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Republic: The Revolution: Auf dem langen Weg zur Macht

Wenn ein Diktator stürzen soll - ist da jedes Mittel recht? Das fragt das Spiel "Republic: The Revolution".

Ein Computerspiel, das mit einem Tolstoi-Zitat beginnt? "Die stärksten aller Krieger sind nur zwei: Zeit und Geduld" steht da weiß auf schwarz, und das Zitat ist gut gewählt - denn Zeit und Geduld braucht jeder, der in "Republic: The Revolution" erfolgreich sein will: Da ist die Sowjetunion in autonome Staaten zerfallen, das Land Novistrana leidet unter einem korrupten Diktator. Wer ihn stürzen will - und das ist das Ziel dieser Machtsimulation -, braucht enge Verbündete, einflussreiche Freunde im Staatsapparat und viele Leute, die seine Propaganda verbreiten. Das Problem jedoch: Zu Beginn ist der Spieler völlig allein mit sich, seiner Partei und seinen Zielen. Erst muss er in der Stadt Verbündete finden, denen er trauen kann - und die seine Ideologie verstehen und vertreten.

Masse und Macht

Eine Revolution zu starten, ist schwer für einen Einzelnen, der alle Fäden in der Hand halten muss. Da hilft es, dass das Spiel nach einer Übungsphase recht leicht zu bedienen ist und behutsam komplexer wird. Zu Beginn hat der Spieler nur wenige Möglichkeiten, er darf Gefolgsleute wählen und Stadtviertel ausspähen, später können er und seine Parteimitglieder große Kundgebungen organisieren, Wände mit ihrem Logo beschmieren oder Gegner mit Gewalt umstimmen. Gegner gibt es zuhauf - ein Grund, warum der britische Spieleerfinder und Cambridge-Student Demis Hassabis die ehemalige UdSSR als Szenario gewählt hat: "Dort ist viel in Bewegung. Es gibt zum Beispiel korrupte Polizisten, das Militär, eine starke Kirche oder die Mafia", erklärt der 26-Jährige. Er hat für die Spieleentwicklung die Universität Kiew um Rat gefragt und Elias Canettis "Masse und Macht" gelesen, um das Verhalten der Novistraner zu programmieren. Jeder Einzelne verfügt über künstliche Intelligenz und vertritt seine eigenen Ansichten, jedem kann der Spieler überallhin folgen - von der Wohnung bis zum Arbeitsplatz oder ins Straßencafé.

Republic: The Revolution

Hersteller

EIDOS

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

44 Euro

"Republic: The Revolution" ist ein sehr ungewöhnliches Spiel mit einem sehr erwachsenen Thema, in dem jeder, ohne dass er danach gefragt würde, einige moralische Fragen beantworten muss: Was bin ich bereit, für Macht zu tun? Und: Will ich so skrupellos sein wie der Diktator, den ich doch genau wegen seiner Skrupellosigkeit verjagen will?

Sven Stillich / print
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