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SCHEIBE: Der Elektronik-Papier-Spagat

Schreiben Sie Ihre Notizen auf Papier oder elektronischer Organizer an? Eine Glaubensfrage, bei der beide Varianten einen Sinn ergeben. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt viele Beispiele, bei denen die Wahl zwischen Real Life und Computer falsch entschieden wurde.

Schreiben Sie Ihre Notizen auf Papier, oder vertrauen Sie Ihre Termine lieber einem elektronischen Organizer an? Eine Glaubensfrage, bei der beide Varianten einen Sinn ergeben. Das ist nicht immer der Fall. Es gibt viele Beispiele, bei der die Wahl zwischen Real Life und Computer falsch entschieden wurde.

Bücher enstehen am Computer

Letztens haben wir uns im Büro sehr gewundert. Wir schreiben gerade an einem dicken Buch zum Thema DVD. Der Text entsteht vollständig am Computer und behandelt letztlich auch ein Computerthema. Natürlich wird das Werk am Ende aller Arbeiten ganz klassisch auf Papier gedruckt und in den Buchhandel gebracht. Aber das ist ja auch erst der allerletzte Schritt in einer langen Produktionskette.

Muss auf Papier korrigiert werden?

Vorher müssen die Seiten aber noch Korrektur gelesen und gestaltet werden. Die Korrektur erfolgt selbst in unseren modernen Zeiten nicht elektronisch, sondern weiterhin auf Papier. Das Lektorat druckt dafür alle Seiten aus und schickt sie mit der Post zu demjenigen, der mit der Korrektur beauftragt ist. Der liest sich den Text - wahrscheinlich in der Küche beim Kaffee - durch und streicht alle Sinn-, Logik- oder Tippfehler mit dem Bleistift an. Nach einem alten Code der Korrekturzeichen, der dem Duden entlehnt ist, werden fehlende Kommata, zu schwammige Ausdrücke oder Buchstabendreher beanstandet. Das korrigierte Papierwerk wandert dann wieder zum Autor, also zu uns. Wir müssen dann die Korrekturen in die Originaldatei einfügen. Das dauert Stunden. Wäre es letztlich nicht besser, die Texte würden am Bildschirm Korrektur gelesen werden, damit sich die Verbesserungen gleich von demjenigen vornehmen lassen, der sie im Manuskript anmahnt? Das würde viel Hin und Her und auch den einen oder anderen Packen Papier einsparen. Doch die Buchverlage sind unerbittlich: So wird das eben gemacht.

Schokolade im Internet

Manchmal wünschen wir uns, dass der Computer häufiger genutzt wird, manchmal fassen wir uns nur an den Kopf. So sind die Überraschungseier von Ferrero jetzt mit einem papiernen Coupon ausgestattet, der den Kindern über einen aufgedruckten Code das Spielen im Internet ermöglicht. Ein virtueller Marketinggag, den meine Kinder für absolut misslungen halten. Sie wollen erst die Schokolade futtern, um dann in der nächsten Sekunde sofort etwas zu basteln, mit Aufklebern zu versehen und dann wieder zu zerstören. Alisa (3) tunkt den kleinen Zettel mit dem Internet-Code aber lieber in ihre Salatsoße und klebt ihn dann an die Blumenvase. Linus (5) fragt: »Häh, was ist das denn?« Ich erkläre ihm, dass es sich bei dem Zettel um den Zugangscode zu einem Internetspiel handelt. Linus fragt, ob wir das jetzt sofort spielen können. Ich verneine und sage, dass ich gleich am Rechner wieder arbeiten muss. »Dann will ich das auch nicht«, meint Linus und wirft den Zettel in die Schale mit der zerfetzten Alufolie. Demnächst muss man sich die Schokolade womöglich auch noch im Internet anschauen?

Komisch: Mir fallen doch glatt mehr Beispiele ein, bei denen der Computereinsatz keinen rechten Sinn macht. Vor zwei, drei Monaten war etwa David Copperfield bei uns in der Stadt. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten war ein familiärer Babysitter zur Stelle, der uns die Kurzen nachts einmal abnehmen konnte. Also besorgte ich schnell Karten von der Zaubervorstellung - natürlich im Internet. Ich war begeistert vom ganzen Prozedere. In einer dieser Ticket-Verkaufsstätten klickte ich erst auf den Event (Copperfield), dann auf die Stadt (Berlin), dann auf den Termin. Prompt wurde eine schematisierte Übersicht der Sitzplätze eingeblendet. Per Mausklick konnte ich zwei nebeneinander liegende Plätze genau in der Mitte und ziemlich nahe an der Bühne markieren. Ein paar Minuten später war die E-Mail-Bestätigung der Bestellung da, einen Tag später konnte ich bereits die Karten aus dem Briefkasten fischen: Perfekt. Die Ernüchterung kam erst am Abend: Genau zwischen den beiden reservierten Plätzen klaffte eine sechs Meter breite Treppenflucht. Meine Frau war begeistert über diesen romantischen Abend mit Anstandsabstand: »Du und dein blödes Internet«. Ich konnte dann noch zwei Singles überzeugen, mit uns die Karten zu tauschen, sodass wir wenigstens hintereinander sitzen konnten. Trotzdem ärgerte ich mich, dass die Treppe in der Internet-Übersicht der Plätze nicht eingezeichnet war.

Lesen am Bildschirm - immer noch nicht der Hit

Eine Sache, die sich am Computer ebenfalls nicht durchsetzen wird: Download-Videotheken und E-Books. Nichts ist schöner als sich mit einem dicken Taschenbuch ins Bett zu kuscheln oder das Hardcover mit dem neuen Stephen King mit an den Strand zu nehmen. Die gedruckten Buchstaben mit den Augen einzusaugen, das dünne Papier durch die Finger blättern zu lassen und die Abfolge der Eselsohren zu bestaunen, das ist schon etwas ganz Reelles. Lesen am Bildschirm hingegen ist eine reine Vergewaltigung der Sinne. Nicht umsonst lässt sich der Korrekturleser vom Verlag (siehe oben) den zu lesenden Text als Papierausdruck anreichen.

Und warum um alles in der Welt soll ich viele Euros bezahlen, um mir stundenlang einen teuren Film in mieser Auflösung aus dem Internet herunterladen, wenn die Videothek um die Ecke die passende DVD dazu im Regel zu stehen hat?

Carsten Scheibe

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.