Serie Silent-PC Gehirntransplantation


Auf dem Weg zum leisen Computer müssen nun Hauptprozessor, Mainboard und Arbeitsspeicher eingebaut werden. Folge drei der Serie über den Selbstbau eines Silent-PC.

Der Hauptprozessor (engl. Abk. "CPU") ist das Herz des Computers. Hier werkeln auf engstem Raum Millionen von Transistoren. Bei ihrer Arbeit verbrauchen sie eine Menge Strom - in Extremfällen über 100 Watt. Dabei produzieren sie nicht nur Computerleistung, sondern auch eine ganze Menge Abwärme. Je stärker der Hauptprozessor belastet wird, umso mehr Wärme gibt er auch ab. Dies ist einer der neuralgischen Punkte des Computers. Denn wird die CPU nicht gut gekühlt, ist sie bald defekt.

Wir wählen einen Athlon
Unsere Wahl fällt aus mehreren Gründen auf einen AMD Athlon XP 2500+ mit Barton-Kern und dem so genannten AQZEA-Stepping. Der Prozessor bietet eine gute Mittelklasseleistung zu einem sehr günstigen Preis. Der kleine Schriftzug AQZEA auf der CPU deutet aber auf einen zusätzlichen Clou hin: Ein sehr einfaches Übertakten ist möglich, ohne jede Hardwarebastelei und mit kaum erhöhtem Risiko für die Lebensdauer der Prozessors. Es genügt, einen Wert im BIOS des Mainboards zu verstellen und die CPU läuft als Athlon XP 3200+. Die Preisersparnis ist enorm, da der nominelle XP 3200+ das Zwei- bis Zweieinhalbfache kostet.

AMD Athlon XP 2500+ (Barton / AQZEA)

Hersteller

Advanced Micro Devices, Inc.

Link

www.amd.de

Preis

ca. 90 Euro

Bemerkenswert ist, dass der Athlon XP 2500+ mit dem neuen Barton-Kern gegenüber seinen älteren Geschwistern mit Thoroughbred-Kern schon von Hause aus eher unter seinen Möglichkeiten betrieben und daher als XP 3200+ kaum überfordert wird. Auch bei uns macht er in diesem Modus nicht die geringsten Probleme. Eine Garantie für den Erfolg dieser Lösung unter allen Bedingungen können wir natürlich trotzdem nicht geben. Außerdem wird es zunehmend schwierig, Exemplare der Produktionscharge zu ergattern. Unser Muster etwa wurde vom Handel aus Osteuropa importiert, wie sich dem Garantieaufkleber entnehmen lässt. Allerdings klappt der Trick auch mit diversen anderen Chargen.

Die Hauptplatine

Die Hauptplatine (engl. Mainboard oder Motherboard) ist die Schnittstelle aller Computerkomponenten und das eigentliche Nervenzentrum des Rechners. Die späteren Eigenschaften des Computers, seine Ausstattung und Geschwindigkeit, hängen entscheidend von dem verwendeten Mainboard ab.

Für Athlon XP-Prozessoren ist das Asus A7N8X Deluxe Rev. 2 eine sehr gute Wahl. Es bietet hohe Leistung und umfangreiche Ausstattung zu einem akzeptablen Preis. Das Mainboard basiert auf dem nForce2 Ultra 400-Chipsatz und verträgt einen FSB-Takt von bis zu 400 MHz, wodurch sich auch die schnellsten Athlon XP-Prozessoren betreiben lassen.

Mit Onboard-Sound und Netzwerkanschlüssen
Im Asus-Board wurden viele sinnvolle Merkmale integriert, die über den normalen Standard hinausgehen. So ist 6-Kanal- sowie Dolby Digital-Sound inklusive aller erforderlichen Verbindungsbuchsen bereits auf dem Board enthalten. Dazu gesellen sich zwei 10/100 MBit-Netzwerkanschlüsse. Das spart bereits drei Steckkarten ein. Wer trotzdem zusätzliche Erweiterungskarten einbauen möchte, der greift auf die fünf PCI-Steckplätze zurück, die neben dem AGP-Port vorhanden sind. Außer zwei IDE ATA 133-Schnittstellen finden sich zwei SATA-Steckplätze auf der Platine, so dass sich auch die zukünftig leistungsfähigeren Festplatten problemlos anschließen lassen.

