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Bildung: Neues Lehren und Lernen in der Schule

Der Pädagoge Heinz Klippert fordert eine grundlegende Reform des Unterrichts an deutschen Schulen. Es sei dringend notwendig, dass Schüler methodisch stärker gefordert und gefördert würden.

Eine grundlegende Reform des Unterrichts an deutschen Schulen hat der Pädagoge Heinz Klippert gefordert. Es sei dringend notwendig, dass Schüler methodisch stärker gefordert und gefördert würden, sagte der Lehrerfortbilder der Nachrichtenagentur AP. Fachwissen alleine genüge schon lange nicht mehr. Nötig sei zugleich ein verstärktes Methoden-, Kommunikations-, Präsentations- und Teamtraining, das die Schüler zu mehr Selbstständigkeit und Lernkompetenz befähige. Dementsprechend müssten auch die Lehrkräfte trainiert werden.

Früher hätten die Kinder den gängigen lehrerzentrierten Unterricht noch relativ geduldig und konzentriert mitgemacht, erklärte Klippert, der am Lehrerfortbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Landau in der Pfalz tätig ist. Heute habe man "mediengeprägte Kinder, für die das 'Entertainment-Angebot' ihrer Lehrer eher langweilig ist". Viele Kinder hätten gelernt, nach dem Lustprinzip zu arbeiten und verfügten nicht mehr über ausreichendes Sozialverhalten.

Schüler müssen das Lernen lernen

Gleichzeitig würden heute von Schülern bestimmte Schlüsselqualifikationen gefordert: Selbstständigkeit, Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, Präsentationsfähigkeit, Medienkompetenz sowie das Verfassen von Texten. Bislang biete die Schule den Schülern zu wenig Gelegenheit, derartige Kompetenzen systematisch zu lernen und zu üben: "Wenn wir erwarten, dass Schüler Probleme lösen können, dann müssen wir ihnen auch Probleme geben, die sie mit Hilfsmitteln zu lösen haben", sagte Klippert.

Schüler brauchen nach seinen Worten Lernsituationen, die vielseitige methodische Anforderungen an sie stellen - nicht nur auf inhaltlicher Ebene, sondern auch im kommunikativen Bereich sowie hinsichtlich Teamarbeit und selbstständiger Methodenanwendung. Die Schüler müssten das Lernen lernen. Entscheidend für das Lernen der Schüler sei nicht die abstrakte Belehrung durch ihre Lehrer, sondern "das praktische Tun und Erfahren der neuen Methoden".

Auch Lehrertraining nötig

In der Lehrerausbildung werde dies noch viel zu wenig berücksichtigt, sagte Klippert, der seine Methoden an zahlreichen Pilotschulen anwendet und auf Lehrerfortbildungen weitergibt. "Theoretisch weiß man oft gut Bescheid, aber praktisch ist einfach das Handwerkszeug zu wenig gefestigt." Nötig sei deshalb nicht nur Schülertraining, sondern auch und zugleich Lehrertraining: Die Bereitschaft zur Veränderung des Unterrichts sei bei vielen Lehrkräften durchaus da - "aber noch nicht das Instrumentarium zur erfolgreichen Vermittlung der besagten Schlüsselqualifikationen".

Wichtig sei deshalb zunächst einmal das praktische Erfahren und Trainieren der neuen Methoden durch die Lehrer. Beim Umsetzen der neuen Methoden würden die Lehrkräfte dann merken, dass auch Rahmenbedingungen zu ändern seien, erklärte der Schulreformer. Dies reiche von Teambildungsmaßnahmen im Kollegium über Teamfortbildung und Teamfreistellung bis hin zur Veränderung der gängigen Zeittakte und Stundentafeln in der Einzelschule.

"Man wird den Unterricht in seinem Kern nicht über Vorgaben und Strukturreformen von oben verändern, wie das viele Bildungspolitiker hoffen", sagte Klippert. Reformen setzten sich nur dann durch, wenn sich die zuständigen Akteure kompetent fühlten und die betreffenden Methoden positiv erlebt hätten. "Eine nachhaltige Unterrichtsentwicklung verlangt vor allem eines: Intensive Lehrerfortbildung, systematisches Schülertraining und konsequente 'Hilfe zur Selbsthilfe' für die Lehrkräfte."

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