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Aufwachsen in Frankreich: Landleben mit sechs Kindern, Kitz und Katzen

Abgeschieden, aber nicht abgeschnitten von der Welt, wachsen die sechs Kinder des Fotografen Alain Laboile im Südwesten Frankreichs auf. Wenn sie nicht zur Schule gehen, genießen sie ihr Leben in der Natur.

Ein kleines Mädchen hält einen Stock in der Hand, der Fotograf befindet sich unterhalb ihrer Füße

Aus der Froschperspektive verleiht die Aufnahme von Alain Laboile seiner Tochter die Anmut einer Kriegerin

Seine Leidenschaft für das Fotografieren hat Alain Laboile eher zufällig entdeckt. Es war im Jahr 2004, als der Bildhauer eine Kamera brauchte, um ein Portfolio seiner Skulpturen zusammenzustellen: neben Treppen, Gartentoren, Kaminen, auch weniger angewandte Kunst. Die meisten seiner Arbeiten bestehen aus Holz und/oder Metall.

Peu à peu entdeckte Laboile seine Freude an der Fotografie, wandte sich wegen seiner Leidenschaft für Insekten zunächst der Makrofotografie zu. Doch dann gewann ein neues Projekt die Oberhand. Der Franzose, der 1968 bei Bordeaux zur Welt kam, ist Vater von sechs Kindern und lebt mit seiner Familie in einem alten Haus inmitten von Weinbergen in der Region Gironde im Südwesten Frankreichs. Ein Bach fließt nebenan, ein Bambuswald ergänzt das Idyll. 

"La Famille"

"Nach der Geburt meiner letzten zwei Töchter habe ich die Linse dann Stück für Stück immer mehr auf meine Familie gerichtet. So war die Leidenschaft geweckt und hat mich in den letzten neun Jahren auch einfach nicht mehr losgelassen", erzählte Laboile vor zweieinhalb Jahren in einem Interview mit "kwerfeldein"

Die Schwarzweißfotos, die er täglich von seinen Kindern macht, teilt Laboile im Internet. 2015 sind sie in dem Fotoband "At the Edge of the World" im Kehrer Verlag erschienen. Sie zeigen die verwunschene Welt, in der die Kinder aufwachsen, abgeschieden in der Natur. Sie spielen, klettern, toben und das meistens nackt, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein ungebetener Gast auf das Grundstück verirrt, geht gegen null. 

Leben ohne künstliche Ablenkung

In dem alten Haus, in dem die Familie wohnt, existiert kein unnötiger Komfort, kein Fernseher lenkt von der Umgebung ab. Der Erfindungsreichtum der Kinder inspiriert den Fotografen zu seinen Aufnahmen. Manchmal greift er kurz in das Spiel ein und bittet die Kinder mit einer Geste zum Beispiel darum, etwas zu wiederholen oder sich an eine Stelle zu begeben, wo das Licht günstiger ist. 

Die beiden jüngsten Töchter, Dune, heute 8, und Nil, 7 Jahre alt, bemerken ihren Vater während ihrer kleinen Abenteuer gar nicht. Den älteren, Elliott, inzwischen 21, Olyana, 19, Luna, 17, und Merlin, 15, ist diese Versunkenheit abhanden gekommen, ihnen ist der Fotograf aufgrund ihres Alters sehr wohl bewusst.

Natürliche Nacktheit

Auf die Frage, ob Laboile wegen der Nacktheit der Kinder schon einmal negative Reaktionen erhalten habe, antwortet er: "Wir leben ja auf dem Land, an einem sehr isolierten Ort. Unsere Kinder entwickeln sich im Einklang mit der Natur. Die jüngsten ziehen sich also auch spontan aus, wenn das Wetter gut ist. Sie ziehen sich von selbst an, wenn sie älter werden und sich eine Vorstellung von Scham bei ihnen entwickelt.

Diese kindliche Nacktheit ist es, die manchmal zum Problem wird. Sie wird sexualisiert und dämonisiert und dann tritt auch Zensur auf. Ich akzeptiere das und lösche die Fotos einfach, über die sich beschwert wird."

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