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C. Tauzher: Die Pubertäterin: Tiere sind so toll – besonders, wenn sich jemand anders um sie kümmert

Hasen, Fische, Vögel, Hamster - was hat Christiane Tauzhers Tochter nicht schon alles zu Hause gehabt. Ihr Motto: Immer her mit den Tieren! (Mama wird sich schon kümmern.) Das nächste Tier, das gerettet werden muss, hat die Teenagerin schon gefunden.

Mädchen macht ein Selfie mit Hund

Sooooo süß!

Getty Images

Die Wombi ist Tierfreundin und Totengräberin in einer Person. Jedes arme, hässliche, kranke Tier, das uns unterkommt, will sie adoptieren. Kurz nach seiner Aufnahme bei uns vergisst sie es wieder, und ich habe dann das Tierchen am Hals. Wir betrauerten schon Schnecken, Riesengrashüpfer, Hasen, Fische, Vögel und Hamster, die sich in ihrer Obhut befanden. Natürlich lag es nie an der Wombi, sie hatte immer alle ihre Pflichten erfüllt.

Als Conchita, das letzte Hamsterchen, verschied, schwor ich, dass mir kein Käfigtier mehr ins Haus kommen würde. Conchita wurde verhältnismäßig alt, was wohl daran lag, dass ICH sie regelmäßig fütterte, ICH ihr das Wasser wechselte und ICH ihren Käfig säuberte. Wäre es nach der Wombi gegangen, hätte sie dem armen Hamster in der Nacht sogar das Laufrad weggenommen, weil sie angeblich vom "Lärm" gestört wurde und nicht schlafen konnte. "Der Hamster kann von 8 bis 15 Uhr jeden Tag in seinem Rad laufen. Da sitze ich in der Schule", erklärte sie mir. Mein Argument, dass Hamster nachtaktiv seien, fand die Wombi "lächerlich". "Ich bin auch von Natur aus nachtaktiv", sagte sie, "trotzdem zwingt ihr mich früh aufzustehen und in die Schule zu gehen. Ich lebe seit Jahren gegen meinen inneren Rhythmus. Conchita wird sich auch daran gewöhnen."

Sobald die Wombi schlief, stellte ich das Laufrad zurück in den Hamsterkäfig.

Seit die Wombi eine eigene kleine Hündin namens Ruby hat, rette ich regelmäßig ihr Leben. Sie wäre längst verdurstet, verhungert, erfroren oder an Langeweile gestorben. Dennoch hängt das Hündchen Ruby an der Wombi, als wäre sie der Messias. Die Ausreden, warum sie mit dem Hund keine Runde drehen könne, der den halben Tag sehnsüchtig darauf wartet, dass sein Frauchen zurück kommt, sind mannigfaltig. Sie reichen von "Bauchweh" über "totale Erschöpfung" bis hin zu "schlechtem oder zu heißem Wetter".  Manchmal muss die Wombi auch plötzlich "lernen", "nachdenken" oder "schlafen". Meine Lieblingsausrede lautet: "Ich würde ja echt gern mit der Ruby raus gehen, aber sie ist zu müde." Als wäre dieser Feststellung eine lange Diskussion mit dem Hund vorangegangen, der die Wombi dann doch davon überzeugt hatte, dass er heute keinen Bock auf Bewegung hat.

Für wen die Wombi alles liegen und stehen ließ, war ein Molch in einem Bottich. Besagter Bottich stand in einem Abrisshaus am Waldrand, das die neugierige Wombi bei einem Streifzug inspiziert hatte. Wie der Molch in den Bottich gekommen war, blieb ein Mysterium, das die Wombi tagelang beschäftigte. "Der arme, arme Molch", jammerte sie, "ganz allein in dem dunklen Keller zieht er im Bottich seine Runden. Ohne Chance auf Rettung." Wir, der Olaf und ich, boten uns an, den Molch mit der Wombi aus dem Bottich zu holen. Kein Gefäß, das ich vorschlug, war gut genug. "Du transportierst den Molch doch nur damit zum Fluss", sagte ich. Die Wombi schüttelte über soviel Unkenntnis den Kopf. "Der Molch soll keinen Schock bekommen", sagte sie.

Schließlich nahm sie gnädig das von mir entleerte Bonbon-Glas als Rettungsbehälter entgegen, und wir machten uns auf den Weg zum Molch im Bottich.

"Keine Angst vor meinen Eltern!"

Der Molch sah aus wie eine Riesenkaulquappe mit Füßen und kraulte hektisch durch sein Bassin, als ihn die Wombi mit der Taschenlampe anstrahlte. "Kleines Molchilein, gleich bist du frei", säuselte sie. Der Olaf wechselte einen Blick mit mir.

Das Molchilein ließ sich relativ leicht einfangen, die Wombi redete hinterher beruhigend auf das Glas ein. "Glaubst du, der hört dich?", fragte ich sie. Sie antwortete mir nicht, stattdessen sprach sie weiter mit dem Molchilein. "Keine Angst vor meinen Eltern. Die tun dir nichts."

Dann ließ sie uns neben dem Bottich stehen und machte sich allein auf den Weg zum Bach, um den Molch auszusetzen. "Könnte ich ihn nicht vielleicht doch behalten?", fragte sie vorher noch. Wir antworteten gleichzeitig. Schnaubend ging sie, den Molch an sich gepresst ,zur schiefen Tür des Abbruchhauses hinaus.

Zehn Minuten später war sie zurück. Mit rotgeweinten Augen. "Er war so süß", schluchzte sie, "hoffentlich findet er sich in der Wildnis zurecht." Wildnis? Es klang so, als käme er aus einem Fünf-Sterne-Hotel.

"Selbst wenn der Molch gleich gefressen wird", sagte ich, "so hat er wenigstens ein paar schöne Minuten in der Natur gehabt."

"Danke!", sagte die Wombi, "das ist natürlich ein supertröstlicher Gedanke. Ihr habt doch keine Ahnung von Molchen."

Nein, haben wir in der Tat nicht, aber wir haben ein bisschen Ahnung von Wombis. Und eines ist klar: Der Molch hat es in der gefährlichen Wildnis besser erwischt als in einem Glas in Wombis Zimmer.

Aber das behielten wir bei uns.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(