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Kreative Bastler erfinden neue Gadgets: MacGyvers Erben

In den USA blüht die Bastlerszene. Die "Maker" bauen aus Alltagsdingen die perfekte Kaffeemaschine, Wählscheibentelefone zum Twittern - oder Platinen, mit denen man Nudeln als Tastatur nutzen kann.

Von Daniela Albat

Eric Rosenbaum und Jay Silver tippen gern auf Sachen herum, auf Bananen etwa, und Buchstabennudeln. Nicht, weil sie sich für Reifegrad oder Bissfestigkeit interessieren. Weil sie so einen Computer bedienen können.

Rosenbaum und Silver promovieren an der US-Eliteuni MIT, Rosenbaum ist Teil der Entwicklergruppe Lifelong Kindergarten. Gemeinsam erfinden beide, tagein, tagaus. Ihre Vision: Mit einfachen Mitteln jedem die Möglichkeit geben, seine Kreativität zu leben. Nun haben sie ein Kit entwickelt, das das möglich macht, Makey Makey, eine 40 Dollar teure Platine.

An eine Seite werden mit Krokodilklemmen leitende Materialien angeschlossen, an die andere Computer. Die nehmen Makey Makey als Bediengerät wahr, sodass man mit einem Knetcontroller Videospiele steuern oder seinen Lebenslauf auf Nudeln tippen kann. Seit Mitte Oktober liefern sie Makey Makey weltweit aus.

Do it yourself

Es soll mehr sein als eine Spielerei. "Wir wollen in einer Welt leben, die von allen Menschen gestaltet wird", sagen Rosenbaum und Silver. Und beschreiben so den Geist einer Bastlerbewegung, die nach dem Do-it-yourself-Prinzip nicht nur Einsen und Nullen jongliert und Programme schreibt. Sie nennen sich Maker, Macher. Das Maker-Movement besteht aus Technikbegeisterten, die Hardware bauen, Roboter und 3-D-Drucker ebenso wie Metall- und Holzarbeiten. Es gibt Maker-Foren, -Magazine und -Faires, jahrmarktähnliche Messen, bei denen Kreative ihre Produkte vorstellen.

Herz vieler Maker-Produkte sind Arduino-Platinen mit Prozessor, Speicher sowie Ein- und Ausgängen für Kabel. Seitdem die gleichnamige italienische Firma Arduino 2005 auf den Markt brachte, hat das Produkt mehr als 100.000 Anhänger gefunden. Die Platine ist mit 30 Dollar günstig, wird als Open-Source-Projekt ständig weiterentwickelt und ist leicht zu handhaben.

Neben Makey Makey sind drum herum Dutzende Projekte entstanden. Gleb Polyakov und Igor Zamlinsky, kaffeeliebende Ingenieure, haben eine Arduino-kontrollierte Kaffeemaschine gebaut, die Druck und Temperatur während des Brühvorgangs möglichst konstant hält. Das Tweephone ist ein Drehscheibentelefon, mit dem man twittern kann. Und die Firma Littlebits verkauft Elektronikbausteine zum Zusammenstecken, die so einfach nutzbar sein sollen wie Lego.

Kickstarter sorgt für Geldregen

Größtes Problem der Maker ist meist die Finanzierung. Traditionell ist die Hardwareszene bei Investoren nicht sonderlich beliebt. Herstellung und Vertrieb physischer Dinge sind deutlich aufwändiger als bei Software, scheitert ein Unternehmen, machen die Investoren höhere Verluste. Doch die Zeiten ändern sich. "Das Internet macht es Gründern leichter", sagt Kati Krause von Etsy Deutschland, einer Plattform für handgefertigte Produkte. Sie können ihre Ware online vertreiben und in sozialen Medien bewerben.

Über Finanzierungsplattformen wie Kickstarter kann man Menschen für Ideen begeistern und Startkapital eintreiben. Es gibt sogar Förderprogramme, die sich an Hardware-Startups richten. Ein solches Programm ist Bolt. Sein Gründer Ben Einstein sagt: "Risikoinvestoren tun sich schwer damit, auf Hardware zu setzen. Sie wissen nicht, wann oder wie viel sie investieren sollen, weil sie daran gewöhnt sind, App-Entwickler zu finanzieren." Doch mit der wachsenden Zahl interessanter Hardware-Startups wächst auch das Anlegerinteresse.

3D-Drucker für den kleinen Geldbeutel

Bre Pettis hat es geschafft, 11 Millionen Dollar bei Investoren einzusammeln. Der Gründer der Firma Makerbot verkauft den nach eigenen Angaben ersten massentauglichen 3-D-Drucker, beschäftigt 125 Mitarbeiter und hat kürzlich einen Laden in Manhattan eröffnet. Der Replicator 2 sei geeignet "für Ingenieure, Wissenschaftler und jeden, der einfach gerne Dinge kreiert", wirbt das Unternehmen. In der Szene gilt der 2200 Dollar teure Makerbot als das Gerät, das 3-D-Drucker mainstreamtauglich machen kann.

Rosenbaum und Silver haben über Kickstarter knapp 600.000 Dollar für Makey Makey eingesammelt, 15.000 Bestellungen gibt es schon. Ihr Antrieb? "Du musst romantisch sein", sagt Silver, "das heißt spontan, individuell und ziemlich bekloppt".

FTD