Kolumne - Neulich im Netz Hellas: dmmv jetzt BVDW


Auch jenseits der sportlichen Großereignisse geschehen Wunder und Zeichen. Neuester Beleg: Der dmmv hat sich umbenannt und heißt jetzt BVDW. Der wer?

dmmv, das stand für Deutscher Multimedia Verband. Gegründet 1995 und nach eigener Darstellung "binnen kürzester Zeit mitgliederstärkste Vertretung für Software, Multimedia-Dienstleister und Internet-Unternehmen in Europa". Ja, Multimedia. Schöne neue Welt, alles bunt und prächtig wie die Konten der Kreativen, die mit einem Mal aus dem Nichts auftauchten und Zukunft spielten. Mittendrin: der dmmv, der in bester Verbandstradition am Aufschwung teilhaben wollte durch Förderung Multimediaverbandswesens.

Damals an der Spitze der Bewegung: Alexander Felsenberg, Namensgeber, Gründungsmitglied und so eine Art Lordsiegelbewahrer neudeutschen Tiefsinns. Beispielsweise zur Zukunft kostenpflichtiger Inhalte im Netz: Pauschal sei das nicht zu beantworten. Aber: Es werde sicher Angebote geben, in denen sich Abrechnungsmodelle durchsetzen könnten. Und: Es werde wohl auch solche geben, die weniger rentabel sein werden.

Der Tellerrand, so weit...

Unvergessen auch sein Ausblick über den Tellerrand des laufenden Jahres hinaus. Schließlich, so der Schellenbaumträger teutonischer Multimedialität, sei "das Ende des Jahres der Anfang eines neuen Jahres". Alexander Felsenberg steht heutzutage nicht mehr ganz vorn, dabei ist er aber immer noch und zwar als Geschäftsführer des Verbands, der sich als einziger Führungsspieler der Truppe in der hohen Kunst der Selbstdarstellung übt. Sehenswert: Die Fotos vom Exboss. Da stimmt einfach alles.

Das meint auch Felsenberg mehr oder weniger so zum neuen Verbandsnamen. Schon den "Umbenennungsprozess" anlässlich der zwölften Mitgliederversammlung verfolgte er "durchaus mit Genugtuung", heißt es in der dazu gehörenden Pressemitteilung. "Der Verband", wird er zitiert, "hat Nachhaltigkeit bewiesen. Der neue Name spiegelt das hervorragend wider." Hilfe, lieber Duden. "Nachhaltigkeit, die: ein forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann." Der neue Verband, ein Nadelwald oder gar ein Obstbaumhain? Oder doch nur ein schnell ins Kraut schießendes Biotop? Wohl nur Felsenberg selbst weiß, was Felsenberg meinte. Philosophisches gar?

Weg mit "Multimedia"

Letzten Endes wohl egal. Weswegen der aktuelle Verbandspräsident Groth klärend dazwischenfährt: "Der Begriff Multimedia greift viel zu kurz. Das Bild unserer Branche ist heute weitaus vielschichtiger." Und: "Die Verbandsführung hatte mehrfach Signale aus der Branche erhalten, dass der richtige Zeitpunkt für einen neuen Namen gekommen ist." Weshalb der Multimediaverband das "Multimedia" aus seinem Namen strich und sich nun Bundesverband Digitale Wirtschaft nennt. Was gleich seriöser klingt. Noch wichtiger aber: das "umfangreiche Redesign der Kommunikations- und Werbemittel". Das begann schon vor einigen Monaten und gestattet so selbst den begriffsstutzigsten unter den beitragszahlenden Verbandsmitgliedern, das mit dem neuen Namen und so rechtzeitig nicht mehr zu verwechseln. "Wir sind sicher, dass wir so den Bedürfnissen der langjährigen Mitglieder nach Identifikation und Vertrautheit gerecht werden", sagt Pressesprecher Salzig.

Neu ist nun nur noch das Logo. Links oben auf der gelbweißgoldgrauen Website und kaum zu entziffern. Wie gehabt also.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Thomas Hirschbiegel</a>

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