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Betreuung in den Sommerferien: Wohin mit den Kindern?

Berufstätige Eltern werden durch die Sommerferien ihrer Kinder jedes Jahr wieder zum Organisationstalent. Doch es ist schwer, seine Kinder außerhalb der gemeinsamen Urlaubszeit gut versorgt zu wissen.

Die schönste Zeit des Jahres fordert in vielen Familien großes Organisationstalent: Wohin mit den Kindern während der Sommerferien? Das fragen sich vor allem die rund 5,4 Millionen verheirateten Doppelverdiener mit Nachwuchs und die etwa 2,1 Millionen Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern. Ferien-Angebote gibt es nach Angaben von Fachleuten in Zeiten des Sparzwangs aber immer weniger, und sie sind zudem häufig unbekannt. Kürzere Sommerferien, wie von einigen CDU- und FDP-Politikern vorgeschlagen, halten Familienverbände und Psychologen jedoch für den falschen Weg aus der Betreuungslücke.

Auf 63 Schulferientage im Jahr kommen durchschnittlich nur etwa 30 Urlaubstage eines Arbeitnehmers. "Manche Ehepartner können deshalb nicht zusammen in den Urlaub fahren, obwohl sie das gerne wollen", berichtet Wilhelma Skiber vom Verband berufstätiger Mütter.

Ohne Ferien-Erlebnisse wird es schwierig

Bei Alleinerziehenden gehe es einigermaßen gut, solange sie auf den anderen Elternteil bauen könnten: "Dann hat jeder die Hälfte der Zeit die Kinder." Bei unzuverlässigen Ex-Partnern stünden die Single-Eltern aber vor enormen Schwierigkeiten: "Da geraten Arbeitsplätze in Gefahr." Dazu komme der "unheimliche gesellschaftliche Druck", interessante Ferien-Erlebnisse vorweisen zu können, wenn die Klassenkameraden von ihren Reisen schwärmten, sagt Marion von zur Gathen vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV).

Freizeitangebot zurückgegangen

Das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche in den Ferien sei in den vergangenen zehn Jahren - vor allem in Großstädten - enorm zurückgegangen, kritisiert der Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried. "Es gibt kaum noch Ferienangebote in den Sparzeiten, und für arme Familien wird es immer weniger." Dieser Mangel könne sich negativ auf die Entwicklung des Nachwuchses auswirken: "Kinder und Jugendliche sitzen in den Ferien schon vormittags vorm Computer oder Fernseher."

Detlef Michaelis von einer Erziehungsberatungsstelle, die dem Sigmund-Freud-Institut angeschlossenen ist, betont die Bedeutung "kreativer Möglichkeiten jenseits eines fest gefügten Alltags" für junge Menschen. "Diese Erfahrungen gehen später ins Berufs- und Privatleben ein. Wenn es sie nicht gibt, fehlt was." Der Marburger Schulpsychologe Dieter Krowatschek sagt: "Sechs Wochen sind zur Erholung notwendig. Die Schuljahre sind sehr stressig."

Idee der Ferienkürzung stößt auf Skepsis

Den Vorschlag des CDU-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, Günther Oettinger, die Schulen nach vier Wochen Ferien für Freizeitangebote und die Aufarbeitung des Unterrichtsstoffs zu öffnen, sehen Fachleute skeptisch. Viele Eltern wollten ihre Kinder nicht dahin schicken, wo sie schon das ganze Jahr sind, berichtet Skiber. "Wenigstens 14 Tage Ferienfreizeiten für Familien, die sich das sonst nicht leisten könnten, müssen drin sein", verlangt Michaelis. Der VAMV hält dagegen Ferienspiele mit Mittagessen in Schulen, Horts und Kindertagesstätten durchaus für einen Gewinn.

Der Sommer hat den Gut-Wetter-Vorteil

Kürzere Sommerferien und im Gegenzug längere Weihnachtsferien, wie von der familienpolitischen Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Ina Lenke angeregt, sind nach Auffassung von Eltern und Psychologen schon wegen der Hitze nicht der richtige Weg. "Kinder und Jugendliche brauchen eine Phase im Jahr, in der sie sehr viel draußen sein können", sagt etwa Krowatschek.

Zumindest das Wetter ist nach Einschätzung des Frankfurter Kinderbüros in diesem Sommer aber auf der Seite der Familien: "Viele Kinder gehen den ganzen Tag ins Schwimmbad. Probleme gibt es eher bei schlechtem Wetter", sagt Leiterin Gabriele Mankau. Außerdem sei die anhaltende Hitze ein Trost für die, die aus Geldmangel nicht in den Urlaub fahren könnten - Nach dem Motto: "Was soll ich bei 40 Grad in Italien? Hier ist es doch auch schön."

Ira Schaible / DPA
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