Scheibes Kolumne Blau vor Augen


Nicht nur Stromausfälle sorgen für negative Aha-Erlebnisse am PC. Auch die legendären Abstürze mit blauem Farbeffekt zerstören regelmäßig den Nimbus vom absturzsicheren Windows XP. Wenn die Angst um die verlorenen Daten schließlich dem Frust über den totalverweigernden PC weicht, ist probate Hilfe gefragt.

Stromausfälle sind bei uns selten geworden heutzutage. Aber ab und zu kommt es trotzdem einmal vor, dass der Saft wegbleibt. Vielleicht hatte ja Homer Simpson nur einen schlechten Tag? Wenn es diesmal nicht am E-Werk lag, so vielleicht einfach an einer herausgesprungenen Sicherung. Unvergesslich bleiben dann diese Momente, wenn man gerade gemütlich vor dem Rechner sitzt, der Monitor plötzlich etwas flackert und schließlich ganz schwarz wird. Die vor Schreck ungläubig geweiteten Augen fixieren den Monitor noch für einen langen Moment regungslos, bis langsam im Hinterkopf quälende Fragen auftauchen: Ist die Arbeit der letzten Stunden etwa wirklich sang- und klanglos verloren gegangen? Wird der Rechner gleich wieder ordentlich hochfahren, oder wurde etwa die Festplatte mit den Sicherheitskopien in Mitleidenschaft gezogen?

Bange Minuten vergehen, bis der Strom endlich wieder da ist und Windows den Anwender mit der äußerst intelligenten, dabei aber nicht sehr hilfreichen Meldung begrüßt, man solle den PC beim nächsten Mal gefälligst ordnungsgemäß herunterfahren, um keinen Datenverlust zu riskieren. Danke Microsoft, dieser Hinweis hat gerade noch gefehlt!

Der elektrische Strom hält unsere technisierte und computerisierte Umgebung am Laufen. Ist die Energieversorgung schlagartig unterbrochen, wird ein Windows-PC oft genug zum Problemfall. Unzugeordneter Datenmüll bleibt auf der Festplatte zurück und vor dem Vorfall bearbeitete Daten sind weg. Wohl dem, der regelmäßig und häufig seine Projekte und Daten zwischenspeichert, möglichst auch gelegentlich unter wechselnden Dateinamen. Denn die letzte geöffnete Datei lässt sich nach derartigen Abstürzen ab und zu nicht mehr öffnen.

Wie bekommt ihn wieder hochgefahren?

Passierte das Malheur allerdings in einer für den Rechner kniffligen Situation wie der Installation von Treibern, mag Windows auch schon einmal gar nicht mehr hochfahren. Dann sollte sich der Anwender lieber mit den verschiedenen Methoden auskennen, seinen PC wieder zum Leben zu erwecken. Ansonsten muss der kundige Kollege, Freund, Verwandte oder Nachbar zur weiteren Hilfe anrücken.

Das Schlimmste ist aber, dass die geschilderten Probleme ja nicht nur auftreten, wenn der Strom ausfällt. Selbst bei dem von Microsoft als besonders absturzsicher propagierten Windows XP treten die so genannten "Blue Screens of Death" (die "Blauen Schirme des Todes") auf. Diese Abstürze erscheinen meist ohne warnende Vorzeichen. Der Bildschirm färbt sich plötzlich blau und zeigt lediglich ein paar kryptische Meldungen. Nur ein kompletter Neustart erlöst den PC aus seiner Starre. Sicherlich kommt das bei Windows XP erfreulicherweise seltener vor als bei älteren Windows-Versionen. Doch der Daten-GAU trifft den sich in trügerischer Sicherheit wiegenden Anwender dann besonders hart. Seine Stimmung beim anschließenden Bootvorgang ist jedenfalls etwas gedämpfter als üblich. Schließlich schlägt die Stimmung unwillkürlich in nervöse Erwartung um: Was mag wohl betroffen, was zu retten sein?

Wer ist schuld?

Kann man Windows überhaupt einen Vorwurf machen? Der Ausfall des Stromes kommt doch nun wirklich äußerst selten vor. Das ist doch beinahe höhere Gewalt, die mit aller Macht über den armen, nichts ahnenden PC hereinbricht. Und die Abstürze sind ganz sicher durch irgendwelche quer schießende, schlecht programmierte Software, marode Treiber oder gar durch böswillige Viren verursacht.

Sicher, das mag stimmen. Trotzdem möchte man in einer solchen Situation wohl doch eher nicht unter dem Skalpell eines computerunterstützten Chirurgen liegen, sich einer Laser-Operation am Auge unterziehen oder an Bord von sturmgeschüttelten Flugzeugen oder Schiffen sein, die sich auf die professionelle Sicherheit von Windows XP-betriebenen PCs verlassen. Vielleicht sind die Beispiele nicht besonders passend. Das Microsoft-Betriebssystem ist schließlich nicht für jede Spezialanwendung geschaffen.

Doch auch dem gerade nicht in akuter Lebensgefahr schwebenden Anwender ist mit solchen Aussagen wenig geholfen. Selbst wenn nicht die eigene Gesundheit davon abhängt, ist es für ihn essentiell wichtig, keine Daten zu verlieren. Wertvoll ist auch die Zeit, die er benötigt, um den Rechner wieder fit zu machen. Das Betriebssystem mag nicht die Ursache für all diese Probleme sein, aber es sollte Abstürze besser abfangen und den Anwender nie zwingen, den Reset- oder Ausschalter des PCs zu betätigen, um weiterzukommen. Wenn der Computer gar nicht mehr will, ist dem normalen Benutzer die komplizierte und in den Möglichkeiten arg eingeschränkte Wiederherstellungkonsole nicht zuzumuten.

Windows auf CD kann helfen

Dass sich derlei Probleme zumindest im Nachhinein besser angehen lassen, zeigt "Nu2" mit dem kostenlosen "PE Builder". Das kleine Programm generiert aus einer bestehenden Windows XP-Installation oder aus der Installations-CD ein bootfähiges Windows-Image zum Brennen auf CD. Damit startet der Rechner bei Problemen Windows XP nun auch direkt von CD, selbst wenn der PC nicht mehr von der Festplatte bootet. Anschließend lassen sich bequem Daten kopieren, INI-Skripte bearbeiten und selbst NTFS-Dateien sichern.

Microsoft ist pikiert. Das Unternehmen würde dagegen wohl gerne vorgehen, hat aber offenbar nichts in der Hand. Dabei lieferte Microsoft mit dem für System-Administratoren gedachten, ansonsten vorher kaum bekannten und streng geschützten "Windows PE" den Denkanstoß für "PE Builder". Selbst wenn rechtliche Schritte möglich wären: Eine eigene, ähnlich leistungsfähige und benutzerfreundliche Lösung ist der elegantere Weg, die Anwender bei Problemen wieder für sich zu gewinnen.

Eine Glosse von Gregor Franz, Typemania (Urlaubsvertretung für Carsten Scheibe)


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