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Kolumne - Neulich im Netz: Lasst Palmwedel regnen: Der Retter des Internet

Deutschland im Herbst. Die Wirtschaft: unten. Die Republik: paralysiert. Die ganze Republik? Nein, im süddeutschen Biberach versteht ein Unternehmer etwas vom Internet und verschickt knapp 6.000 Briefe.

Deutschland im Herbst. Die Wirtschaft: unten. Die Stimmung: dito. Die Republik: paralysiert. Die ganze Republik? Nein, im süddeutschen Biberach versteht ein Unternehmer etwas vom Internet und verschickt knapp 6.000 Briefe.

Michael Hermann weiß, was er tut. Denn er hat ein Patent. Ein europäisches. Das weist ihn als Patentinhaber aus. Für eine Software, die Autokennzeichen aus Internetadressen herausliest. Das ist kein Schwachsinn, sondern bares Geld wert. Und deshalb die Briefe: Rund 1.100 Euro Strafe für jeden, der verbotenerweise Autokennzeichen in seiner Internetadresse verwendet. Zack. Wer nicht zahlt, soll richtig zahlen. Und so werden aus 1.100 schnell 20.000 Euro. Und zwar 6.000 Mal. Michael Hermann packt es an. Ein toller Typ.

Doch Hermann hat Feinde. Menschen, die ihm den Erfolg nicht gönnen. Das wundert nicht, denn Deutschland ist die Heimat des Neids. Überall war er und hat angeklopft, der Neid. Keiner wollte ihn haben. Da blieb er halt hier. Und nun das: Hermann wird beschimpft und verklagt. Eine Unverschämtheit. Da sorgt ein Unternehmer endlich einmal für Furore, und schon ist es einigen Herrschaften wieder nicht recht. Typisch deutsch eben.

Kerle wie er finden immer Advokaten

Aber Hermann gibt nicht auf und will das durchziehen. Auch wenn sein Anwalt das Handtuch geworfen hat. Egal, Kerle wie er finden immer wieder Advokaten. Und so kämpft Hermann mit neuer Mannschaft weiter um sein Recht. Ein Recht, von dem einige Zeitgenossen meinen, es existiere gar nicht. Unfug, über den man trefflich streiten kann. Wenn nicht die Zeit drängen würde. Denn anders als diverse Staatsanwaltschaften hierzulande weiß Hermann, dass es eigentlich um etwas viel Wichtigeres geht: Nämlich um nicht mehr und nicht weniger als die RETTUNG DES INTERNET.

Wie genau die Rettung des Internet durch Michael Hermann aussehen wird, ist derzeit für Außenstehende noch nicht ganz klar. Für ihn hingegen weitgehend schon. Das vorrangige Ziel: Sicherheit schaffen. Und zwar prinzipiell so: Wer nach Zahlung der rund 1.100 Euro seine Autokennzeichenbeinhaltende Internetadresse weiterhin verwenden will, soll das auch tun können. Beispielsweise durch eine entsprechende Lizenz. Die gibt es bei Michael Hermann, den der Papst vielleicht schon morgen zum Schutzheiligen der digitalen Datenautobahn ernennen könnte.

Thomas Hirschbiegel
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