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Heizkosten: Und wieder lockt der Wald

Hohe Öl- und Gaspreise treiben Städter an die frische Luft. Um sich auch in diesem Winter eine warme Stube leisten zu können, sammeln sie Brennholz.

"Roaarrr", kreischt es durch den Landauer Wald. Hans Joachim Fette, 52, atmet tief durch, dann klettert er mit laufender Motorsäge über die wackligen Holzstämme. "Halt!", ruft Förster Siegfried Weiter. "Viel zu gefährlich, den Stamm erst richtig verkeilen!" Solche Tipps retten im deutschen Forst so manches Körperteil vor Stihl-scharfen Kettensägen.

Selbst gehacktes Brennholz erlebt in diesem Winter einen Boom wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Festmeter kostet zwischen 30 und 40 Euro - vorausgesetzt, man sägt, schleppt und transportiert selbst. In den Wäldern liegt reichlich Abfallholz, das Forstämter in verschiedenen Varianten anbieten - zum Beispiel als "Flächenlos" tief im Wald, wo zwischen den Bäumen abgebrochene Äste, dünnere Stämme oder abgesägte Kronen liegen. Um sie herauszuziehen, braucht es Trak-tor oder Seilwinde. Neulinge nehmen lieber das lange "Polterholz", das die Forstleute am Wegrand aufgestapelt haben. Es muss aber noch in handliche Stücke zersägt und aufgeladen werden - wenn es noch welches gibt.

Überall steigt die Nachfrage. Für manchen Hausbesitzer, der jetzt seine Heizanlagen erneuern muss, ist Holz eine ernsthafte Alternative. Außerdem werden entsprechende Öfen mit Zuschüssen gefördert. Für moderne Anlagen gibt es vom Bundesamt für Wirtschaft mindestens 1000 Euro, für Pelletheizungen, die mit Holzschnitzeln betrieben werden, sogar 1700 Euro. (www.bafa.de). "Wir sind total ausverkauft", sagt Andreas Münz, Revierförster aus dem schwäbischen Buoch. Seit Anfang des Jahres hat er doppelt so viel Brennholz aus seinem Staatsforst verkauft wie im Vorjahr, mindestens 50 Interessenten gingen leer aus. Grund für den Ansturm: "Die haben alle ein bissle Panik wegen der Ölpreise."

"Man muss umdenken - finanziell, aber auch ökologisch", sagt Hans Joachim Fette, während er auf einem Waldweg im Landauer Forst Stamm für Stamm in 80 Zentimeter lange Stücke zersägt, die sein Sohn Martin, 16, an Ort und Stelle spaltet. Die langen Scheite passen exakt in seinen neuen Ofen, der an die gasbetriebene Zentralheizung gekoppelt ist und genug Wärme liefert, um alle Räume in seinem Fachwerkhaus zu beheizen. Pro Jahr verfeuert der Beamte fünf Raummeter Holz. Drei Tage braucht er, um sie zu zerlegen. Einsparung: etwa 450 Euro.

"Theoretisch kann jeder mit einer 160-Euro-Säge aus dem Baumarkt im Wald loslegen", sagt Förster Siegfried Weiter mit hörbarem Schaudern in der Stimme. In Stuttgart werden an die Hobbyholzfäller Merkblätter mit Verhaltensregeln verteilt: "Zu Ihrer eigenen Sicherheit empfehlen wir Ihnen dringend eine Schutzausrüstung - also Helm, Sicherheitsschuhe und vor allem eine Schnittschutzhose." Für alle Fälle gibt es auch die Nummer des Rettungswagens.

80 Baumstämme

liegen am Rand des Waldweges aufgestapelt. Hans Joachim Fette braucht etwa 30 davon. Fünfmal muss er mit seinen Holzscheiten auf dem Anhänger über schmale Waldwege zu seinem Haus im pfälzischen Annweiler fahren. Dort muss er sie noch zum Trocknen aufschichten. "Wenn man den Aufwand rechnet, kommt man auf keinen grünen Zweig", meint Armin Thomm, Forstamtschef in Esslingen. Schließlich muss man für die kuschlige Wärme nicht nur die Gebühr ans Forstamt zahlen, hinzu kommen ein Ofen, Motorsäge, Helm, Schutzkleidung, Anhänger, Benzin - und viel Zeit. Aber so rechnen seine Kunden nicht. "Für viele spielt eine Rolle, dass sie draußen im Wald arbeiten und etwas Gutes für die Umwelt tun." Holz hat eine ausgeglichene Ökobilanz. Im Gegensatz zu Kohle und Öl gibt es nur so viel Kohlendioxid an die Atmosphäre ab, wie die Bäume ihr zuvor entnommen haben.

Ein bisschen Motivation braucht man schon, wenn man mit Selbstgehacktem heizen will. Und eine Eselsgeduld. Denn das Holz sollte rund zwei Jahre trocknen, bis es verheizt wird. Etliche Interessenten verlässt schon im Wald der Mut. Wolfgang Heckel, Förster in Stuttgart-Ruit: "Viele kommen nur einmal. Wenn die merken, wie schwer man schaffen muss für ein paar Meter Holz, dann sieht man die nie wieder!"

Ingrid Eißele/Michaela Kinzler / print
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