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NEULICH IM NETZ: Abwischbare Thüringer und keine Themen

CeBIT zu Ende gegangen, und ein IT-Kolumnist hat keine Themen. Ist das nicht furchtbar? Nun denn, man könnte ja auf der Messegesellschaft herumhacken, weil weniger Besucher kamen. Aber irgendwie verbietet das die Pietät.

CeBIT zu Ende gegangen, und ein IT-Kolumnist hat keine Themen. Ist das nicht furchtbar? Nun denn, man könnte ja auf der Messegesellschaft herumhacken mit ihrem lauwarmen »Masse statt Klasse«-Konzept, weil weniger Besucher kamen. Man könnte ihnen noch mal ans Schienbein treten, weil die Durchhalteparolen so halbseiden sind. Aber irgendwie verbietet das die Pietät.

Positiv denken!

Also Finger weg von der ohnehin gekarsteten IT-Branche. Sehen wir's positiv. Es gab viele schöne Hallen, und es wurde viel geschrieben. Gehört sich ja auch so. Schließlich leben nicht nur die Messegesellschaft, sondern auch die Aussteller, die Journalisten, all die lustigen Computerkanäle (gibt?s noch welche?) und Heftchen davon, dass alles immer schöner, schneller oder wenigstens bunter wird.

Die besten Einnahmequellen liegen auf dem Schreibtisch

Und jetzt soll der stern.de-Kolumnist ankommen und draufhauen? Ach nein. Ist ja wie Elfmeter-Schiessen, wenn der Torwart an den Pfosten gebunden ist. Ganz nebenbei, lieber Rudi: Dann tritt er auch nicht. Was ist denn sonst noch los? Tolle neue Produkte: Die Tastatur für Linkshändler mit gespiegelter Anordnung der Tastenfelder zum Beispiel. Und das vielleicht dämlichste Teil der Welt, von Edding. Jawohl, die Filzstifter haben einen Marker für wiederbeschreibbare CDs entwickelt, der abwischbar ist. Das hält man doch im Kopf nicht aus - dazu brauchen die Ingenieure mit einem baumdicken Forschungsetat. Es ist so unglaublich, das wäre alles nicht nötig gewesen: Filzstifte, die von CD-Rohlingen wieder abwaschbar sind, habe ich dutzendweise auf dem Schreibtisch. Ich bin nur nie auf die Idee gekommen, die zu verkaufen! Traurig, traurig.

Noch viel trauriger war der Thüringen-Messestand, denn die netten Herren in den blass gemusterten Hemden machten aus dem Land für Dichter und Denker einen Fidji-Hawaii-Hula-Hula-Verschnitt. Gestandene Thüringer senften da mit ihren Blumenkränzen rum, zwei Asiatinnen massierten Messebesucher. An Peinlichkeit eigentlich nur noch zu überbieten von dem geradezu legendären Konzept der Stadt Rüsselsheim, weltbekannt durch nichts und Heimstatt der Opel-Werke. Denn das hessische Nest warb mit »Rüsselsheim Experience« und einem Sand-Cross-Buggy. Wenn jetzt Freunde des etwas anderen Asien-Urlaub und Cross-Gurus feuchte Hände bekommen und sich fragen, warum sie das in Hannover nicht gesehen haben: Es war nicht in Hannover. Es war auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Die hatte zwar auch weniger Besucher als im Vorjahr zu Besuch, dafür aber mehr Journalisten. Na so was...

Guido Augustin

H&A Medien

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