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Hetze auf Facebook Wie ein harmloses Selfie zu einem Pädophilen-Shitstorm führte


Eigentlich wollte er nur ein Bild von Darth Vader an seine Kinder schicken. Doch plötzlich sah sich ein Australier einem Internet-Shitstorm ausgeliefert - als angeblicher Pädophiler.

Ob man sie mag oder nicht: Selfies sind der größte Fotografie-Trend der vergangenen Jahre. Wer sich in sozialen Netzwerken herumtreibt, sieht jeden Tag Dutzende der Selbstporträts. Doch die schnellen Schnappschüsse haben nicht immer positive Folgen. Einen Australier hätte nun sein erstes Selfie fast seinen Ruf gekostet.

Der Mittvierziger bummelte gerade in einem Laden der Kette Target in einem Vorort der australischen Metropole Melbourne. Er war auf der Suche nach einem Geschenk für seine Partnerin, als ihm ein großer Star-Wars-Aufsteller ins Auge sprang. Der Vater dreier Teenager und seine Familie lieben die Filme der Science-Fiction-Saga. Also entschied er sich spontan ein, wie er sagte, "albernes Papa-Foto" an seine Kinder zu schicken - sein erstes Selfie, gemeinsam mit Darth Vader.

Vor dem Aufsteller standen auch einige Kinder. Weil er das Gefühl hatte, sie vom Betrachten des Aufstellers abzuhalten, grüßte er sie und betonte nur schnell ein Foto an seine Kinder verschicken zu wollen. Das tat er dann auch. Erst am nächsten Tag sollte er erfahren, dass andere die unschuldige Situation völlig anders beurteilt hatten.

"Ich hatte Angst, das jemand mein Haus abfackelt."

Die Mutter der Kinder hatte die Situation aus der Entfernung mitbekommen. Für sie stand fest: Der Fremde hatte Bilder ihrer Kinder gemacht. Empört "rettete" sie daher ihren Nachwuchs und brachte sie zum Sicherheits-Team des Ladens. Dann verfolgte sie den Mann, knipste selbst ein Bild von ihm und ging damit zur Polizei. Damit nicht auch noch andere zum Opfer des von ihr als "Perversen" bezeichneten Mannes werden, postete sie gleich noch ihre Sicht der Situation bei Facebook - inklusive ihres "Fahndungsbildes".

"Ich war gerade in einem Geschäftstermin, als mein Telefon begann, ständig zu klingeln", erzählte der Mann der Lokalzeitung "Knox Leader". "Irgendwann rief ich endlich jemanden zurück und erfuhr, dass ich im Internet als Perverser bezeichnet wurde. Ich fühlte mich schrecklich. Es ist so beschämend und erniedrigend."

Mit seinem Smartphone machte sich der Mann auf den Weg zur Polizei. Die wertete die Bilder auf dem Gerät ausführlich aus - und bestätigte seine Unschuld. Doch noch auf dem Weg zur Polizei sah sich der Mann das erste Mal mit den Folgen des Facebook-Posts konfrontiert: Ein Wildfremder beschimpfte ihn auf der Straße als krank. Der Mann ist froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. "Ich hatte Angst, das jemand mein Haus abfackelt."

Keine rechtlichen Folgen

Mittlerweile hat die Urheberin den Post gelöscht. Davor hatte er sich wie ein Lauffeuer verbreitet., Nutzer warnten ausführlich vor dem "Pädophilen". Die Mutter zeigt indes Reue. Sie habe sich weinend für den Fehltritt entschuldigt, berichtet "Knox Leader" in einem Nachfolgestück. Von ihrem Opfer muss sie indes keine Konsequenzen fürchten. Obwohl ihm Anwälte beste Chancen für einen Schadensersatz in hoher Summe bescheinigen, will er auf rechtliche Schritte verzichten. Die beiden wollen sich dem Bericht zu Folge allerdings für eine persönliche Entschuldigung treffen. Welche Folgen eine Hetz-Kampagne bei Facebook haben kann, erlebt die Mutter nun am eigenen Leib: Sie hat jetzt selbst Morddrohungen erhalten.

Malte Mansholt

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