Asus A7N8X Deluxe Rev. 2

Hersteller

Asus Computer GmbH

Link

www.asuscom.de

Preis

ca. 100 Euro

Regelt die Prozessorlüftung nach Bedarf
Für unseren Silent-PC sind mehrere Eigenschaften der Asus-Hauptplatine besonders wichtig. So wird sie lediglich durch einen passiven Kühlkörper gekühlt und verzichtet auf einen Lüfter, was die Geräusche reduziert. Die Q-Fan-Funktion regelt den mit dem Board verbundenen CPU-Lüfter abhängig von der Hauptprozessor-Temperatur. Das heißt, je kühler die CPU ist, desto langsamer läuft der Prozessorlüfter und desto geringer bleibt die Geräuschentwicklung. Sollte die CPU unbemerkt einmal gefährlich heiß werden, greift die C.O.P.-Funktion des Mainboards ein und schaltet ihn einfach ab, bevor er zerstört wird.

Neben dem ausführlichen englischsprachigen Handbuch und einer Schnellreferenzkarte, enthält die gut gefüllte Packung auch ein "Quick Setup Guide" in mehreren Sprachen, darunter Deutsch. Der Guide ist eine Kurzanleitung, die den Einbau der Platine in das Computergehäuse und ihren Anschluss an vorhandene Peripherie beschreibt.

Ein Tipp
Beim Berühren elektronischer Bauteile besteht die Gefahr, sie durch elektrostatische Aufladungen zu zerstören. Fassen Sie daher zuvor das Computergehäuse oder das Netzteilgehäuse an, um eventuelle statische Ladungen abzuleiten.

Dank der Kurzanleitung geht der Einbau des Mainboards einfach vonstatten. Nach dem Verschrauben der Platine in das Gehäuse und dem Einpassen des Hauptanschlussfeldes in die vorgesehene Position, müssen wir für einige Feinheiten dann doch das Handbuch zu Rate ziehen. Wir schauen, wo genau das Tachosignalkabels von unserem MR Fortron-Netzteil anzuschließen ist, das die Drehzahl des eingebauten Ventilators weitermeldet.

Der Casetek-Tower bietet an seiner Rückseite sieben Slot-Aussparungen für Anschlüsse von Erweiterungskarten und vom Mainboard. Die Asus-Platine liefert einige zusätzliche Slot-Blenden mit, so dass Überlegungen zum sinnvollen Belegen der vorhandenen Plätze angebracht sind. Ein ungünstiges Positionieren der Blenden blockiert PCI-Steckplätze. Wer auf einige optionale Anschlüsse verzichten kann, hat später die Möglichkeit mehr Steckkarten nachzurüsten.

Für unseren Silent-PC nutzen wir aber alle mitgelieferten Slot-Blenden. Die oberen drei lassen wir frei, die vierte wird mit der Firewire-Blende bestückt. Damit stehen zwei Firewire-Anschlüsse in den beiden üblichen Buchsenausführungen bereit. Die fünfte Blende bleibt nur durch das vorhandene Blech belegt. Die sechste Slot-Blende versehen wir mit dem MIDI-/Gameport-Anschluss und den beiden zusätzlichen USB 2.0-Buchsen. Zusammen mit den vier USB 2.0-Buchsen im Hauptanschlussbereich des Mainboards lassen sich also sechs USB-Geräte direkt ohne Erweiterungs-Hub betreiben. Die letzte Slot-Position wird durch einen zusätzlichen seriellen Port eingenommen.

Einbau des Hauptprozessors

Nun folgt der Einbau des Athlon XP 2500+ in das Mainboard. Dazu lösen wir einfach den Fixierhebel und setzen den Hauptprozessor mit seinen vielen kleinen Beinchen vorsichtig in die vorgesehene Aussparung. Er passt nur auf eine Weise hinein. Danach schließen wir den Fixierhebel wieder. Fertig.

