Kolumne - Neulich im Netz Die Welt: ein Parkplatz


Vastu ist indisch und heißt so viel wie "schöner wohnen". Vastu ist aber auch ein belgischer Superheld in einem knallgelben Kostüm auf einer fliegenden Vespa. Und sein Lieblingshund heißt Lassi und schmeckt je nach Bestellung nach Mango oder Papaya.

Vastu ist indisch und heißt so viel wie "schöner wohnen". Vastu ist aber auch ein belgischer Superheld in einem knallgelben Kostüm auf einer fliegenden Vespa. Und sein Lieblingshund heißt Lassi und schmeckt je nach Bestellung nach Mango oder Papaya.

Wohlsein. Vastu ist Feng Shui ohne chinesisch, meint aber prinzipiell dasselbe. Stell Schränke dahin, wo du sie brauchst, und mach dasselbe mit dem Bett. Bett in der Gästetoilette: Das bringt schlechte Energien und hindert den Drachen am akkuraten durch die Wohnung segeln. Und wer seinen Müll im Nordwesten statt im Südosten parkt oder umgekehrt, muss Donnerstagmittags hungern, damit die Energie nicht hinten raus flutscht.

Im Internet existieren unzählige Angebote mit Informationen so oder so ähnlich, die als ganzheitliche Heilsbringer aus dem Osten auf den Westen schimpfen. Und dabei nichts anderes als Staubsauger mit Wasserfilter verkaufen. Esoterisch verbrämter Budenzauber, bei dem anschließend die Saugerkugel randvoll mit staubgeschwängertem Brackwasser ist. Weswegen jeder vernünftige Erdenbürger vor allem eines bleiben sollte, nämlich gesund, um weder der einen noch der anderen Fraktion in die Hände zu fallen.

Eine Geißel der Menschheit

Aktive Lebenshilfe ist selten, lässt sich aber dennoch finden im weltweiten Web. Autofahren ist für viele Menschen ja eine rechte Geißel, weil der Kordhut beim Bremsen das Blickfeld so einengt und Angstschweiß nur unzureichend im Zaum hält. Besonders, wenn es wirklich ans Limit geht: Beim Einparken. Eine Spielwiese für Schicksale jenseits vordergründiger Häme. Echte Männer, den Tränen nahe, weil sie ihr kleines Dingsda nicht in die riesige Lücke bringen. Aber auch Frauen, die weder von Größe noch Länge einen Schimmer haben und Werkstätten so erst ihre Existenzberechtigung geben. Umso wichtiger jene Seite, die aktive Hilfe leistet. Ja, man möchte fast sagen pro-aktive Hilfe, wäre das Wort nicht so außerirdisch sinnfrei, weswegen man seinem Schöpfer nur Niederträchtiges, vor allem aber eine bestandene Gesellenprüfung als Bankkaufmannsgesell an einem maroden Finanzplatz wünschen mag.

Pasta statt Parken

Zurück zum Parken: Hier überrascht es nicht sonderlich, dass sämtliche Teilnehmer kapiert haben, um was es geht. Nur der Italiener nicht. Waren es in Jim Jarmuschs "Down By Law" noch Roberto Begnini und Roberto Begnini in Roberto Begninis "Il Piccolo diavolo", so ist es hier nun Giulio aus Mailand, der nur die Hälfte versteht und das mit den Autos nicht so ganz auf die Reihe bekommt. Sieht trotzdem gut aus und regt obendrein zum Nachdenken an. Oder auch nicht. Egal, Hauptsache, der Italiener an und für sich verliert nie sein Faible für fantasievolle Pasta. Da isst, ist (und bleibt) er dem Bundesbürger einfach voraus. Mehlschmorschwitze hin oder her.

Aber wer hat denn überhaupt noch Zeit für aufwändige Bratengerichte? Oder will diese noch haben oder opfern? Heutzutage muss ja alles convenient sein. Tüte aufreißen, Zeugs reinschütten oder heiß machen, Tablette gegen vorzeitiges Erbrechen, und irgendwie wird es schon im Magen bleiben. Notfalls eine von diesen asiatischen Vitaminkapseln geschluckt. Schmecken fies, sind dafür aber wenigstens sündhaft teuer und geben ein gesundes Gefühl. Und wer sie regelmäßig kauft, kommt in den Feng-Shui-Himmel.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Thomas Hirschbiegel</a> DPA

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