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Sicherheitssoftware: Gratiskultur lässt Virenschützer kalt

Trotz kostenfreier Antivirenprogramme erweist sich der Markt für Sicherheitssoftware als robust. Auch durch Microsofts neue Gratissoftware für Privatnutzer sehen Rivalen kaum Konsequenzen für kommerzielle Produkte.

Von Martin Ottomeier

"Kostenlose Antivirenprogramme gibt es schon länger, daher erwarten wir auch durch Microsofts Security Essentials keine Auswirkungen auf unser Geschäft", sagte eine Sprecherin des Marktführers Symantec. Vergangene Woche hatte Microsoft das Produkt veröffentlicht.

Sicherheitssoftware gilt als wichtiger Wachstumsmarkt. Unternehmen und Privatanwender schützen sich damit vor Schadprogrammen wie Viren und Bedrohungen aus dem Internet. Trotz Wirtschaftskrise geht das IT-Marktforschungsunternehmen Gartner für das laufende Jahr von einem Anstieg des Branchenumsatzes um rund acht Prozent auf weltweit 14,5 Milliarden US-Dollar aus. Im Vorjahr wuchs der Markt um fast 19 Prozent. Rund ein Viertel davon entfällt auf Produkte für Privatkunden. Dieses Segment soll um vier Prozent zulegen. Sicherheit sei ein entscheidender Bereich, in dem man sich keine drastischen Ausgabenkürzungen erlauben könne, sagte Gartner-Analyst Ruggero Contu.

Kostenfreie Antivirenprogramme zielen mit ihren begrenzten Möglichkeiten in erster Linie auf Privatanwender. Firmenkunden legen in der Regel großen Wert auf umfassende Funktionen und guten Service, wie sie kommerzielle Produkte bieten. Größe und Wachstum des Marktes zeigten jedoch, dass auch Privatkunden oft bereit sind, für mehr Sicherheit zu zahlen, sagte Contu.

"Viren sind nicht das einzige Problem"

"Viren sind eines von vielen Sicherheitsproblemen, denen sich Endkunden gegenübersehen, und Antivirensoftware allein löst nicht alle", sagte Dave DeWalt, Chef des weltweit zweitgrößten Sicherheitssoftwareherstellers McAfee. "Die meisten Angriffe kommen heute aus dem Internet und zielen auf persönliche Daten der Anwender - davor schützen einfache Virenscanner nicht", sagte die Symantec-Sprecherin.

Schon seit einiger Zeit gibt es kostenfreie Programme, etwa von kleineren Herstellern wie Avira und AVG. Die Anbieter spekulieren auf eine größere Bekanntheit, die den Verkauf kostenpflichtiger Pakete mit mehr Funktionen ankurbeln soll. "Wir profitieren vor allem auch im Unternehmenskundengeschäft von der Bekanntheit durch die Verbreitung unserer kostenfreien Software", sagte Gerald Hahn, Deutschlandchef von AVG.

Akzeptanz von Antivirenprogrammen erhöhen

Microsoft will mit der Gratislösung die Akzeptanz von Antivirenprogrammen erhöhen. So sei etwa in Schwellenländern die Bereitschaft gering, für PC-Schutz zu bezahlen, erklärte das Unternehmen. Mit einem Marktanteil von über 90 Prozent ist Microsofts Windows das weltweit am weitesten verbreitete PC-Betriebssystem. Es ist daher bevorzugtes Ziel von Angreifern, was ihm den Ruf eingebracht hat, besonders unsicher zu sein.

Das Geschäft mit Sicherheitssoftware wird beherrscht von Spezialisten. Marktführer ist Symantec. Der US-Anbieter dominiert vor allem auch das Geschäft mit Privatkunden. In den vergangenen Jahren haben die Hersteller ihre Angebote erweitert und mit Zusatzprogrammen ausgestattet. So bieten sie heute oft auch Pakete, die Werkzeuge für Datensicherung und PC-Optimierung enthalten.

Microsoft hatte Ende vergangenen Jahres die Einstellung seiner kommerziellen Sicherheitssoftware Onecare für Privatanwender sowie die kostenlose Nachfolgesoftware angekündigt - zwei Jahre nach dem Einstieg in das Geschäft mit Sicherheitssoftware für Privatkunden. Dem Konzern war es nicht gelungen, den etablierten Anbietern Konkurrenz zu machen, 2008 kam er auf einen Anteil von nur 1,1 Prozent am Privatkundenmarkt. Bei Firmenkunden ist Microsoft mit seinen Produkten wie Forefront aber weiter vertreten. Security Essentials basiert auf der Forefront-Technik.

FTD