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Kolumne - Neulich im Netz: So ein Zirkus: Jerry Lewis' Cousine

Das, was hier niedergeschrieben steht, hat sich tatsächlich so zugetragen. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder Firmen ist nicht beabsichtigt - und dennoch: Genau so war es. Der Einfachheit halber nennen wir es eine Begebenheit mit der Firma Burnout.

Das schicke Testgerät war kaum drei Tage bestellt, da stand auch schon der strahlende Herr von der Deutschen Post in der Tür. Super-Service. Das freut den PC-Redakteur, der allzu oft von den Kollegen an der PR-Front geknechtet wird. Damit das Auspacken noch schöner wird, wartet der ungeduldige Tester - nur noch einmal schlafen, dann ist der Tag des halbtransparenten DVD-Brenners gekommen.

Nervös schlitzt sich das alte Blechmesser durch den aufwändig verklebten Karton. Ganz so einfach wollen die es einem wohl nicht machen. Ohne Fleiß kein Preis, am Ende des Regenbogens steht ein Topf voll Gold und was einem sonst noch Motivierendes einfällt, wenn beruflich die Sonne scheint. Verpackung weg - zwei leere Schachteln beiseite. Der Karton ist hervorragend gegen Beschädigungen aller Art geschützt, aber leer.

Durchgebrannt

Leer. Der Brenner ist weg. Entsetztes Aufschütteln aller Inhalte - entweder ist es der Industrie gelungen, einen externen CD-Brenner auf die Größe eines Stecknadelkopfes zu reduzieren, oder er ist einfach nicht da. Schnell Zeugen herbeirufen, man weiß ja nie. Und ans Telefon, um die nette PR-Frau an die Strippe zu bekommen und sein Leid zu klagen. Es klingelt ungefähr 400 Mal. Dann meldet sich eine weibliche Stimme.

"Guten Tag, spreche ich mit der Marketing-Abteilung von Burnout"? - "Nein, Sie sprechen mit der Abendkasse des Zirkus Krone." Pause, so lang wie der Hintern eines Zirkuselefanten breit. "Im Ernst," hebt die Stimme erneut an, "die gesamte Marketing-Abteilung ist heute in einem Kickoff" - "Flohzirkus also". Die Pause lang genug, die Fassung wieder zu erlangen. Kurzes glucksendes Lachen bestätigt den Verdacht. Das muss die deutsche Kusine von Jerry Lewis sein. "Kickoff? Wen kicken Sie denn?" Ich bin wieder Herr der Lage. Aufklärung folgt: "Die wollen sich alle neue Motivation holen."

Das gelte auch für die PR-Frau, weswegen sie heute nicht am Platz sei. "Genau die wollte ich erreichen." - "Tja." - "Keine Vertretung?" - "Nein, nur solche, die keine Ahnung haben. Und sie wollen doch bestimmt nicht mit jemand Inkompetentem sprechen, oder?" Nein. Wäre die Frage doch nur früher gestellt geworden. "Na dann bis morgen!"

Guido Augustin
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