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Innovationspreis des deutschen Films: Digitale Schauspieler, made in Germany

Im Computer erzeugte Schauspieler sind mal mehr, mal weniger offensichtlich regelmäßig im Kino zu begutachten. Die Kunst, diese Wesen zu erschaffen, kann man auch in Deutschland lernen. Dafür gibt es nun einen Innovationspreis.

Von Jörg Isert

Die Filmakademie Baden-Württemberg hat am Mittwochabend den Innovationspreis des deutschen Films in Höhe von 25.000 Euro erhalten. Mit dem Preis sollen neue Ansätze gefördert werden, die das Potenzial haben, die deutsche Filmbranche zu stärken. Ausgezeichnet wurde das Projekt "Künstliche Darsteller" der Animationsabteilung in Ludwigsburg, wo die Filmakademie ihren Standort hat. Einige der dort ausgebildete Studenten arbeiten heute an effektlastigen Filmen wie "Harry Potter 5" oder den "Fluch der Karibik"-Fortsetzungen mit.

Das dreijährige Forschungsprojekt, das erst vor wenigen Monaten abgeschlossen wurden, befasste sich mit der Entwicklung und Verfeinerung von 3-D-Gesichts-Animationen. Insbesondere ging es um die glaubwürdigere Abbildung von Gesichtsbewegungen. Um Computerkünstlern das Animieren von real wirkenden Gesichtsausdrücken zu erleichtern, entwickelten Projektleiter Volker Helzle und ein aus Künstlern und Ingenieuren bestehendes Team neuartige Hilfsmittel: Ein "Facial Animation Toolset" sowie Datenbank namens "Expression Repertoire". Beide Anwendungen sind kostenlos im Internet abrufbar und können von den Benutzern weiterentwickelt werden. Damit wird einer Entwicklung der letzten Jahre Rechnung getragen: Am Computer erschaffene Darsteller sind gefragter denn je.

Digitale Schauspieler können noch nicht überzeugen

Fakt ist aber auch: Der Traum, dass digitale Wesen Schauspieler aus Fleisch und Blut komplett ersetzen, scheint bis auf Weiteres nicht Realität zu werden. Denn nach wie vor sind überzeugende digitale Menschen eher die Ausnahme als die Regel. Erste Versuche dieser Art gab es in den Filmen "Jurassic Park" (1993) und "Batman forever" (1995). Hier kamen in kurzen Sequenzen digitale Stuntdoubles zum Einsatz. Den Versuch, Menschen vollständig durch Computerdoubles zu ersetzen, wagte 2001 die Firma "Square Pictures" mit Sitz in Honolulu. Ihr Film "Final Fantasy", der nach einem Computerspiel entstand, stammte komplett aus dem Rechner - oder genauer: 1.000 Rechnern. Mit einem Budget von 140 Millionen Dollar ausgestattet, gelang es den Machern des Films zwar streckenweise, erstaunlich real wirkende digitale Menschen zu erschaffen. In anderen Szenen wirkten diese aber erstaunlich - künstlich.

Nach wie vor wirken künstliche Menschen im Film dann am realsten, wenn sie nur für Sekundenbruchteile eingesetzt werden. So wurde der Darsteller Vin Diesel in dem Film "Triple X" (2002) von einem rund herum überzeugenden digitalen Stuntdouble ersetzt. Ein ähnlicher und längerer Versuch in der Fortsetzung "Matrix Reloaded" (2003) misslang jedoch. Da konnte Filmproduzent Joel Silver noch so sehr über den digitalen Neo jubeln: Kinozuschauer in aller Welt zeigten sich irritiert, als in einer Kampfszene an Stelle des Darstellers Keanu Reeves plötzlich eine seltsam wirkende Computeranimation zum Einsatz kam. Auch den teils digital erzeugten Babys in Filmen wie "Die Maske 2" (2005) und "Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse" (2005) merkte man ihre künstliche Herkunft an. Der mit immensem Aufwand komplett computergenerierte Film "Der Polar-Express" (2005) wirkte im Vergleich mit dem vier Jahre älteren "Final Fantasy" sogar wie ein Schritt zurück. Obwohl der Film zunächst mit echten Schauspielern gedreht wurde, glichen die Hauptfiguren eher Robotern aus einer Disneyland-Vergnügungsfahrt als Hauptdarsteller Tom Hanks.

Marionettenähnlichkeit

Hauptproblem: Noch immer erscheinen die künstlichen Darsteller allzu oft als animiert, als ob sie von außen bewegt werden würden - einer Marionette gleich. Tatsächlich sind Körperbewegungen und Mimik aber nur dann überzeugend, wenn sie aus dem Inneren einer Figur zu kommen scheinen. Und: Realistisch aussehende Haut in ihrer ganzen Komplexität ist nur schwer zu simulieren. Noch ist es so ähnlich wie mit Schönheitsheitsoperationen. Manchmal gibt es gelungene. Aber meistens wirkt irgend etwas falsch.

Davon lassen sich die Computeranimatoren in aller Welt jedoch nicht entmutigen. In Ludwigsburg läuft bereits das nächste Forschungsprojekt. Der Name: "Dynamische Echtzeit-Animation". Hier dreht sich alles um interaktive, also sofort verfügbare Animationen, wie es sie bei Computerspielen gibt. Der nächste Innovationspreis kommt bestimmt.

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