen sammelte sich in "17 Jahren im Geschäft" an, wie der erst 33-jährige Wunderlich betont.

Große Pläne

Die Geschäftsidee ließ sich der Unternehmer schnell in den USA schützen. Die Software wurde dann sowohl in Deutschland, als auch weltweit als Patent angemeldet. Sechs Millionen Euro will "Printcast" noch im Jahr 2007 umsetzen. Als nächsten Schritt plant die Firma so genannte "PrintCasts". Der Kunde erhielte zum Beispiel den frischen Ausdruck der aktuellen TV-Zeitung, sobald er morgens online geht.

Steigender Papierverbrauch

Fraglich bleibt, ob die Kunden bereit sind, für ein bisschen Tinte die letzten persönlichen Daten herauszurücken. Um sie dann an Firmen weiterzugeben, die sich mit ihren Werbe-Botschaften gezielt an vollends gläserne Verbraucher wenden können, die in ihren Arbeitszimmern sitzen. Und auf selbst bezahltem Papier fleißig Werbung ausdrucken, die sie normalerweise im Briefkasten wohl niemals beachtet hätten.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.