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Hansenet: Kundenfang mit mobilem Netz

Hier ein Gratis-Wlan-Modem, dort dreistellige Geldgeschenke: Die Rivalität auf dem DSL-Markt wird immer härter. Die Telecom-Italia-Tochter Hansenet legt jetzt nach: mit kostenlosem Internetzugang per Mobiltelefon - und einem Angriff auf den Blackberry.

Von Thomas Wendel

Mit mehr kostenlosen Dreingaben kämpfen Deutschlands DSL-Anbieter um Marktanteile. Jetzt bietet das erste Unternehmen einen Gratiszugang zum Internet auf dem Handy an. Ein solches Angebot startet der Hamburger Netzanbieter Hansenet ("Alice") für seine 2,35 Millionen Internetkunden. "Wir möchten unser DSL-Angebot ausbauen und dabei nicht mehr unterscheiden zwischen einem klassischen Internetzugang per PC und dem Handy", sagte Hansenet-Marketing-Chef Michele Novelli.

Ab sofort können die Kunden der Telecom-Italia-Tochter jeden Monat mobil im Netz des Hansenet-Handy-Partners Telefónica O2 ein Datenvolumen von 30 Megabyte kostenfrei nutzen. "Das reicht für den Empfang und Versand von 20 bis 30 E-Mails pro Tag", sagt Novelli. "Wir erwarten eine große Nachfrage nach dem neuen Angebot." Derzeit telefonieren rund 500.000 Hansenet-Kunden auch mobil mit Sim-Karten des Unternehmens.

Mit dem Schritt führt der viertgrößte deutsche DSL-Anbieter die Kostenloskultur des Internets nun auch in den Mobilfunk ein. Der Vorstoß dürfte auf dem umkämpften Markt nicht lange unbeantwortet bleiben: Schon im vergangenen Jahr war Hansenet mit einem kostenlosen Internetfernsehangebot vorgeprescht, um seine DSL-Anschlüsse für die Kunden attraktiver zu machen. Kurz darauf bot auch die Deutsche Telekom Neukunden ihres "Entertain" genannten Angebots einen zeitlich befristeten Gratiszugang zu ihrem Webfernsehprogramm. Andere Wettbewerber wie United Internet (1&1) versuchen, Marktanteile zu gewinnen, indem sie bis zu 200 Euro bar an neue Kunden zahlen, die Verträge mit 24 Monaten Laufzeit abschließen.

E-Mail per Handy

Mit dem neuen Angebot versucht Hansenet aber auch eine strategische Lücke zu schließen: Unter Experten gilt es als ausgemacht, dass insbesondere die E-Mail-Kommunikation früher oder später fast nur noch per Handy oder von unterwegs per tragbarem Computer abgewickelt wird. Um frühzeitig Einfluss auf den Markt zu erhalten, hat zum Beispiel United Internet schon vor Jahren drahtlose E-Mail-Angebote ins Sortiment aufgenommen, mit der für Monatspauschalen ab 10 Euro unbegrenzt elektronische Post versendet oder empfangen werden kann.

Das Hansenet-Angebot geht aber darüber noch einmal hinaus. Denn es fallen nicht nur für die ersten 30 Megabyte Daten keinerlei Kosten an. Jeder DSL-Kunde, der das Zusatzangebot bucht, erhält zudem bis zu vier Handy-Sim-Karten. Damit kann jeder einzelne Nutzer bis zu 120 Megabyte Daten mobil gratis abrufen und versenden, womit viele Kunden ihre gesamte mobile Internetkommunikation kostenlos abgedeckt haben dürften. Wer mehr braucht, kann kostenpflichtige Datenpakete dazubuchen.

Und noch ein Feature, für das Handykunden mit E-Mail-Zugang mitunter viel zahlen, will Hansenet-Manager Novelli gleich gratis mitliefern: "Unsere Kunden bekommen ihre E-Mails sofort nach dem Eingang in ihrem Briefkasten auf das Handy weitergeleitet." Mit einem solchen Angebot legen sich die Hamburger keineswegs nur mit ihren traditionellen Netzkonkurrenten an. Vielmehr zielen sie damit auch auf große Handyhersteller wie Research in Motion, dessen Blackberry-Geräte bislang nur gegen monatliche Grundgebühren solche E-Mail-Dienste anbieten.

FTD
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