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Onlinespiele: Experten fordern Suchtwarnungen

Experten haben dem Kulturausschuss des Bundestages vorgeschlagen, Onlinespiele mit Suchtwarnungen zu kennzeichnen, da bereits bis zu neun Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen abhängig vom Internet seien.

Kampfansage an die Onlinesucht von Jugendlichen: Hersteller von Internet-Computerspielen sollen nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ihre Produkte künftig mit Suchtwarnungen versehen und die Spieldauer auf dem Bildschirm einblenden. Das haben Psychologen und Suchtexperten in ihren schriftlichen Stellungnahmen für eine Anhörung im Bundestagskulturausschuss zum Thema "Onlinesucht" vorgeschlagen.

Die Onlinesucht bei Jugendlichen und Erwachsenen ist nach Expertenmeinung "ein in seiner Tragweite noch weit unterschätztes gesellschaftliches Problem, dem sich auch das Gesundheitswesen stellen muss". Aus den auch der dpa vorliegenden Stellungsnahmen geht ferner hervor, dass drei bis neun Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 30 Jahren, die regelmäßig im Internet surfen, onlinesüchtig sind und täglich mehr als zehn Stunden vor dem Bildschirm sitzen.

Experten zentrale Anlaufstellen für Onlinesucht

20 Prozent von ihnen seien chatsüchtig, vor allem Frauen über 30 Jahre, 50 Prozent seien "online-sexsüchtig", vor allem männliche Studenten und Singles. Warum diese "soziale Scheinwelt" eine solche Attraktivität ausübe, müsse noch erforscht werden, meint das Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg.

Die Experten fordern unter anderem zentrale Anlaufstellen für Onlinesucht in allen Bundesländern sowie die Gründung von flächendeckenden Selbsthilfegruppen für Betroffene und deren Angehörige. Bei kaum einer Sucht sei die Dunkelziffer so hoch wie bei der Onlinesucht. Die Betroffenen vereinsamten oft. Folgen seien Jobverlust, Rückzug aus dem Familienleben und Abkapselung vom sozialen Umfeld, "das reale Leben verliert zunehmend an Bedeutung".

In dem Fragenkatalog für die Anhörung wird auch auf eine jüngste Studie des Verbandes europäische Onlinevermarkter (EIAA) Bezug genommen, wonach 43 Millionen Deutsche regelmäßig im Internet surfen. Der Studie zufolge hat das Internet dem Fernsehen unter den jungen Deutschen als meist genutztes Medium den Rang abgelaufen.

DPA / DPA
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