Der CPU-Lüfter

Die CPU lässt sich nur mit einem passenden Kühler einsetzen. Die Kühlleistung des eingesetzten Modells entscheidet über Absturzsicherheit und Lebensdauer des Hauptprozessors. Die Qualität des Lüfters über die Lautstärke.

Wir greifen auf ein Modell der Premiumklasse, den ichbinleise Cooler 821A von MR Computertechnik, zurück. Als Kühlkörper dient bei diesem Modell ein SLK 900 A von Thermalright, der Wärme besonders effektiv ableitet. Auf ihm sitzt schwingungsgedämpft ein leiser 80 Millimeter-Lüfter von Papst. Den ichbinleise Cooler gibt es als Variante mit Schraubbefestigung oder mit einer Sechspunkt-Klammerbefestigung. Das Asus-Mainboard würde mit seinen vorhandenen Bohrlöchern die Verschraubung des Kühlkörpers zulassen. Trotzdem entscheiden wir uns, der einfachen und schnellen Montage wegen, für den Klammerverschluss.

ichbinleise Cooler 821A

Hersteller

MR Computertechnik GmbH

Link

www.ichbinleise.de

Preis

ca. 65 Euro

Wärmeleitpaste nicht vergessen
Bevor die glatte Unterseite des Kühlers auf den Prozessor gesetzt wird, ist es wichtig, Leitpaste auf die Kontaktfläche der CPU aufzutragen. Sie gleicht mikroskopische Unebenheiten auf der eigentlich planen Fläche aus und stellt den direkten Kontakt her. Im Lieferumfang des ichbinleise Coolers ist eine Standard-Leitpaste enthalten. Eine Spitzenleitpaste kann die Wärme aber besser übertragen und bei der Kühlleistung einen Unterschied von einigen Grad ausmachen. Daher setzen wir auf die bekannte und bewährte Arctic Silver III-Paste.

Dank der Klammern lässt sich der CPU-Kühler auf Anhieb problemlos aufsetzen und fixieren. Mit insgesamt 650 Gramm ist der Kühler nicht eben ein Leichtgewicht. Beim PC-Transport ist also größere Vorsicht geboten, als üblich, damit kein Malheur passiert.

Der Arbeitsspeicher

Für die Leistung des Computers sorgen nicht nur Faktoren wie die Geschwindigkeit des Hauptprozessors, sondern auch die Qualität und Menge des eingesetzten Arbeitsspeichers (engl. Abk. ‚RAM’).

Wir setzen zwei DDR-SDRAM 400 CL3-Markenmodule á 512 MByte von takeMS ein. takeMS ist eine Eigenmarke des deutschen Unternehmens MemorySolutioN, das eine breite Palette standardkonformen Speichers produziert und darauf zehn Jahre Garantie gewährt. DDR400-Arbeitsspeicher ist wichtig, um auch zusammen mit schnellen Athlon XP-Prozessoren die volle Geschwindigkeit zu erreichen.

takeMS DDR-SDRAM 400 CL3 á 512MB

Hersteller

MemorySolutioN GmbH

Link

memorysolution.de

Preis

ca. 85 Euro/512 MB

Auf der Asus-Hauptplatine stehen drei Steckplätze für Speicher zur Verfügung, die sich mit insgesamt bis zu drei Gigabyte Speicher belegen lassen. Unsere beiden Module stecken wir in die beiden blau gekennzeichneten Speichersteckplätze 2 und 3, bis die Befestigungsklammern automatisch einrasten. Diese Positionen sind bei der Belegung der Speicherplätze wichtig, um das Dual-Channel-Merkmal des Mainboards zu nutzen. Durch nahezu verdoppelten Speicherdurchsatz steigt so die Arbeitsgeschwindigkeit des PCs. Voraussetzung für Dual-Channel ist der Einsatz zweier, möglichst identischer, RAM-Module.

Wenn Sie Windows 98 oder ME verwenden möchten, sollten Sie beachten, dass bei Einsatz von einem Gigabyte Arbeitsspeicher Probleme auftreten können.

<a class="link--external" href="mailto:gregorfranz@typemania.de">Gregor Franz</a>

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