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Scheibes Kolumne: Total Ebay-süchtig

Stern.de-Kolumnist Scheibe kribbelt es in den Fingern. Er muss unbedingt etwas bei Ebay verkaufen. Denn für ihn ist zurzeit nichts spannender, als dabei zuzusehen, wie sich interessierte Bieter um Kopf und Kragen klicken.

Das Online-Auktionshaus Ebay ist eine Sache für sich. Entweder hasst man den Laden inbrünstig. Oder man bekennt sich zu seiner Sucht. Ich habe Ebay erst mit jeder Faser meines Körpers abgelehnt, jetzt komme ich nicht mehr ohne den schnellen Einkauf per Mausklick aus. In den letzten Wochen und Monaten habe ich fast die Hälfte meiner Einkäufe direkt über Ebay getätigt. Elf Kino Spülmaschinentabs, alle meine Halstücher, 50 Paar schwarze Business-Socken, dazu auch noch acht Stäbe Glücksbambus, weil die Zahl acht nach den Gesetzen des Feng Shui Glück bringen soll. Findet-Nemo-Aufkleber für die Kinder, ein Herr-der-Ringe-Plakat für mich. Neue Turnschuhe habe ich bei Ebay ersteigert, mehrere hundert Leuchtstäbe für die Parties in der Schule meines Ältesten, dann natürlich auch noch nagelneue DVDs zum halben Preis - alles originalverpackt. Die ganze Bude steht voller Ebay-Kram. Inzwischen sagt selbst meine Frau, ich solle doch mal bei Ebay nachschauen, ob es da nicht dieses oder jenes günstiger gebe. Ich verschweige ihr, dass die Gebühren fürs Porto oft jeden Preisvorteil gleich wieder zunichte machen. Es macht eben einfach zu viel Spaß, das letzte Gebot abzugeben und eine hart umkämpfte Auktion für sich zu entscheiden. Zähneknirschend füge ich mich dabei auch dem Schiedsspruch meiner Frau: Keine elf Kilo Somat-Tabs mehr. Es habe sie schließlich Monate gekostet, die bröckeligen Dinger zu verbrauchen. Und sie habe in der Waschküche einfach keinen Platz mehr, um noch mehr Waschmittelpakete zu stapeln.

Keine elf Kilo Tabs mehr... aber vielleicht 20 Kilo Waschmittel?

Nun gut, dann eben keine elf Kilo Tabs mehr. Obwohl ich gerade gesehen habe, dass jemand bei Ebay zwei 10-Kilo-Eimer Waschmittel versteigert. Und das zu einem Preis, der inklusive Porto weit unter dem Originalpreis liegt. Egal, ich hab's versprochen. Außerdem habe ich gerade eine neue Passion entdeckt. Ich bin selbst zum Verkäufer aufgestiegen. Zu blöd: Nach der Anmeldung musste ich zwei Tage lang warten, bis ich einen Brief mit einem Bestätigungscode erhalten habe. Nun denn, die zwei Tage sind auch vorübergegangen. In der Zwischenzeit habe ich einen ausrangierten Sitzsack der Kinder und einen Bollerwagen der Kinder fotografiert und im "Ebay Turbo Lister" eine Beschreibung ins vorgegebene Layout gehackt. Ein Mausklick reicht aus und schon steht die Auktion im Internet. Obwohl die Aktion läuft, bin ich schwer neugierig. Schon wenig später schaue ich im Internet nach. Der Counter zeigt an, dass sich bereits ein paar Dutzend Leute das Angebot angesehen haben. Eine Stunde später ist der Sitzsack weg. Gut, dass ich einen Sofort-Kaufen-Preis mit angegeben habe. Für zehn Euro plus Porto geht der Sitzsack weg. Klar, der ist ja auch noch so gut wie neu. Aber eigentlich wollten wir ihn verschenken. So verdienen wir noch etwas dran.

Kulanz macht glücklich

Beim Bollerwagen "prügeln" sich gleich zwei Leute um das Angebot und überbieten sich immer wieder gegenseitig. Typischer Anfängerfehler; Profis warten bis zum Ende der Auktion, um ihr Gebot abzugeben. So habe ich aber Glück und der Holzwagen geht am Ende für knapp 20 Euro weg. Zu dumm: Erst nach dem Kauf stellt der Käufer fest, dass ich den Bollerwagen zum "selbst abholen" deklariert habe. Da er in Bayern sitzt und ich gleich bei Berlin, gibt es ein Problem. Ich entbinde ihn kurzerhand vom Kaufvertrag. Das kann ich mir leisten, weil mich inzwischen jemand aus Berlin angemailt hat. Die Frau erzählte mir in ihrer Mail, dass sie den Bollerwagen so gerne erstanden hätte. Nur sei ihr leider in der letzten Minute der Rechner abgestürzt. Kein Problem: Ich biete ihr den Wagen zum Preis des anderen Bieters an. Eine Woche später wird er bereits abgeholt und wir haben endlich wieder mehr Platz im Keller.

Immer mit der Ruhe

Ich lerne aber auch, dass die Ebay-Bieter sehr ungeduldig sein können. Ein großer Fehler war es etwa, meine VHS-Videosammlung aufzulösen und über Ebay zu vertickern. Die Pakete mit jeweils sechs bis sieben Filmen gingen zum Teil für nur einen Euro über den Tisch. In der Folge war die Auktion ein echtes Verlustgeschäft. Trotzdem verschickten wir die Pakete gleich nach dem Eingang des Geldes auf dem Konto. Die Päckchen waren noch nicht bei der Post, da regnete es bereits E-Mails von den Käufern, wo denn bitte schön ihre Videos bleiben. Nur einen Tag später wurde ich per Mail aufgefordert, doch bitte schön endlich eine Bewertung abzugeben. Nun aber mal halblang: Neben dem Ebay-Handel habe ich in meinem Leben auch noch zwei, drei andere Dinge zu tun. Trotzdem liebäugle ich bereits damit, meinen alten Bürostuhl bei Ebay anzubieten. Und die alten Zeitschriftenständer. Linus ausrangierte Pokémon-Karten. Und. Und. Und.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, www.typemania.de

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