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MySpace: Eltern sollen sehen, was die Kinder preisgeben

Die Internetkontaktbörse Myspace wird kritisiert, weil zu viele private Daten der Nutzer einsehbar sein sollen. Nun will der Anbieter reagieren mithilfe einer Zusatz-Software - und der Eltern der meist jugendlichen Nutzer.

Der Anbieter der Internet-Kontaktbörse Myspace, die News Corp., will einem Zeitungsbericht zufolge ein kostenloses Programm anbieten, mit dem Eltern die Internetaktivität ihrer Kinder überwachen können. Damit sollten Kritiker der Kontaktbörse beruhigt werden, schrieb das "Wall Street Journal" (WSJ) am Mittwoch.

Mit der Software "Zephyr" sollen Eltern herausfinden können, unter welchem Namen, welchem Alter und welchen weiteren Angaben sich ihre Kinder in der Kontaktbörse Myspace präsentieren. Den Eltern soll es dem Bericht zufolge aber nicht möglich sein, die E-Mails ihrer Kinder zu lesen oder die Seiten mit ihrem persönlichem Profil einzusehen. Die Kinder würden zudem über die Software informiert, dass ihre Angaben den Eltern zugänglich seien.

Staatsanwälte fordern Alterskontrolle

Das Unternehmen reagiert laut WSJ damit offenbar auf die Ankündigung mehrerer Staatsanwälte, sie würden rechtliche Schritte gegen Myspace ergreifen, wenn das Mindestalter für Mitglieder der Kontaktbörse nicht auf 16 Jahre heraufgesetzt und eine Alterskontrolle eingeführt würden. Ein Verfahren würde den Ruf der Kontaktbörse gerade zu einer Zeit belasten, da Werbekunden ihre anfängliche Zurückhaltung langsam aufgäben.

Kritiker bemängeln an dem bei Jugendlichen sehr populären Internetangebot, dass diese dort zu viele private Daten preisgeben und damit leicht zu Opfern etwa von Sexualverbrechern werden könnten. Das Problem für den Anbieter bestehe darin, Instrumente zur Sicherheit einzubauen, ohne jugendliche Nutzer zu vergraulen, schreibt das WSJ. Zudem werde bei Internetanbietern die Frage diskutiert, ob ein Überwachungsprogramm wie "Zephyr" zu weit in die Privatsphäre der Nutzer eingreife, oder ob andere Personen neben den Eltern das Programm nutzen könnten, um die Jugendlichen zu überwachen.

News Corp. hatte den Service 2005 für 580 Millionen Dollar gekauft. Analysten rechneten damit, dass Myspace in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Dollar wert sein könnte.

Reuters / Reuters
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