HOME
Neon-Logo

Abitur 2020 : "Es fehlt ein Abschied": So erleben Schüler ihr Abitur in Corona-Zeiten

Keine Partys, kein gemeinsamer letzter Schultag und alle Pläne aufgeschoben: Wer dieses Jahr sein Abitur schreibt, macht ganz besondere Erfahrungen. Drei Erfahrungsberichte.

Aurora Kelmendi, Annika Krause und Linus Aschenberner (v. l.) haben NEON von ihren letzten Tagen in der Schule erzählt

Aurora Kelmendi, Linus Aschenberner und Annika Krause (v. l.) haben NEON von ihren letzten Tagen in der Schule erzählt

Etwa eine Million Schülerinnen und Schüler machen diesen Sommer ihren Schulabschluss. Doch wegen der Corona-Pandemie fallen die meisten Abschlussfeiern wohl aus und auch viele Mitschüler sieht man nicht mehr im Klassenraum oder auf dem Schulhof. Die Pläne für Reisen, Ausbildung oder Studium liegen erst einmal auf Eis. Wie sich das anfühlt, haben drei Schulabgänger NEON geschildert.

Aurora Kelmendi aus Bochum: "Jetzt gerade sind es ein paar Monate totaler Unsicherheit"

Aurora Kelmendi aus Bochum

Aurora Kelmendi aus Bochum

"Schon bei den Abiklausuren im März mussten wir auf Abstände und Hygieneregeln achten. Morgen gibt es dann die Noten. Alle mit Nachnamen von A bis K kriegen ihre Abiergebnisse zwischen 9 und 11 Uhr, die anderen danach. Alle Mitschüler waren Mitte März das letzte Mal zusammen. Unsere Zeugnisse sollen wir am 19. Juni bekommen, es ist aber noch nicht klar, ob wir die in einer Art Drive-in abholen oder ob wir die Zeugnisse unter freiem Himmel bekommen.

Eigentlich wollte ich mit meiner Schwester in die USA, aber da ist die Lage ja noch heikler. Und wenn man dort krank wird… Also wird es wohl ein Urlaub in Deutschland. Ich möchte Medizin oder Zahnmedizin studieren. Ob das klappt, hängt von meinen Abi-Ergebnissen ab. Der Semesterstart ist auf den 1. November verschoben und auch dann könnte es ein Online-Studium werden. Jetzt gerade sind es ein paar Monate totaler Unsicherheit."

Linus Aschenberner aus Hamburg: "Irgendwie fühlt es sich gerade nicht nach Schule und Abitur an"

Linus Aschenberner aus Hamburg

Linus Aschenberner aus Hamburg

"Unser Abiball ist schon lange abgesagt. Nun kriegen wir in der Aula die Ergebnisse unserer schriftlichen Prüfungen und unsere Abizeugnisse. Allerdings nicht der ganze Jahrgang, sondern nach Profilen (bei diesem Modell wählen Schülerinnen und Schüler keine Kurse, sondern entscheiden sich für Schwerpunkte, Anm. d. Red.) getrennt. Ich habe mein Abi mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt gemacht. Wer auch in Bio, Physik und Chemie seine Prüfungen gemacht hat, sitzt dann mit mir auf Abstand in der Aula. Jedes Profil hat sein eigenes Zeitfenster bekommen, damit es keine Menschenansammlungen vor der Tür gibt.

Schüler mit meinem Profil sind planende Menschen. Die meisten wollten direkt studieren, nun fangen sie wohl ein Semester später an. Andere wollten 'Work and Travel' machen, das wird aber durch Corona nichts. Ich wollte ein Jahr Pause machen und erst einmal reisen und Praktika machen. Ob die Praktika stattfinden, hängt davon ab, wie die Firmen durch die Krise kommen.

Eigentlich wollte ich drei Monate durch Asien reisen, das habe ich für dieses Jahr aber ganz abgeschrieben. Nun schaue ich erst einmal, wohin ich in Europa reisen kann. Ich dachte eigentlich, dass ich zwischen der letzten schriftlichen und der mündlichen Abi-Prüfung drei Wochen sturmfrei hätte. Nun sitzen meine Eltern im Homeoffice statt im Büro. Irgendwie fühlt es sich gerade nicht nach Schule und Abitur an. Alle meine Mitschüler habe ich zuletzt am letzten Schultag vor den März-Ferien gesehen. Nur wussten wir da nicht, dass der ganze Jahrgang sich zum letzten Mal sieht. Es fehlt ein Abschied."

Annika Krause aus Fulda: "Momentan gibt es nicht einmal Termine für ein Visum"

Annika Krause aus Fulda

Annika Krause aus Fulda

"Schon bei unseren Abi-Klausuren im März durften höchstens acht Personen im Klassenzimmer sein und wir mussten auf Abstände achten. Der Abiball ist abgesagt, vielleicht holen wir ihn im Oktober nach. Aber auch das ist noch nicht sicher, das hängt auch von der Corona-Pandemie ab. Stattdessen machen wir nun Abschlussfeier und Zeugnisübergabe nach Kursen getrennt in der Schulaula.

Eigentlich wollte ich nun ein wenig reisen. Das versuche ich trotzdem. Aber im August wollte ich für ein Jahr als Au-pair in die USA. Das verschiebt sich nun auf unbestimmte Zeit nach hinten. Momentan gibt es nicht einmal Termine für ein Visum. Zum Glück kümmert sich darum eine Agentur und die meldet sich, sobald die Einreise in die USA wieder möglich ist. Das Jahr in den Staaten wollte ich zur Orientierung nutzen, denn was ich danach machen will, weiß ich noch gar nicht genau."

Quellen: "Destatis"

Protokolle: Thomas Krause
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity