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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe "Hilfe! Meine Tochter entwickelt sich zur Schulschlampe!"

Tochter wird zur Schulschlampe
Was tun, wenn die Tochter sexuell aktiv ist - und alle drüber reden?
© Getty Images/iStockphoto
Christel hat erfahren, dass Ihre 15-jährige Tochter bereits mit einigen Jungen Sex hatte - die ganze Schule weiß davon. Christel ist schockiert und macht sich Sorgen. Doch Gespräche enden im Streit. Kann Christel ihrer Tochter helfen?

Liebe Frau Peirano,

ich bin alleinerziehend, habe zwei Töchter (15 und 12). Die 15-jährige macht mir gerade große Sorgen. Sie hat angedeutet, dass sie bereits mit einigen Jungen  Sex hatte. Die Mutter ihrer besten Freundin (auch eine Freundin von mir) hat mir erzählt, dass meine Tochter mit recht vielen Jungs (mindestens 8-10) aus ihrer Schule bzw. ihrer Clique geschlafen hat, auch teilweise betrunken und auf Partys. Einmal hatte sie mit einem Junge aus der Oberstufe Sex auf dem Schulklo. Das hat sich wohl auch in der Schule herumgesprochen. Ich habe meine Tochter danach zur Rede gestellt und sie hat es zugegeben. Seitdem haben wir häufig Streit: Ich sage ihr, dass sie noch den Ruf als „Schlampe“ wegkriegt und aufpassen soll, dass sie kein Kind nach Hause bringt. Meine Tochter stellt bei unserem Streit komplett auf Durchzug.

Aber ich mag mir gar nicht vorstellen, was sie alles macht, und die Vorstellung stößt mich ab, dass sie so leicht zu haben ist.

Was kann ich machen? Ich kann sie ja nicht immer kontrollieren, auch wenn sie bei ihrem Vater ist.

Viele Grüße

Christel B.

 

Liebe Christel B.,

ich kann mir gut vorstellen, dass es Ihnen überhaupt nicht gefällt, was Ihre Tochter macht. Sie hatten sich das "erste Mal" und auch spätere Erfahrungen sicher für sie ganz anders gewünscht: Mit einem Jungen, in den sie verliebt ist und dem sie vertraut, den sie schon länger kennt und mit dem sie sich langsam an den ersten Sex herantastet. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Sie sich Sorgen darüber machen, was Ihrer Tochter alles passieren könnte: Ein schlechter Ruf, eine ungewollte Schwangerschaft, Krankheiten und möglicherweise auch schlechte Erfahrungen, wenn jemand ihr "Nein" einmal nicht respektiert. Insbesondere wenn Alkohol im Spiel ist, kann das leicht passieren.

Sie können allerdings nicht kontrollieren, was Ihre Tochter macht oder gar die Hand "dazwischen" halten. Sie können nur versuchen, Ihrer Tochter den Rücken zu stärken. Und hier habe ich den Eindruck, dass Sie Ihrer Tochter gerade nicht so hilfreich zur Seite stehen. Sie vermitteln ihr, dass sie etwas Falsches tut und sich "schlampig" verhält. Damit stellen Sie, ohne es zu wollen, Ihre Tochter auf eine Stufe mit ihrem Verhalten. Geschickter wäre es, wenn Sie Ihrer Tochter sagen, wie wertvoll sie ist und dass ihr derzeitiges Verhalten nicht zu diesem Wert passt. Es wäre ungefähr so, als wenn sie einer lieben Freundin, die von ihrem Freund schlecht behandelt wird, sagen würden: Du hast einen Besseren verdient.

Sie könnten Ihrer Tochter zum Beispiel sagen: "Ich bin traurig darüber, dass Du im Moment so lieblose und beliebige Erfahrungen beim Sex machst. Ich hatte mir für Dich gewünscht, dass Du Sex mit Deinem Freund hast, dem Du vertraust. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man schnellen Sex mit einem fast fremden Jungen hat. Ich mache mir auch Sorgen, dass Dir etwas passieren könnte- das ist gar nicht so selten, wenn man den anderen nicht so gut kennt."

Auf diese Art stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihrer Tochter und vermitteln ihr, dass sie etwas Besseres verdient hat und dass sie Ihnen wichtig ist. Auch wenn sie jetzt noch nichts an ihrem Verhalten ändern kann, wird Ihre Unterstützung ihr doch Kraft geben.

Wichtig wäre auch, dass Sie aufmerksam für das Umfeld Ihrer Tochter sind: Mit wem geht sie aus? Bei wem übernachtet sie? Wie lange darf sie wegbleiben? Sprechen Sie auch mit anderen Eltern, bei denen sie (angeblich) übernachtet. Ganz wichtig wäre es auch, mit dem Vater Ihrer Tochter zu sprechen und ihn zu bitten, besser auf sie aufzupassen.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie nicht die Verantwortung für das Verhalten Ihrer Tochter übernehmen. Machen Sie ihr klar, dass es ihr Leben ist und dass sie selbst auf sich aufpassen muss. Wenn sie Dinge tut, die ihr schaden, muss sie letztlich mit den Konsequenzen leben. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter nicht glücklich darüber ist, wie sie sich verhält. Sie scheint gerade eine schwierige Phase zu haben, in der sie wenig Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen hat und sich selbst wenig liebt. Deshalb versuchen Sie bitte, offen und wertschätzend zu bleiben, wenn Ihre Tochter Ihnen etwas erzählt oder Sie etwas von Dritten erfahren. Beißen Sie sich mit Kritik und Anschuldigungen besser auf die Zunge. Nur wenn Sie Ihnen vertraut und weiß, dass Sie zu ihr halten, wird Sie Ihnen mitteilen, wenn Sie in Schwierigkeiten steckt.

Herzliche Grüße,

Julia Peirano


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