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Youporn-Streaming: Diese Porno-Abmahnung sollten Sie auf keinen Fall bezahlen

Zehn Monate nach dem Redtube-Skandal sorgt eine neue Porno-Abmahnwelle für Wirbel: Derzeit werden Hunderte gefälschte Schreiben verschickt, in denen 280 Euro Schadensersatz gefordert werden.

Von Christoph Fröhlich

Mehr als 4,3 Millionen Deutsche wurden in den vergangenen Jahren abgemahnt - und täglich landen Tausende neue Anwaltsschreiben in deutschen Briefkästen. Mal geht es um Musik und Software, häufig um illegal heruntergeladene Filme, Serien und Pornos. Im vergangenen Jahr sorgte der Redtube-Skandal für Wirbel, als zigtausende Nutzer des Schmuddelportals von der Kanzlei Urmann + Collegen (U+C) wegen des Ansehens von Sexfilmen im Internet unrechtmäßig abgemahnt wurden.

Nun sorgt ein neuer Fall für Verwirrung: Wie das auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwaltsbüro GGR berichtet, werden derzeit Hunderte Schreiben an deutsche Haushalte verschickt, bei denen es sich auf den ersten Blick um eine Abmahnung des britischen Rechtsanwalts Robert Barber handelt. In dem Schreiben (liegt dem stern vor) wird der abgemahnten Person vorgeworfen, illegal das Werk "Sucking housewifes reloaded - Julias Pleasure" abgerufen und per Filesharing angeboten zu haben. Das Schreiben ist auf vergangene Woche datiert, gefordert werden 280 Euro Schadensersatz.

Auszug aus der Fake-Abmahnung

Auszug aus der Fake-Abmahnung

Youporn-Abmahnung auf keinen Fall bezahlen!

Doch offensichtlich handelt es sich um einen gut gemachten Fake von Trittbrettfahrern: "Die Kanzlei Robert Barber selbst gibt an, die Schreiben nicht verschickt zu haben", schreiben die Anwälte der Kanzlei GGR. Betroffene sollten das Geld deshalb auf keinen Fall auf die angegebene Kontonummer überweisen.

Auch dem Medienrechtsanwalt Johannes von Rüden sind Ungereimtheiten aufgefallen: "Die xfun film Ltd. ist ein Unternehmen, das es offenbar nicht gibt, genauso wie das Filmwerk", so der Berliner Jurist. "Hier wird tatsächlich ein sehr glaubwürdiger Eindruck erweckt. Die rechtlichen Ausführungen sind zwar oberflächlich, dennoch überwiegend richtig", erklärt von Rüden. Der Anwalt geht davon aus, dass derzeit mehrere hundert Abmahnungen im Umlauf sind. Ein großer Teil davon könnte auch erst in den nächsten Tagen zugestellt werden.

Besonders skurril: In dem Brief fordern die Abzocker den Briefempfänger auf, "es zu unterlassen, geschütztes Material unseres Mandanten auf einem Computer durch Streamingdienste wie 'www.youporn.com' oder 'www.xhamster.com' unberechtigterweise zu konsumieren oder vorzuführen." Diese Forderung sei rechtlich nicht aufrecht zu erhalten, erklärt von Rüden: "Der Werksgenuss ist niemals eine Urheberrechtsverletzung. Auch beim Streaming liegt keine Urheberrechtsverletzung vor. Das hat vor kurzem auch der Europäisch Gerichtshof bestätigt."