Editorial Was der BND über Irans Atombombe weiß


Liebe Leserin, lieber Leser,

stern-Mitarbeiter Johannes Gunst war der einzige Medienvertreter im Gerichtssaal, als im Mai ein Proliferationsexperte des BND bei einem Prozess in Koblenz auftrat. Es ging um illegale Lieferungen von Grafit durch einen deutschen Geschäftsmann an den Iran. Der BND-Mann erwähnte bei seiner Aussage den Namen des Chefeinkäufers für das iranische Atomraketenprogramm: Said Mohammad Hosseinian. Damals recherchierte Gunst zusammen mit den stern-Reportern Oliver Schröm und Uli Rauss bereits seit Monaten über das geheime Netzwerk von Tarnfirmen, mit dem der Iran weltweit Bauteile für sein Nuklearprogramm beschafft. Das stern-Team sprach mit Inspektoren der Atomenergiebehörde in Wien, arabischen Insidern in Paris, Geheimdienstlern und Fahndern in Deutschland. stern-Mitarbeiterin Özlem Gezer machte sich in der Türkei auf die Spuren von Hosseinian und seinen Geschäftspartnern. All diese Recherchen sowie die Auswertung zahlreicher Dokumente ergaben: Hosseinian ist die Spinne im Netz. Als erster Nachrichtendienst sprach daraufhin der BND Klartext über den Stand des iranischen Nuklearprogramms. Die iranische Atombombe sei nicht mehr zu stoppen, sagten BND-Fachleute gegenüber dem stern, "dieses Thema ist durch". Binnen kürzester Zeit sei Teheran in der Lage, wie unlängst Nordkorea einen Test durchzuführen. So unmissverständlich hat sich bislang kaum eine westliche Regierungsstelle oder Behörde geäußert. Der BND und seine Partnerdienste denken längst weiter: Jetzt gilt es zu verhindern, dass Teheran sich ein einsatzfähiges Trägersystem beschafft - eine Rakete, mit der die iranische Bombe erst zur ganz großen Bedrohung wird (Seite 26).

Tinnitus - das Rauschen, Summen und Klopfen im Ohr ist ein Volksleiden, eine Tortur für rund vier Millionen Betroffene in Deutschland. Er raubt ihnen den Schlaf, die Konzentration, manchmal sogar den Lebensmut. In den vergangenen zehn Jahren ist es der Wissenschaft gelungen, die komplexen Ursachen in Gehirn und Ohr besser zu verstehen. Ein Heilmittel gibt es aber noch nicht. Die stern-Redakteurinnen Helen Bömelburg und Katharina Kluin sprachen mit Betroffenen, Ärzten und Forschern und stellten fest, dass der erste Schritt in ein besseres Leben mit Tinnitus auch der schwerste ist. Der Patient muss akzeptieren, dass der Ton im Kopf wahrscheinlich nie verschwindet. Erst dann ist er offen für die wirksamste Therapie: Er kann lernen wegzuhören (Seite 44).

Herzlichst Ihr
Andreas Petzold

print

Mehr zum Thema