webreporter Mach kaputt, was dich kaputt macht


Dexter Santucci hatte sein einschneidendes Erlebnis vor etwa fünf Jahren, als eine Festplatte Ärger machte. Da rächte er sich mit Gewalt an dem widerspenstigen Gerät - und hat seitdem Gefallen daran gefunden, Hardware zu misshandeln.

Die Computerindustrie verspricht viel. Neben Effizienz und Produktivität auch viel Spaß. Glaubt man etwa Microsoft, so wird »das Arbeiten am Computer zum Vergnügen«, wenn man erst einmal die Millenium-Edition von Windows einsetze. Und Apple verspricht seinen iMac-Kunden, sie »in weniger als zehn Minuten ins Internet zu bringen«. Alles völlig problemlos selbstverständlich. Doch die Realität sieht anders aus und hat ihre eigene Begrifflichkeit: »File not Found«, »Syntax Error« oder »schwerer Ausnahmefehler« heißen nur einige dieser unschönen Meldungen des Systems, die User schier zur Verzweiflung bringen können. Jeden kann es treffen, zu jeder Zeit. Und hat nicht jeder wenigstens einmal im Leben den Wunsch nach Rache an seinem Computer verspürt, ihn bereits gedanklich in hohem Bogen aus dem Fenster geworfen?

Dexter Santucci hatte sein einschneidendes Erlebnis vor etwa fünf Jahren, als eine Festplatte Ärger machte: »Ich beschloss, sie zu öffnen, während sie am Netz hing und lief. Dann nahm ich einen Schraubenzieher, kratzte über die Oberfläche und fand Gefallen daran. Seitdem macht es mir einen Riesenspaß, mich an widerspenstiger Hardware zu rächen.« Wie diese Rache aussehen kann, zeigt der 23-jährige Italo-Kanadier aus Ottawa mittels einer Digitalkamera auf seiner Website 'Hardware and Software Destruction Heaven': Zerschnittene Rechnerplatinen, zertrümmerte Netzwerkkarten, zerschossene Laufwerke, zersprengte Prozessoren und Dexters Steckenpferd, vom Computer zerstörte CD-Rohlinge, denen er den Rest gibt, indem er sie unter Autoreifen zermalmt oder in der Mikrowelle kocht, sind dort mit ein wenig Phantasie wieder zu erkennen. Das Fotomaterial zu den einzelnen Computerbestandteilen ist in verschiedene Rubriken zusammengefasst. Außerdem gibt es auch eine Best-Of-Site.

Dass Dexter mit seinem Anliegen nicht allein steht, zeigt der bisherige Erfolg seines Internet-Projekts. Viele nutzen es als Forum, um ihrem eigenen Ärger Luft zu verschaffen. Seit Eröffnung vor wenigen Monaten haben knapp 30.000 Besucher einen Rundgang durch die Bildergalerie der besonderen Art gemacht. Regt sich da kein Hass, auf Gates, auf Jobs? Keineswegs, denn Dexter bewundert den Erfolg des Microsoft-Chefs, ohne den Computer und Internet nicht das wären, was sie heute seien. Schutz vor neuen Gegenangriffen bietet Dexters Anerkennung dem amerikanischen Software-Giganten dennoch nicht. Sein neuestes Motiv, ein Hohn auf die Millenium-Edition von Windows, laut Microsoft »the most trouble-free operating system«: Screenshots der ersten Systemabstürze. Wie sich die Bilder doch gleichen und wiederkehren.

Dusko Vukovic


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