WEBREPORTER Müsli, Moschus, Markenschuhe - alles nach Maß


Im Internet blüht der Markt der Maßanfertigungen. Immer mehr Firmen nutzen das World Wide Web, um auch die ausgefallensten Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen.

Im Internet blüht der Markt der Maßanfertigungen. Immer mehr Firmen nutzen das World Wide Web, um auch die ausgefallensten Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen. Via Online-Bestellung gibt es unter anderem Schuhe, Computer und Kosmetikartikel, die alle eins gemeinsam haben: Es handelt sich um Einzelstücke. Die US-Website Digichoice.com präsentiert neuerdings sehr erfolgreich Tausende von Anbietern, die sich auf die Herstellung der Sonderanfertigungen spezialisiert haben.

Das deutsche Bekleidungsgeschäft Dietrich aus Aachen vertreibt schon seit einigen Jahren erfolgreich Hemden nach Maß über das weltweite Datennetz. Der Kunde trägt seine individuellen Maße in die Auftragsmaske ein, wählt Schnittmuster und Stoffe und erhält das neue Hemd nach Fertigstellung zugeschickt. Bei aller Exklusivität hat der Internet-Pionier aber auch Hemden nach Maßkonfektion sowie Boxershorts mit individuellen Designs im Sortiment.

Sich selbst anlächeln von der Armbanduhr

Wer hätte nicht gerne eine Armbanduhr, die garantiert niemand anders hat? Viele Markenhersteller versuchen, an diesen Idealwunsch ihrer Kunden möglichst nah heran zu kommen, indem sie ausgesuchte Modelle in niedrigen Auflagen herstellen. Ein Kleinunternehmen aber ermöglicht nun den totalen Individualismus: Bei IDTown.com gibt es Uhren, deren Ziffernblatt vom Bild des Besitzers geschmückt sind.

Via E-Mail können die Kunden ein digitales Foto einschicken, das Bild wird dann beim Hersteller aufs Zifferblatt übertragen, und auch das Armband kann in dazu passenden Farbtönen bestellt werden. Der Uhrenhändler gehört zu den beliebtesten Anbietern im Warenhaus Digichoice.com, das im vergangenen Jahr seine virtuellen Türen öffnete. Dort lassen sich neben Kleinstfirmen wie IDTown auch bekannte Hersteller wie Nike finden.

Unter dem Slogan »NikeID« bietet die Website des weltweit führenden Sportartikelunternehmens aus Beaverton (Oregon) Turnschuhe in Dutzenden von Farbtönen an. Dazu dürfen die Käufer ihrer Neuerwerbung einen ganz individuellen Namen geben. Der Hersteller sieht es allerdings gar nicht gerne, wenn Scherzbolde die Narrenfreiheit zu geschäftsschädigenden Späßen nutzen. Nike weigerte sich deshalb, Maßanfertigungen mit Schimpfworten oder den Namen der Konkurrenzunternehmen Adidas oder Reebok anzufertigen.

Maßanfertigung als Instrument der Kundenbindung

Für etablierte Firmen wie Nike ist der Maßanfertigungs-Markt ein weiteres Instrument, um Käufer an Markenartikel zu binden. Die Hersteller reagieren auf eine neue Haltung unter Kunden, die ohnehin schon gelernt haben, mit Online-Preisvergleichen günstige Angebote auszusuchen, ohne einen Schritt vor die Tür setzen zu müssen. Diese Konsumenten sind nicht mehr mit dem zufrieden, was ihnen von anderen angeboten wird. »Sie wollen eine Wahl: ihre Wahl«, sagt Joseph Pine vom Digichoice-Firmendirektorium.

Wirtschaftsexperten wie Heather Dougherty von der Beratungsfirma Jupiter Research halten allerdings den Maßanfertigungs-Markt vorläufig für ein Nischenphänomen. Nur wenn die Kosten für Einzelstücke weiter sinken, und wenn Kunden auf Dauer bereit sind, für Sonderanfertigungen mehr Geld zu bezahlen, werde sich das Geschäft für die Hersteller lohnen, das gibt auch Joseph Pine zu.

Die Skeptiker weisen auf einen ersten spektakulären Rückzieher hin. Der Puppenhersteller Mattel stellte unlängst den Verkauf von individuellen Sonderanfertigungen seines Topartikels Barbie ein. Für 40 Dollar wurden die handgefertigten Einzelstücke angeboten, aber das war den jungen Kundinnen zu teuer, die ihr Taschengeld lieber in eine Durchschnitts-Barbie zum Ladenpreis von 20 Dollar investierten.

Aber bei Digichoice bleibt man optimistisch. Angeschlossene Firmen wie der Parfümhersteller Reflect.com berichten von einem Millionengeschäft mit individualisierten Duftnoten. Selbst zur Müsli-Website Mycereal.com strömen die Online-Kunden in Scharen, um dort ganz persönliche Mischungen zu bestellen. Der Branchenriese General Mills steckt hinter dieser Website, die einen wichtigen Marktforschungszweck erfüllt: Anhand der Bestellungen kann der Hersteller ermitteln, welche Frühstücksmischungen besonders beliebt sind. Aus den Online-Hits könnten dann später Verkaufshits in den Supermärkten werden.

Tilman Streif, dpa


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